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HIGH LIFE Heft 30 | Herbst 2012


© Foto Heike Schwab

34. America’s Cup in Europa
V I V A   I T A L I A !

Imposant strahlt das haushohe Transparent des italienischen America’s-Cup-Teams LUNA ROSSA über die Lagune Venedigs, direkt vor der Piazza San Marco, wo der Canale Grande in den Canale della Giudecca mündet. Noch imposanter wirkt die ohnehin traumhafte Kulisse, wenn die beiden 45-Fuß-Katamarane desselben Teams unter ihrer eigenen Flagge kreuzen und mit den anderen sieben Kats der America’s Cup World Series (ACWS) die unzähligen Zuschauer entlang der Promenade am Bacino di San Marco in ihren Bann ziehen.

Text und Fotos Heike Schwab

Venedig, diese traditionsreiche Stadt der Visionäre, Eroberer, Träumer und Abenteurer, ist die zweite Station der ACWS, den sogenannten Vorregatten des 34. America’s Cup, in Europa. Neapel und die exklusive Lagunenstadt sind die tragenden Säulen der weltberühmten Segelregatta auf dem alten Kontinent, die ansonsten nur in den USA an West- und Ostküste ausgesegelt wird. Das italienische Engagement ist das Resultat einer turbulenten, stürmischen Entwicklung des Cup-Konzepts seit dem Sieg des Verteidigers ORACLE TEAM USA (damals BMW ORACLE RACING) im Februar 2010 in Valencia.

Viele Teams, mehr als die zwölf Teilnehmer von 2007, sollten starten. Ein Medienspektakel sollte es werden, ganz auf den Zuschauer zugeschnitten. Vorregatten rund um den Globus sollten den Cup weltweit den Fans näherbringen. Schneller, jünger, dynamischer sollte die Trophäe werden und die Facebook-Generation genauso fesseln wie traditionelle Anhänger. Einige dieser Ziele haben die Macher des 34.America’s Cup (AC), der Multimilliardär Larry Ellison, Eigner des amerikanischen Verteidigers, und Russell Coutts, vierfacher America’s-Cup-Sieger und CEO von ORACLE TEAM USA, bereits umsetzen können, andere sind hinter zu hohen Anforderungen an die einzelnen Teams und Austragungsorte unter den erschwerten Bedingungen der weltweiten Wirtschaftslage auf der Strecke geblieben.

Der Ansturm der potenziellen Teams ist abgeflaut und in 2013 werden zum Louis Vuitton Cup (LVC), der Ausscheidungsregatta der Herausforderer, nur vier Teams antreten: Artemis/Schweden, Emirates Team New Zealand, Luna Rossa/Italien und das vor Kurzem bestätigte Team Korea, das unter dem Motto „Dabeisein ist alles“ segelt. Denn Korea hat als einziges Team einer 1-Boot-Kampagne gegen die anderen 2-Boot-Kampagnen so gut wie keine Erfolgschancen. Mangels Masse ganz die Segel streichen mussten bereits die Kampagnen Mascalzone Latino Italia/Italien, Green-CommRacing/Spanien und Aleph Equip de France/Frankreich.

 Während der ACWS noch im Spiel sind die Franzosen Energy Team und China Team, die aber die zweistelligen Millionenbeträge für den Bau eines 72-Fuß-Katamarans, das Boot, auf dem in 2013 um die begehrte Kanne gesegelt wird, nicht aufbringen können und folglich im LVC nicht starten dürfen. Dessen Sieger ist es aber, der den Verteidiger – ORACLE TEAM USA – ebenfalls eine 2-Boot-Kampagne, zum America’s Cup Match im September 2013 vor San Francisco herausfordern wird. Russell Coutts sieht sein Lebenswerk davon nicht bedroht: „Natürlich wäre es schöner, wenn es mehr Teams wären. Aber diese 4-er Gruppe ist sehr stark, dass werden sehr spannende Rennen“ entgegnet der Neuseeländer in Venedig der fordernden Frage, ob der Cup mit NUR 4 Teams nicht stark an Attraktivität verlieren würde. Und auch Grant Dalton, CEO Emirates Team New Zealand, stimmt seinem Landsmann zu: „Für uns wird es dadurch nicht leichter. Das sind 4 starke und gleichwertige Teams. Das wird ein harter Wettbewerb. Und geschlagen werden muss zum Schluss ohnehin Oracle, dass ist das Entscheidende.“ Qualität statt Quantität?

Das geänderte Konzept scheint aufzugehen, denn hochwertige Sponsoren wie Louis Vuitton, Omega, Tag Heuer, Nespresso oder Moet Chandon sind immer noch im Cup engagiert. Und auch das Modehaus Prada ist im Frühjahr 2012 wieder in den Cup zurückgekehrt, mit zwei 45-Fuss-Kats in die ACWS und mit zwei 72-Fuss-Kats im LVC. Der Segelpassion von Patrizio Bertelli und seiner Frau Miuccia Prada, Inhaber von Prada und Macher der Kampagne Luna Rossa, dem Symbolträger des italienischen Segelsports, ist es auch zu verdanken, dass der 34.AC mit den ACWS noch in Europa in Neapel und Venedig startet. Alle anderen Event-Bewerber sind durchgefallen.

Den Segelsport dem Publikum näher bringen, war ein weiteres, gewichtiges Ziel bei der Reformierung des AC. Dafür rückten die Rennstrecken immer dichter ans Ufer, vor immer spektakulärere Kulissen wie das Bacino di San Marco in Venedig oder Fort Adam in Newport. Und für die gelungene TV-Show, mit Life-Übertragungen im web, aus Helicopter-, onboard- und Fanperspektive haben die Organisatoren gerade einen Emmy erhalten. Die Zuschauer so nah wie möglich an den Sport heranzubringen, wurde mit immensem Aufwand so gut umgesetzt, dass man im TV den Regattaverlauf besser verfolgen kann, als life auf dem Wasser.

 

Auch die wachsende Anzahl Fleet-Races bei den ACWS ist auf die Fans zugeschnitten. Sie sind für den Zuschauer leichter zu verstehen und zu verfolgen und finden daher mehr Anhänger als die komplizierten Regeln des Match Racing. Kritik erntet diese Einteilung bei den traditionellen Cup-Anhängern, die den Sport und das Match Race zu sehr hinter Zuschauer- und Medieninteressen verdrängt sehen. Insbesondere, da der America’s Cup wieder zu seinem alten Spiel zurückgekehrt ist, einem Wettstreit unter betuchten Segelanhängern, die ihre Kampagnen, wie ORACLE TEAM USA (Larry Ellison), ARTEMIS (Torbjorn Tornqvist) und LUNA ROSSA (Prada), zum Großteil aus eigenen Mitteln finanzieren. Sponsoren- und Medienabhängig sind Emirates Team New Zealand und Team Korea, die vor allem durch staatliche Unterstützung an der prestigeträchtigen Regatta teilnehmen können.

Am Besten ist der Generationenwechsel im 34. AC gelungen. Schneller, jünger, dynamischer wird schon durch die Riege der Skipper und Steuerleute augenscheinlich. Sie sind in den 20-er und 30-ern, unter denen Loick Peyron/Energy Team mit 52 Jahren wie ein Unikum wirkt. Durchtrainierte Atlethen, die ihr volles physisches Potential einsetzen müssen, um die 45-Fuss-Katamarane der ACWS fehlerfrei über die Rennstrecke zu manövrieren. Pfeilschnelle, extrem wendige Boote die Alt und Jung gleichermaßen begeistern. Und die Anforderungen an die 11 Mann, die einen 72-Fuss-Kat beherrschen wollen, sind noch extremer.

 Schneller, jünger, dynamischer gilt gerade für die „großen“ Kats, das Boot des LVC und des 34. America’s Cup Matches in 2013, die schon im Vorfeld den Spitznamen „Monster“ erhalten haben, obwohl noch kein Rumpf das Wasser berührt hat. Diese Giganten werden den 34. Cup prägen und flößen Seglern, Designern und Shore-Crew enormen Respekt und Ehrfurcht ein. July/August werden die Ersten vom Stapel laufen und zeigen wie „bissig“ sie wirklich sind. Längen und Masse sind im Vergleich zu den 45-Fuss-Kats nicht ganz verdoppelt, aber die freigesetzten Kräfte und das Tempo sollen potentiell ansteigen. Kenterungen sind extrem gefürchtet, da sie essentiellen Schaden für Mannschaft und Boot verursachen können. Anders als bei den 45-Füssern, den schon jedes Team mindestens einmal auf den Kopf gestellt hat, fällt ein 72-Füsser nach einer Kenterung erst mal aus. Eine nicht zu unterschätzende Gefahr, denn die Bay von San Francisco ist als forderndes Segelrevier mit einer kräftigen Brise bekannt. Coutts beteuert: „In diesem Wettbewerb wird gutes Segeln belohnt werden und schlechtes Segeln sofort bestraft. Ein schlecht oder schlampig vorbereitetes Team wird auf der Bay mit den 72-Fuss-Kats schnell richtige Probleme bekommen.“ Davon geht Coutts jedoch nicht aus, im Gegenteil: „Es wird ein umwerfender Event werden, wir haben noch einiges vor, was in den nächsten Wochen spruchreif wird“, z.B. eine Regatta auf dem Hudson River vor der New Yorker Skyline.

Die Italiener, dank ihrer endlosen Küstenlinien eine passionierte Segelnation, beeindruckt das zunächst nicht. Sie haben einen jungen, dynamischen America’s Cup für 2012 aus Europa in die „neue Welt“ verabschiedet. Und das grandiose Schausegeln hätte sich keine würdigere Kulisse wünschen können, als die traditionellen Prunkbauten Venedigs. Tausende von Fans, Insider wie Laien, entlang der Promenaden, warten schon jetzt voller Vorfreude auf die Rückkehr der besten Segler auf den schnellsten Booten im Frühjahr 2013, um ihren Cup und ihre Luna Rossa wieder mit einem lautstarken „Viva Italia“ begrüßen zu können.

 

 

Termine 34. America’s Cup (http://www.americascup.com/)
ACWS 2012:
San Francisco – USA 21. – 26. August 2012
San Francisco – USA 4. – 7. Oktober 2012
New York – USA tbc
   
ACWS 2013:  
Vendig - ITA 16. - 21. April 2013
Neapel - ITA 14. - 19. Mai 2013
   
San Francisco 2013  
Louis Vuitton Cup 4. Juli – 1. September 2013
34. America’s Cup Match (Finals) 7. – 22. September 2013

 

Teams in Venedig und Newport 2012
Verteidiger: USA – Oracle Team 4 – James Spithill
  USA – Oracle Team 5 – Darren Bundock (Venedig),
Russell Coutts (Newport)
Herausforderer: Schweden – Artemis Racing (Challenger of Record)
  New Zealand – Emirates Team New Zealand
  Italien – Luna Rossa Piranha
  Italien – Luna Rossa Swordfish
  Frankreich – Energy Team
  Korea – Team Korea
  China – China Team
  (Nur Venedig, Newport nicht am Start)

 

America’s Cup World Series
Championship
Gesamtergebnisse
nach Newport 2012
Platz Team Match Race Fleet Race Total Pkt
1) Oracle Team USA – Spithill USA 47 55 102
2) Emirates Team New Zealand NZL 41 52 93
3) Artemis Racing SWE 50 32 82
4) Energy Team FRA 38 36 74
5) Oracle Team USA – Coutts USA 39 29 68
6) Team Korea Korea 33 33 66
7) Luna Rossa ITA 26 26 52
8T) Luna Rossa ITA 15 16 31
8T) China Team China 15 16 31

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