Wir verwenden Cookies auf dieser Seite, die die Bereitstellung unserer Dienste erleichtern. Wie Sie einer Verwendung von Cookies widersprechen können erfahren Sie hier.
 

HIGH LIFE Heft 30 | Herbst 2012


© Foto Goodwood Festival of Speed

GOODWOOD
FESTIVAL OF SPEED

Goodwood Festival of Speed Wenn Charles Gordon-Lennox, besser bekannt als Earl of March & Kinrara – oder einfach nur Lord March – alljährlich im Sommer die Tore zu seinem herrschaftlichen Anwesen in West Sussex öffnet, ist es vorbei mit der Ruhe in der ländlichen Bilderbuch-Idylle. Über 185000 Besucher aus der ganzen Welt strömen für ein langes Wochenende nach Goodwood, knapp zwei Fahrstunden südlich von London, auf halben Weg zwischen Southampton und Brighton gelegen.

Text Christian Sauer | Fotos Goodwood Festival of Speed

Hier, wo auf saftigen grünen Wiesen neben dem Firmensitz von Rolls-Royce ansonsten Rinder und Schafe friedlich grasen, hallt bereits aus der Ferne der Klang von Rennmotoren. Bereits der Großvater von Lord March, der 9. Duke of Richmond, veranstaltete 1936 ein privates Bergrennen entlang des stattlichen Goodwood House.

Auf der 1,86 Kilometer langen und teils sehr schmalen Strecke gilt es neun Kurven samt holprigen Asphalt zu meistern. So unbeständig und wechselhaft sich der Himmel über Goodwood mit teils kräftigen Regenschauern präsentierte, hatten die Besucher trotzdem allen Grund zum Strahlen. Wo anders bekommt man schon derartig viele und unterschiedliche Vehikel zu sehen?! Vom Motorrad bis zum Renntruck, aus der Vergangenheit des frühen 20. Jahrhunderts über die Gegenwart bis zur nahen Zukunft wurde alles aufgefahren, was es (relativ) schnell den Hügel hinauf zum Ziel schaffen konnte. Dort wurde zwar die Zeit gestoppt, aber die meisten Teilnehmer legten sich nicht mit dem Rekord von 41,6 Sekunden an, den Nick Heidfeld bereits 1999 mit einem Formel-1-Wagen auf den Asphalt zauberte.

 Traumwagen wie der Koenigsegg Agera, Pagani Huayra, Aston Martin V12 Zagato und Spyker C8 Aileron wurden von gleich zwei Bugatti Veyron samt Testfahrer Pierre-Henri Raphanel gekrönt. Andere Sportwagen, die HIGH LIFE bereits ausführlich in Fahrberichten präsentiert hat, wie der Lamborghini Aventador, der McLaren MP4-12C, Lexus LFA oder die Ferraris 458 Spider und FF wurden dort ebenso bewundert wie die neuen Lotus Evora GTE und Exige S. Selbstverständlich war auch die deutsche PS-Elite mit dem Audi R8,  BMW M6, Mercedes SLS, Porsche 911 und Wiesmann MF5 vertreten. Eigentlich lohnt sich allein deswegen der Weg nach Goodwood. Es gibt kaum einen anderen Ort auf der Welt, an dem sich so viele der stärksten, schnellsten, teuersten und seltensten Sportwagen zusammen sehen und hören lassen.

Ohne Straßenzulassung präsentierten sich die meisten der unzähligen Rennwagen. Ein prominentes Beispiel war der Audi R18 E-Tron Quattro, der erst wenige Tage zuvor die 24 Stunden von Le Mans gewonnen hatte. Nur ein paar Meter entfernt, war der original Porsche 917 zu bewundern, der im Jahr 1970 erstmals für Porsche den Sieg im Langstreckenklassiker einfuhr.

Sehenswert waren auch fünf Silberpfeile von Mercedes-Benz Classic: Zwei 300-SL-Flügeltürer mit einzigartiger Vorgeschichte, ein historischer SLR, ein brachialer Vorkriegswagen aus den 1930er Jahren mit fast 600 PS und als Kontrast ein CLK GTR aus dem Jahr 1997. Es gab nahezu nichts, was es nicht gab. Doch egal welche Klasse und welches Baujahr, die meisten Rennboliden waren in ihren luftigen Boxen den Zuschauern zum Anfassen nah.

Auf  Tuchfühlung mit dem fachkundigen Publikum gingen ebenso deren Piloten. Dabei handelte es nicht um irgendwelche Rennfahrer, sondern auch um Champions und Legenden wie Damon Hill, Emerson Fittipaldi, Sir Jackie Stewart und Sir Stirling Moss, der seine Karriere 1962 nach einem Unfall auf dem benachbarten Rundkurs von Goodwood beendete.

 

Deutsche Piloten, wie Jochen Mass, Bernd Schneider und Klaus Ludwig, gingen dieses Jahr ebenso wieder an den Start wie Nico Rosberg und Sebastian Vettel in ihren aktuellen Formel-1-Wagen. Die Königsklasse des Motorsports war zusätzlich mit seinem Red-Bull-Teamkollege Mark Webber sowie den beiden McLaren-Piloten Jenson Button und Lewis Hamilton gut vertreten. Letztgenannte wurden nicht nur besonders bejubelt und von britischen Fans umringt, sondern boten auch auf der Strecke eine aufsehenerregende Show mit qualmenden Reifen.

 

Die gab es dann auch am Samstagabend, als der Gastgeber zur Black-Tie-Party lud, wobei vielen Piloten der gewohnte Rennanzug sicher lieber gewesen wäre. Doch die spektakuläre Show mit Künstlern vom Cirque de Soleil beeindruckte ebenso wie das Feuerwerk, das tagsüber in etwas kleiner Ausführung und mit Donnerschlägen die Mittagszeit einläutete. Solche Eigenheiten gehören ebenso zum Festival of Speed wie Dudelsackspieler, ein Ehrenkorso von Staatskarossen anlässlich des 60. Thronjubiläums von Elisabeth II, eine Ausstellung von Panzern und die Flugshow der Royal Air Force.

Mindestens ebenso aufwändig präsentierten sich die Automobilhersteller mit ihren neuesten Modellen auf dem Ausstellungsgelände. Passend zu der englischen Countryside feierte Mercedes-Benz dort die Weltpremiere des CLS Shooting Brake und Jaguar zeigte einen nur noch leicht getarnten Prototyp des neuen F-Types. Der wird nächstes Jahr dann sicherlich in voller Gänze auf dem Festival of Speed, eine der größten Motorsportveranstaltungen der Welt, zu sehen sein. Und wem das wider Erwarten nicht zusagt, findet vielleicht doch eher auf dem Golfplatz oder auf der Pferderennbahn Ablenkung. Die gehören wie der Flugplatz, das Goodwood Hotel und ein Bio-Bauernhof zum Anwesen von Lord March. Adel verpflichtet!

  

http://www.goodwood.co.uk/festival-of-speed/welcome.aspx

Die aktuelle HIGH LIFE Ausgabe 8/2012, Heft 30, erhalten Sie in unserem Online-Shop, einfach auswählen und bestellen, oder genießen Sie HIGH LIFE dreimal im Jahr im kostengünstigen Abonnement frei Haus.

ANZEIGE


Milaidhoo MaledivenTop-Angebote für das neue Highlight» Zum Angebot...