Pommidoro


 

 
Pasolinis letztes Abendmahl

Der Schriftsteller und Filmemacher Pier Paolo Pasolini (geboren 1922, getötet in der Nacht vom 1. zum 2. November 1975 in Rom) liebte San Lorenzo, das Arbeiterviertel mit der langen Widerstandstradition. Und er liebte Anna und Aldo Bravi, die Wirtsleute der Trattoria Pommidoro an der Piazza Sanniti, ganz in der Nähe seiner Wohnung.

Aldo ist Padrone in vierter Familiengeneration, seine Tochter Dina hilft ihm im Restaurant, gelegentlich auch schon die Enkelin Flavia. Anna Desideri hat ihn vor 43 Jahren geheiratet, und ebenso lange kocht sie für die Gäste des Pommidoro. Pasolini brachte oft Freunde mit, Maria Callas, den Schriftsteller Alberta Moravia, er mochte Annas urrömische Küche, obwohl er selbst kein großer Esser war. „Er aß immer das gleiche“, sagt uns Aldo, „Filetsteak mit Mozzarella, trank wenig Wein, ein Glas Weißen, meistens Wasser.“ So auch am Abend des 1. November 1975. Es war ein schöner Abend in der Ewigen Stadt. Der Rolladen des Pommidoro war schon halb heruntergelassen (so erzählt es Barth Schwarz in seinem „Pasolini Requiem“), als Pier Paolo kam. Er wollte wieder gehen, Anna nicht mehr bemühen, aber sie bestand darauf, für ihn zu kochen. Freunde kamen nach, man sprach über Pasolinis nächsten Film, dann bezahlte „Pa“, wie ihn die Römer nannten, mit einem Scheck. Aldo hat ihn nie eingelöst, hat ihn behalten als Erinnerung. Die Freunde trennen sich auf der Piazza, und Pasolini steigt in seinen geliebten silbernen Alfa Romeo 2000 GT. Der rebellische Poet fährt hinaus in die Nacht, zu seinem Rendezvous mit der Ewigkeit.

 


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