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Country Style Heft 61 | Herbst 2012

Ein Besuch bei Theresia Bacher
10 Jahre  Rauchkuchl im Schwaigerlehnen-Berngarten

Den 25. Oktober 2002 wird Theresia Bacher wohl niemals vergessen. An diesem Tag erschien die zweiundzwanzigste Ausgabe des Magazins » Country Style mit einer Geschichte über die Rauchküche im Schwaigerlehen-Berngarten im Salzburger Land. „Mein ganzes Leben hat sich seit diesem Artikel komplett verändert. Plötzlich wollten ganz viele Menschen bei mir essen, Reporter und Fotografen gaben sich die Klinke in die Hand. Das ist bis heute so geblieben. Ich bin glücklich und dankbar“, zieht Theresia Bacher nach zehn Jahren Bilanz und lädt zu einem Besuch ins idyllische Stuhlfeden ein.

Text: Gabriele Isringhausen | Fotos: Ydo Sol

Ein grau-weiss gestreiftes Kätzchen sitzt in der Sonne und putzt sich. Irgendwo gackern Hühner. Mit einem herzlichen Lächeln öffnet Theresia Bacher die alte Holztür ihres Pinzgauer Bauernhauses – ein Vier-Sterne-Biohof. Ihr Händedruck ist fest, der Blick offen. „Kimmt’s rein und hockt’s euch nieder“, sagt sie in schönstem österreichischen Dialekt. Das malerische Domizil liegt nur wenige Schritte von der Dorfkirche entfernt, im Kern von Stuhlfelden, dem ältesten urkundlich erwähnten Ort im österreichischen Oberpinzgau.

Über fünf Jahrhunderte haben Mauern und Gebälk überdauert. „Es ist das Elternhaus meiner Mutter. Außer der Waschmaschine ist alles historisch“, erklärt Theresia, die hier alle nur Thresi nennen, und schmunzelt. Historisch ja – und wunderschön. Knarrende Holzdielen, Bauernschränke, Butterfässer, Spitzendeckchen, ein altes Handwaschbecken, Hirschgeweihe und viele Fotos, die die Geschichte des Hauses und ihrer Bewohner erzählen, prägen die Räume. Jeden Tisch, jede Truhe und ihre vier gemütlichen Gaststuben hat Theresia Bacher liebevoll mit Blumen, Herzen und Tonkrügen geschmückt. Sie dekoriert je nach Jahreszeit mit den Schätzen aus dem heimischen Garten, mit Blüten und Zweigen, Eingewecktem, Kerzen und allerlei Kräutern.

Vom heimeligen Flur führen rechts zwei Stufen in die urige Rauchküche hinab. Schwarzgeräuchert vom Rauch der Jahrhunderte spannt sich ein Deckengewölbe über den Raum. An einem Schwenkbalken über der gemauerten Feuerstelle hängt ein schwerer Kupferkessel. Die Flammen lodern schon. Eine umlaufende Eckbank und festlich eingedeckte Tische mit auf Hochglanz poliertem Silberbesteck und edlen Gläsern schaffen eine stimmungsvolle Atmosphäre. Hier ist das Reich von Theresia Bacher, hier verwöhnt die fünffache Mutter prominente und weniger prominente Zeitgenossen mit ihrer ganz eigenen Art zu kochen. Die Regel ist einfach: Wollen die Gäste abends essen (nur nach Anmeldung), dann wird Feuer gemacht, mit Erlenholz. „Das brennt am beständigsten. Ich brauche keinen Hightech-Herd. Worauf es ankommt, das sind die Zutaten.

 

Es macht mir große Freude, Menschen zu bewirten. Meine Produkte beziehe ich aus dem eigenen Garten, Brennnessel zum Beispiel. Daraus lässt sich wunderbar Brennnesselspinat machen. Andere Lebensmittel kommen von meiner Alm. Dort reifen im Spätsommer bei guter Wetterlage Millionen von Heidelbeeren. Von der Metzgerei Alois Schultes aus Zell am See bekomme ich hochwertiges Fleisch und ein Bauernmetzger liefert mir frisches Biofleisch. Befreundete Bauern bringen ihre auf saftigen Bergwiesen gefütterten Lämmchen vorbei. Ich verwende nur gute Almbutter und davon reichlich. Manchmal schauen die schlanken Damen aus der Stadt etwas entsetzt. Aber wenn sie essen, sitzen sie mit leuchtenden Augen da und sind glücklich. Dann ist jedes Kalorienzählen vergessen“, weiß die lebhafte Gastgeberin zu berichten. Glücklich gemacht hat sie in den vergangenen zehn Jahren viele Menschen.

Bei ihr werden unvergessliche Hochzeiten, Taufen, Geburtstage und Familienfeste gefeiert. Gäste aus ganz Europa, Südafrika, USA und sogar Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann haben schon den Weg in die Rauchkuchl gefunden. „Gestandene Männer werden in meiner Küche wieder zu kleinen Buben – fühlen sich wie an einem wildromantischen Lagerfeuer und möchten unbedingt mitkochen. Manche Gäste sind echte Freunde geworden, so wie Familie Porsche oder Fürstin Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn. Reizende Menschen. Aber mir sind alle Gäste gleich lieb. Da mach’ ich keine Ausnahme“, betont Thresi.

Über ihre Küche und ihre Heimat hat sie jetzt sogar ein Buch geschrieben, mit leckeren Rezepten und farbenfrohen Fotos. („Meine Heimat – Meine Küche“, FST-Verlag, 32,60 Euro) Trotz ihres Erfolges ist sie bescheiden und bodenständig geblieben. „Man sollte nie seine Wurzeln vergessen. Ich liebe das einfache Leben, es macht genügsam und zufrieden. Ich bin eben ein Naturkind“, sagt die ausgebildete Hauswirtschaftsmeisterin. Über Salzburg ist sie bis heute noch nicht hinausgekommen. „Sie würd’ mich schon interessieren, die große weite Welt. Aber später, jetzt bin ich für meine Gäste und meine Kinder da.“ Das Reservierungsbuch ist gut gefüllt und wenn sie doch einmal abschalten möchte, dann geht Thresi auf ihre Dürsteinalm.

„Die Alm meiner Kindheit. Sie liegt auf rund 1400 Meter Höhe und bietet einen traumhaften Ausblick über unsere Bergwelt. Dort oben bin ich glücklich. Besonders am Morgen, wenn noch Tau über den Wiesen liegt und die Sonne aufgeht. Das Wasser im Bach ist ganz weich und glitzert wie Gold. Vor den Hütten wachsen Wildkräuter, Pilze und unzählige Bergblumen. Hier grasen unsere Kühe und die Murmeltiere lassen mich bis auf zwei Meter an sich heran. Es ist wunderschön. Gern würde ich einmal einen Film über dieses prachtvolle Stückchen Erde drehen.“ Die Hütten auf der Alm werden im Sommer auch als Ferienwohnungen vermietet, mit Plumpsklo und Holzöfen. „Zurück zur Natur“, lacht Theresia Bacher, wuchtet Heu auf einen blankgescheuerten Tisch, legt bunte Kissenbezüge daneben. Die füllt ihr Bruder Toni mit Hochalpenheu und Zirbenholzspänen: „Auf diesen Kissen schläfst wie ein Murmeltier.“ Denn wer nach den üppigen Genüssen übernachten möchte, dem bietet die herzerfrischend natürliche Gastgeberin vier zauberhaft eingerichtete Gästezimmer – ohne TV oder WLAN und trotzdem häufig ausgebucht.

 

Über die Frage, was ihr Bauernhaus und ihre Rauchkuchl für Großstädter und gut betuchte Gäste so interessant macht, muss Thresi nicht nachdenken: „Die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit und Natürlichkeit.“ Bevor sich die Köchin wieder an die Eisen- und Kupferkessel stellt und ein Drei-Gang-Menü aus köstlich duftender Kartoffel-Pilz- Suppe, zartem Kalbsfilet sowie Salzburger Nockerl zaubert, verrät sie noch ihren Traum: „Ich möchte aus dem Duft all der betörenden Blumen und Gräser, die auf meiner Alm wachsen, ein eigenes Parfum entwickeln. Am liebsten würde ich einen Parfümeur mit nach oben nehmen, mit ihm über die Felsen klettern, ihn riechen und spüren lassen. Meinen Berg kann ich nicht verpflanzen, aber diesen Duft meiner Alm, den möchte ihn einfangen und an die Menschen weitergeben. Das ist mein nächstes Projekt.“

Familie Theresia & Fritz Bacher
Schwaigerlehen-Berngarten Nr. 14
A-5724 Stuhlfelden
Österreich
Tel./Fax: 00 43 / (0) 65 62 / 51 18
Internet: http://www.schwaigerlehen.at

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