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HIGH LIFE Heft 30 | Herbst 2012


© Foto McLaren

McLaren MP4-12C
FORMEL 1 FÜR DIE STRASSE

HIGH LIFE Autor Christian Sauer fuhr den neuen Supersportwagen und war nicht nur von seinem Design mit spektakulären Flügeltüren begeistert. Sein Fahrbericht weckt auch schon Vorfreude auf den offenen 12C Spider.

Was haben Jenson Button und Lewis Hamilton gemeinsam? Beide sind schon Formel 1 Weltmeister gewesen, stammen aus England und haben seit letztem Jahr auch abseits der Rennstrecke den gleichen Dienstwagen, den McLaren MP4-12C, an dessen Entwicklung sie sogar aktiv beteiligt waren. Der Name steht ganz in der Tradition der erfolgreichen Monoposti aus dem Hause McLaren. Dort in Woking, rund 50 Kilometer südwestlich von London, entstehen in futuristischem und klinisch-sauberem Umfeld nicht nur die Renn-Boliden, sondern auch der neue Zweisitzer, der die etablierten Sportwagen-Hersteller das Fürchten lehren soll.

 Optisch hat er auf jeden Fall das Zeug dazu. Sportlich-elegant und modern gezeichnet, verzichtet das Design komplett auf überflüssige Linien. Passend dazu hüllt sich unser Testwagen nicht in traditionellem McLaren-Orange, sondern glänzt in der Sonderlackierung Volcano Red und mit diversen Elementen aus Carbon. Das „schwarze Gold“ spielt aber eher woanders seine Hauptrolle: Wer die seitlich nach oben schwingende Tür geöffnet hat, gleitet über die Flanke des Carbon MonoCell in das puristisch gestaltete Cockpit. Wie in der Formel 1 bildet die innovative Fahrgastzelle das hochfeste und weniger als 75 kg leichte Rückgrat des 12C, der leer insgesamt unter 1400 kg wiegt.

Leichtbau war auch bei den Sportsitzen angesagt, die guten Seitenhalt bieten und dennoch bequem ausfallen. Der gesamte Innenraum überzeugt mit hochwertig gestalteten Details und erstklassiger Materialqualität. Das Cockpit wirkt trotz der anders positionierten Bedienelemente der Klimaanlage in den Türen übersichtlich und alltagstauglich. Ohne Digitalanzeigen kommen die Instrumente mit dem mittigen Drehzahlmesser nicht aus, McLaren verzichtet allerdings bewusst auf Effekthascherei. Dafür hat der Pilot alle wichtigen Informationen im direkten Blickfeld und kann höchstens noch von IRIS abgelenkt werden. Das High-End-Multimediasystem mit Touchscreen im Hochformat bietet eine Vielzahl an Funktionen, wie eine Verbindung zum eigenen Smartphone, den bordeigenen Musikspeicher und Navigation. Wir verzichten aber bei der ersten Ausfahrt gern auf das Meridian Surround-Soundsystem, denn unsere Musik spielt direkt hinter uns, unter der gläsernen Motorhaube.

 Mit dem roten Startknopf gebe ich dem V8-Orchester den Einsatz, dessen erste Takte bereits im Stand einen Vorgeschmack auf die folgende Symphonie geben. Langsam nimmt der 12C Fahrt auf und der Automatikmodus des 7-Gang-Doppelkupplungs- getriebes leitet den zweiten Akt ein. Geschmeidig gleitet der 625 PS starke McLaren mit hydraulischem Feder- und Dämpfungssystem über Unebenheiten und dank der guten Rundumsicht fühlen wir uns selbst in der Stadt nicht unwohl – doch etwas zu langsam für unseren Geschmack. Also raus aufs Land, wo freie Straßen und schnelle Kurven warten.

Während sich die Lenkung, das Fahrwerk und das Geräuschniveau bis eben noch sehr komfortabel gaben, ändert sich dies merklich, sobald wir uns den beiden formschönen Drehschaltern in der schmalen Mittelkonsole widmen. „H“ und „P“ stehen in diesem Fall nicht für Horsepower, sondern für Handling und Powertrain, deren Charakteristika sich damit unabhängig voneinander schärfen lassen. Wir wählen jeweils den Sportmodus und die Launch-Control. Mit optionalen Corsa-Reifen von Pirelli sprintet der 12C mit Heckantrieb ohne spürbare Traktionsverluste in sensationellen drei Sekunden auf 100.

Die Beschleunigungsorgie nimmt uns die Luft und scheint nicht enden zu wollen. Die 200-km/h-Marke fällt in unter neun Sekunden und Schluss ist erst bei Tempo 333. Möglich macht es das V8-Triebwerk mit nur 3,8 Liter Hubraum, das von zwei Turboladern befeuert wird. Die sorgen auch dafür, dass bereits ab 3000 Touren das maximale Drehmoment von 600 Nm parat steht. Die 625 PS versammeln sich dann bei 7500 und kündigen den roten Bereich bei 8500 an. So schnell der Drehzahlgipfel erreicht ist, so schnell lassen sich mit Ziehen oder sogar per Drücken der Schaltwippe hinter dem kleinen Leder-Carbon-Lenkrad die Gänge wechseln. Die Übergänge sind nahtlos und selbst unter Volllast kaum spürbar. Das ist aber nur ein Unterscheidungsmerkmal, das den McLaren von anderen Hochleistungssportwagen abgrenzt.

Ja, im Track-Modus mit seinem messerscharfen Handling, sowie der enormen Leistung scheint der McLaren wie geschaffen für die Rundstrecke und bildet die Basis für die GT3-Rennversion, mit denen dieses Jahr mehrere Kundenteams weltweit an den Start gehen. Sein ganzes Potential kann der 12C mit Straßenzulassung auch nur dort ausspielen, aber dennoch ist er kein kompromissloser Racer.

 

Unglaublich schnell durcheilt er selbst die schwierigsten Kehren, bleibt dabei aber überraschend einfach zu beherrschen und ausgesprochen gutmütig. Die direkte Lenkung gefällt mit guter Rückmeldung. Nie haben wir das Gefühl an die eigenen Grenzen oder den Grenzbereich des Wagens zu kommen. Der McLaren ist perfekt ausbalanciert und stabil beim Anbremsen, wie auch auf der Geraden. Serienmäßig schon mit bärenstarken Bremsen bestückt, gibt es auf Wunsch Keramik-Stopper, die bei extremen Belastungen noch ausdauernder sind. Der Einstiegspreis unseres Testwagens beginnt bei 200.000 Euro. Damit ist der Brite mit dem Herzstück aus Carbon deutlich preiswerter als die entsprechende Konkurrenz. Im Vergleich mit ihnen fehlt dem Newcomer von der Insel allerdings (noch) der Wiedererkennungswert.

Das wird sich aber bald ändern, denn die offene Version des Supersportwagens, der 12C Spider steht bereits in den Startlöchern. Er trägt die gleichen Formel 1-Gene in sich wie die geschlossene Variante, verfügt über nahezu identische Fahrleistungen und auch die Flügeltüren bleiben erhalten. Sein einzigartiges versenkbares Hardtop (RHT) lässt sich in weniger als 17 Sekunden und bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h öffnen oder schließen. Es bietet mehr Alltagstauglichkeit als ein Stoffverdeck, ohne viel Platz in Anspruch zu nehmen oder das Gewicht in die Höhe zu treiben. Da für den 12C bereits von Anfang eine Cabriolet-Version vorgesehen war, musste das MonoCell-Chassis nicht zusätzlich verstärkt werden.

Mit dem geringen Mehrgewicht von nur 40 kg ist der 12C Spider seinem Schwestermodell mit festem Dach in puncto Fahrleistung und -dynamik ebenbürtig. Er bietet in einigen Belangen sogar noch mehr: Die hinter den beiden Sitzen montierte Windschutzscheibe lässt sich ebenfalls auf Knopfdruck elektrisch versenken und hochfahren. Sie dient bei geöffnetem Dach als Windschott und bei geschlossenem Dach lässt sie sich jederzeit absenken, damit der imposante Klang des V8-Doppelturbomotors ungefiltert in den Innenraum des 12C Spider dringen kann. Bei geschlossenem Dach lässt sich der 52 Liter fassende Bereich unter der Verdeckklappe als zusätzlicher Stauraum nutzen.

Ein maßgefertigtes Taschenset gehört serienmäßig zum Lieferumfang jedes 12C Spider, der ab Ende 2012 zu einem Preis ab 231.650 Euro in Deutschland erhältlich sein wird. Neben dem luxuriösen Sportcabriolet plant das Team von Ron Dennis mindestens eine weitere Baureihe. Das würde nicht nur die beneidenswerten Jenson und Lewis, sondern auch uns freuen – Fortsetzung folgt!

 

http://spider.mclaren.com/

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