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Maren Oehm und ihr Leben auf Mallorca

Maren Oehm und ihr Leben auf Mallorca

COUNTRY STYLE sprach mit der Innenarchitektin und Designerin über Authentizität, Flexibilität und die Magie des Lichts.

Wurde Ihnen die Kreativität in die Wiege gelegt oder haben Sie sich in jungen Jahren von etwas inspirieren lassen? Einem Vorbild vielleicht?

Das eine schließt das andere nicht aus. Ich denke, die Kreativität wurde mir in die Wiege gelegt. Meine Mutter hatte eine Freundin, die Innenarchitektin war, und ich fand diesen Beruf schon immer faszinierend, fand toll, was sie machte. Wirkliche Vorbilder habe ich nicht – in der Kunst bewundere ich genauso die flächigen farbigen Bilder von Mark Rothko wie die unglaublich feinen und scharfsinnigen Zeichnungen von Sempé. Seine Skizzen bringen mich immer wieder zum Lachen!

Durch wen oder was wurde Ihre persönliche Handschrift geprägt? Wo lagen die Wurzeln?

Die Wurzeln meiner Handschrift liegen in meinem Studium in Paris an der École Camondo, welches sehr stark künstlerisch orientiert war. Wir haben die unglaublichsten Sachen machen dürfen, waren sehr frei. Die Franzosen haben zum Beispiel einen viel mutigeren Umgang mit Farbe als wir Deutschen. In Paris auf der Messe lernte ich zufällig ein Designbüro kennen, das in gleicher Weise arbeitete, und in deren witzige Objekte ich mich sofort verliebte. Es war die Firma meines Mannes, in der in den darauffolgenden Jahren meine Handschrift maßgeblich mitgeprägt wurde.

 Können Sie uns Ihre Handschrift beschreiben?

Ich versuche, den Häusern eine Art Grundausstattung zu geben, die dann erweiter- und variierbar ist. Eine Art Grundton in Farbe und Stil, wandelbar mit verschiedenen, sich abhebenden Einzelmöbeln und individuellen Accessoires, nach Laune oder Jahreszeit. Nichts Starres, ein Haus und ein Interieur müssen wachsen, dann wirkt es auch lebendig. Hier habe ich natürlich den unglaublichen Vorteil, fast immer „von Anfang an“ dabei zu sein bei der Entwicklung des Hauses. Und ein paar Dinge kann man dann einfach nur ganz zum Schluss spontan entscheiden. Man kann sie nicht finden, sondern sie finden einen.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Ihren Auftraggebern?

Die meisten unserer Kunden kommen auf Empfehlung zu uns und haben schon eines oder mehrere unserer Häuser gesehen. Das ist eine gute Voraussetzung, zusammen ein stimmiges Haus zu gestalten. Jeder Bewohner ist anders, moderner oder ländlicher, verspielter, klassisch oder cooler eingestellt. Lernt man die Menschen näher kennen, entwickelt man eine Art „Wohnwelt“, abgestimmt auf Bedürfnisse, Geschmack und Persönlichkeit des Kunden. Insofern sind wir offen und flexibel. Wenn das Konzept aber steht, wird es konsequent bis in die Details verfolgt.

Wie gehen Sie an die Planung eines Innenraumes heran: eher strategisch oder lassen Sie Emotionen und das Bauchgefühl sprechen?

Das ist schwer zu beschreiben, ich habe eine Art Bild, eine Art Charakter, den der Raum bekommen soll, vor mir, im Einklang mit der Umgebung und den Menschen, die darin wohnen werden. Zu diesem Porträt muss dann alles passen. Wohl eher Bauchgefühl.

Was ist das Spannendste für Sie beim Gestalten eines Objektes?

Es gibt viele spannende Momente beim Hausbau, aber gerade bei unseren Objekten, wo der Bauherr zur Übergabe anreist und oft vorher längere Zeit nicht da war, ist es definitiv der Moment, in dem der Hausbesitzer durch die Türe tritt. Wodurch oder womit erzeugen Sie Emotionen in einem Raum? Durch kleine Details wie Collagen aus Naturmaterialien, handgemalte Skizzen auf Stoffen, in den eigentlich sehr klar gestalteten Räumen meines Mannes. Durch spannende Blicke von innen nach außen.

Mit welchen Materialien gestalten Sie am liebsten und welche Funktionen müssen diese erfüllen?

Ich liebe natürliche Materialien wie Terrazzooder Holzfußböden, die mallorquinischen Marmolina- Waschbecken und den Santanyí-Stein, der hier abgebaut wird. Im Möbelbereich gibt es tolle Geflechte, naturbelassene oder mit einer Art Batiktechnik getönte. Bei Stoffen ist mein Favorit momentan ein Baumwoll-Leinen-Gemisch. Materialien müssen echt sein und nicht ein anderes imitieren sowie auf die Gewohnheiten der Bewohner eines Hauses abgestimmt sein.

In Ihren Interieurs findet man jede Menge Kissen. Sind die Ihr Markenzeichen?

Nein, aber stellen Sie sich ein Haus ohne Kissen vor. Außerdem kann man mit Kissen einfach und austauschbar Farbe in ein Interieur bringen – und Kuschelfaktor.

Sie sind Innenarchitektin und Designerin, welche der beiden Professionen wiegt schwerer?

Mein Studium war eine Kombination aus beidem. Innenarchitektur und Design sind untrennbar, es ändert sich lediglich der Maßstab. Bei beidem geht es um Proportionen, Gleichgewicht, Material, Nützlichkeit und nicht zuletzt auch Optik. Dennoch liegt mein Schwerpunkt momentan bei der Innenarchitektur.

Vor fünfzehn Jahren sind Sie mit Ihrem Mann Hans-Peter nach Mallorca ausgewandert. Inwieweit hat dieser Schritt Ihr berufliches Leben verändert?

Ich habe nicht das Gefühl, ausgewandert zu sein, sondern eher unseren Wohnsitz verlegt zu haben. Die Welt wird immer kleiner. Wir sind nach wie vor auch in Deutschland aktiv, viele der Einrichtungsgegenstände beziehe ich z. B. über unseren eigenen Einzelhandel in Deutschland. Unser berufliches Leben hat der Umzug insofern verändert, als dass es sich bei unseren Objekten nicht nur, aber größtenteils, um Ferienhäuser handelt. Dies wiederum bedeutet, dass der Bauherr nicht vor Ort ist. Wenn er aber anreist, ist der Kontakt umso intensiver. Außerdem bietet Mallorca ganz andere Voraussetzungen, was die Umgebung, das Licht und auch das Handwerk angeht. Wir passen unsere Architektur und die Materialien zumindest von außen der traditionellen Bauweise Mallorcas an, arbeiten fast ausschließlich mit Handwerkern von hier.

Sie sagen von sich, „Mich gibt’s nur im Doppelpack“ – und zwar mit Ihrem Mann Hans- Peter, der ebenfalls leidenschaftlicher Gestalter ist und jahrelang in Deutschland ein Architektur-, Innenarchitektur- sowie Designbüro leitete …

Damit meine ich, dass unsere Objekte das Ergebnis einer Teamarbeit sind, die unser beider Handschrift tragen. Ich halte das für einen Idealfall und käme nicht auf die Idee, daran etwas zu ändern.

Wie müssen wir uns die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Ihrem Mann vorstellen?

Wir sind ein Team, besprechen fast alles miteinander. Architektur und Innenarchitektur sind untrennbar. Mein Mann entwirft hauptsächlich das Haus, den Baukörper – der die Innenarchitektur ja schon beinhaltet, er zeigt mir alle seine Skizzen, und wir diskutieren darüber. Architektur, Innenarchitektur, Raumausstattung, Dekoration, alles geht ineinander über. Ab einem bestimmten Zeitpunkt verlagert sich sozusagen der Schwerpunkt. Mit Möbeln und Stoffen beschäftige ich mich ein wenig mehr, aber wir zeigen uns immer gegenseitig unsere Ideen und sprechen darüber.

Sind Sie und Ihr Mann immer einer Meinung, wenn es um die Gestaltung eines Projekts geht?

Nicht immer von vornherein, wir diskutieren auch kontrovers, aber respektieren die Ansicht des anderen. Meistens ist die Diskussion fruchtbar. Es gab noch nie den Fall, dass einer von uns beiden nicht mit dem, was umgesetzt wird, leben konnte.

Sie leben in der Gemeinde Santanyí. Weshalb haben Sie gerade diese Region Mallorcas zu Ihrer zweiten Heimat gemacht?

Weil es die ursprünglichste und für mich die schönste Region Mallorcas ist und unsere Kinder hier ganz normal aufwachsen können, ohne das Gefühl zu haben, in einem Urlaubsort zu leben.

Wie gestaltet sich das reale Leben auf Mallorca, hat man hier eine höhere Lebensqualität als in Deutschland?

Es kommt darauf an, was man unter Lebensqualität versteht, welche Bedürfnisse man hat. Jedes Land hat seinen eigenen Charakter, seine Eigenheiten, eine andere Kultur, und darauf sollte man sich einstellen können. Das Leben zwischen Familie und Arbeit gestaltet sich vom Ablauf her sicher ähnlich für mich wie in Deutschland auch – außer dass der Zeitablauf entsprechend „südländischer“ ist, was nicht bedeutet, dass man weniger arbeitet, im Gegenteil. Wir haben ein reizvolles Klima und Leben und in meiner Lebensphase – das Paradies. Wir sagen immer „Wir haben hier keine Staus“, dabei stehe ich regelmäßig hinter Schafherden, die die Weide wechseln. Diese Art Stau mag ich. Lebensqualität ist das, was man daraus macht, oder?

Ein Leben auf dieser Insel scheint so ganz ohne Sorgen zu sein, ist dem so?

Kleine Sorgen lassen sich in der Sonne im richtigen Licht bestimmt leichter ertragen als bei bedecktem Himmel. Was ich unter echten Sorgen verstehe ist aber vollkommen ortsunabhängig.

Haben Sie eine Affinität zu bestimmten Farben?

Mallorca bietet traumhaftes Licht und wunderschöne Farben. Momentan liebe ich Türkis, wie die Buchten hier und das Rot der Erde. Das findet man sowohl in unseren Häusern als auch in meinen Bildern wieder, deswegen passen auch beide so gut zusammen. Gerade statte ich ein Haus auch mit meinen Bildern aus, darüber bin ich sehr glücklich, mehr geht nicht.

Seit wann malen Sie?

Ich habe schon immer gerne gemalt, Spaß an Farben gehabt. In meiner Zeit in Frankreich hat sich das weiter entwickelt, und Mallorca hat es später wieder verstärkt. Das Licht und die Farben hier sind einfach toll, das Meer verändert sich jede Sekunde, malen kann man das nicht, aber es inspiriert mich. Ich bin nicht sehr gegenständlich in meiner Malerei, originalgetreue Abbildungen finde ich nicht so interessant.

Was reizt und inspiriert Sie an der Malerei?

Inspirierend finde ich z. B. die Unterwasserwelt, in Farben und Zeichnungen. Manchmal schaue ich mir im Aquarium mit meinen Kindern Fische an, da sehe ich ganze Stoffkollektionen vor mir. Bei den Pflanzen ist es ähnlich. Es gibt nichts, was es in der Natur nicht schon gibt. Wenn ich male, habe ich immer eine Farbidee vor mir, das Gegenständliche schleicht sich – wenn überhaupt – eher zum Schluss ein. Die Malerei ist für mich mein Hobby, eine Art produktive Entspannung, der ich künftig gerne mehr Zeit widmen würde.

Haben Sie ein mallorquinisches Lieblingsmotiv?

Es gibt ganz typische Linien auf Mallorca, unter anderem die der kleinen mallorquinischen „Llauts“-Fischerboote. Sie bestehen aus drei perfekten Horizontalen und zwei perfekten Vertikalen. Ein paar „Llauten“ auf dem Wasser sind die perfekte Harmonie!

Danke für das Gespräch!

 

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