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HIGH LIFE Heft 32


© FOTO Ferrari

LaFerrari
DAS VERMÄCHTNIS VON ENZO

Das Geheimnis ist gelüftet: Der lang erwartete Supersportwagen in der Tradition des 288 GTO, F40, F50 und Ferrari Enzo heißt schlicht LaFerrari. Das exklusive Sondermodell aus Maranello wurde auf dem Internationalen Automobilsalon in Genf erstmals der Weltöffentlichkeit präsentiert und ist auf 499 Exemplare limitiert. Die technischen Superlative an Bord haben ihren Preis – 1 Million Euro zzgl. Steuern kostet der Konkurrent des McLaren P1 und Porsche 918 Spyder.

TEXT Christian Sauer | FOTOS Ferrari

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo ließ es sich wie immer nicht nehmen, den jüngsten Spross der Ferrari-Dynastie selbst zu präsentieren und erklärte dabei sichtlich stolz: „Wir haben beschlossen, dieses Modell LaFerrari zu nennen, weil es genau das verkörpert, was unser Unternehmen ausmacht: Exzellenz, bezogen auf technische Innovation, Leistung, visionäres Design und pures Fahrvergnügen. Es ist ein wirklich außergewöhnliches Fahrzeug für unsere Sammler mit einem herausragenden Konzept, das in Zukunft auch in das übrige Produktangebot Eingang finden wird. Der LaFerrari ist ein Meilenstein für die gesamte Automobilindustrie und vereint in sich die komplette Erfahrung, die wir in den vergangenen Jahren auch in der Formel 1 gesammelt haben. Er ist Ausdruck der unübertroffenen Konstruktions- und Design-Expertise von Ferrari.“

Für Ferrari bietet die Entwicklung eines solchen Sondermodells die Gelegenheit, neue technisch anspruchsvolle Lösungen zu erproben, die später dann in die Serienproduktion übernommen werden können. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Integration des Hybrid-Antriebes. Dabei konnte sich Ferrari auf die Erfahrung des Ferrari-Formel-1-Teams mit dem KERS-System stützen. Die eingesetzte Hybrid-Technologie, HY-KERS genannt, ermöglicht den Spagat zwischen maximaler Leistung und einen für die Leistung relativ geringem Verbrauch sowie Schadstoffausstoß. Ein reiner Elektroantrieb war nie das Ziel bei der Entwicklung des LaFerrari, dennoch soll es mit dem HY-KERS-System zukünftig möglich sein, mehrere Kilometer rein elektrisch zu fahren.

Das Hybridsystem besteht aus zwei Elektromotoren, wobei einer für die Antriebsräder und der zweite für die Fahrzeugsysteme vorgesehen ist. Das Batteriepack bestehend aus zwei Zellen, ist am Boden des Chassis platziert ist und wird wie die Formel-1-Rennwagen in der Motorsportabteilung von Ferrari montiert. Durch die Erfahrung mit dem KERS-System konnten die einzelnen Komponenten in Größe und Gewicht reduziert werden. So wiegen die Batterien nur 60 Kilogramm und liefern dennoch eine enorm hohe Energiedichte. Die Batterien können auf mehreren Wegen aufgeladen werden: beim Bremsen und jedes Mal, wenn der Benzinmotor ein höheres Drehmoment erzeugt als erforderlich, beispielsweise bei Kurvenfahrten. Dann wird das überschüssige Drehmoment nicht an die Räder geleitet, sondern in Energie umgewandelt und gespeichert. Der 120 kW (163 PS) starke Haupt- Elektromotor ist über ein Doppelkupplungsgetriebe mit dem Zwölfzylinder-Verbrennungsmotor verbunden.

Aus sechs Litern Hubraum schöpft der Benziner allein 800 PS und erreicht eine maximale Drehzahl von 9250 Touren, ein Rekord für einen Motor dieser Hubraum-Klasse. Weitere Besonderheiten sind ein sehr hohes Verdichtungsverhältnis und eine hohe spezifische Leistung von 128 PS pro Liter. Zusammen wird eine kombinierte Leistung von 963 PS und ein maximales Drehmoment von mehr als 900 Nm erreicht. Die durch den Elektromotor erreichten hohen Drehmomentwerte schon bei niedrigen Drehzahlen erlaubten es den Ingenieuren, die Leistung des Verbrennungsmotors zu optimieren und so über den gesamten Drehzahlbereich hinweg konstant extrem hohe Leistung zu erzeugen. Die perfekte Abstimmung zwischen Elektro- und Benzinmotor zeigt dieses Beispiel: In Kurven hält das HY-KERS-System die Drehzahl des V12 hoch, um die Beschleunigung am Kurvenausgang zu verbessern. Laut Ferrari soll das Fahrzeug dank der Elektronik intelligent auf das Verhalten des Fahrers reagieren und ein unvergleichliches Fahrgefühl bieten.

Ein weiterer innovativer Aspekt des LaFerrari ist die Kombination des Hybridsystems mit der aktiven Aerodynamik. Die Ingenieure erzielten dank intensiver Entwicklungsarbeit mit Computer-Analysen und aufwändigen Tests im Formel-1-Windkanal die höchste jemals mit einem straßenzugelassenen Wagen erreichte aerodynamische Effizienz. Diffusoren, Leitbleche am Unterboden sowie der Heckspoiler generieren bei Bedarf sehr viel Anpresskraft, ohne den Strömungswiderstand insgesamt zu erhöhen. Diese Elemente basieren auf zahlreichen Leistungsparametern, die von der dynamischen Fahrzeugkontrolle in Echtzeit überwacht und automatisch gesteuert werden. Auf diese Weise ist stets die ideale, auf die jeweilige Fahrbedingung abgestimmte Konfiguration gewährleistet.

 

Ebenfalls an das Hybridsystem des LaFerrari gekoppelt sind die Karbon-Keramik-Bremsen von Brembo. Speziell für den neuen Über-Ferrari entwickelt wurden auch die Reifen von Pirelli. Die P-Zeros, vorn im Format 265/30 R 19 und 345/30 R 20 hinten, wurden an das beeindruckende Leistungspotential des Wagens angepasst. Sie sollen maximale Traktion bei der Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in weniger als drei Sekunden und in weniger als sieben Sekunden auf 200 garantieren. Lediglich 15 Sekunden sollen aus dem Stand auf Tempo 300 vergehen und der Topspeed ist mit über 350 km/h angegeben. Mindestens ebenso beeindruckend ist die Rundenzeit von unter 1:20 Minute auf der Ferrari-Teststrecke in Fiorano nahe Maranello. Damit ist der LaFerrari fünf Sekunden schneller als sein direkter Vorgänger, der Ferrari Enzo und über drei Sekunden schneller als der aktuelle F12. Das macht den LaFerrari zum schnellsten Sportwagen mit Straßenzulassung in der langen Geschichte von Ferrari. Gründe dafür sind auch der tiefe Schwerpunkt sowie die optimale Gewichtsverteilung mit 59 Prozent der Masse auf der Hinterachse – und das trotz des zusätzlichen Ballasts durch das Hybridsystem. Das Chassis des LaFerrari besteht aus nicht weniger als vier verschiedenen Arten von Kohlefaser, die allesamt in der Motorsport-Abteilung per Hand laminiert wurden. Dabei kamen die gleichen Produktionsmethoden wie bei den Formel-1-Rennwagen zum Einsatz. So wurden die Sitze zur Erhöhung der Verwindungssteifheit bei gleichzeitiger Gewichtsverringerung in das Chassis integriert.

Die Fahrerposition im LaFerrari kommt ebenfalls der eines Formel-1-Rennwagens sehr nahe und wurde in Zusammenarbeit mit den Ferrari-Piloten Fernando Alonso und Felipe Massa entworfen. Der Fahrersitz wird individuell auf den späteren Besitzer angepasst und fixiert, während sowohl die Pedalerie als auch das Lenkrad einstellbar bleiben. Dieses wurde neu gestaltetet und mit allen wichtigen Steuerelementen versehen. Allein die Schaltwippen sind nicht direkt ins Lenkrad integriert, dank ihrer Länge aber ergonomisch gut erreichbar. Das gesamte Interieur erinnert mit seiner minimalistischen Anmutung an das Cockpit eines kompromisslosen Rennwagens.

Das alles hat natürlich seinen Preis, und der liegt bei rund 1,2 Mio. Euro inklusive Mehrwertsteuer in Deutschland. Das sollte aber nichts daran ändern, dass die streng limitierte Produktion rasch vergriffen sein wird. Laut Luca di Montezemolo übersteigt bereits jetzt die weltweite Nachfrage das Angebot von 499 Exemplaren. 

 
Die „DNA“ des La Ferrari: Ferrari 288 GTO, der F40, F50 und der legendäre „Enzo“ (von links nach rechts).

http://www.ferrari.com

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