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HIGH LIFE Heft 33


© FOTO: Bilster Berg Drive Resort

Automobiler Country-Club
BILSTER BERG DRIVE RESORT

HIGH LIFE-Autor Christian Sauer sprach mit Marcus Graf von Oeynhausen- Sierstorpff über seine Vision einer neuen (Renn-) Strecke mitten in Deutschland und drehte dort bereits erste Runden.

TEXT Christian Sauer FOTOS Bilster Berg Drive Resort

Der Bilster Berg ist ein an sich eher unspektakulärer Hügel nahe des Kurortes Bad Driburg, zwischen Paderborn und Kassel gelegen. Auf Landkarten suchte man bislang vergeblich danach, denn im Kalten Krieg wurde hier ein Munitionslager errichtet und bis in die 90er Jahre von der NATO genutzt. Seitdem ruhte das 84 Hektar große ehemalige Sperrgebiet im Dornröschenschlaf. Doch Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff und seine Geschäftspartner hauchten dem Bilster Berg neues Leben ein. Wo sich bis vor Kurzem noch Fuchs und Hase gute Nacht sagten, entstand eine der modernsten Rundstrecken Europas.

Doch der Weg dorthin war lang und schwierig: Im April 2005 unternahm Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff eine Radtour auf den Bilster Berg und erkannte das Potenzial des Geländes. Die Planungs- und Genehmigungsphase dauerte über sechs Jahre und zahlreiche Einsprüche von Anwohnern benachbarter Gemeinden sowie Umweltschutzorganisationen drohten, das ehrgeizige Projekt zum Scheitern zu bringen. Dabei war Nachhaltigkeit von Beginn an ein entscheidender Aspekt des gesamten Projektes. Man legte Ausgleichsfläche an und nutzte möglichst viel der bereits vorhandenen Infrastruktur. Komplett neu gebaut mussten nur wenige Streckenteile werden, wie die „Mausefalle“. Bei einem früheren Besuch rutschten wir dort noch mit dem historischen Allradler des Grafen fast senkrecht durch die frische Waldschneise in die Tiefe.

Einen Offroad-Parcours wird es auch weiterhin geben, aber die eigentliche Attraktion ist die 4,2 Kilometer lange Asphaltstrecke nebenan. Mit 19 Kurven, 21 Prozent Steigung und 26 Prozent Gefälle weist der Rundkurs pro Kilometer sogar mehr Höhenunterschied auf als die legendäre Nordschleife des Nürburgrings. Bei Bedarf kann die gesamte Strecke auf dem Bilster Berg auch in zwei Teilstrecken aufgeteilt und gemietet werden.

Fast ein Kilometer Vollgas verspricht die lange Gerade, auf der über 200 km/h Topspeed erreicht werden können. Dann hat man als Fahrer allerdings kaum noch Zeit, bei schönem Wetter den weiten Blick über den Teutoburger Wald zu genießen. Vielmehr muss man sich dann schon auf die nächste Kurve konzentrieren, um den Bremspunkt nicht zu verpassen. Sonst geht es direkt ins Kiesbett, das wie auf jeder Rennstrecke Sicherheit garantiert.

Offizielle Rennen sollen auf dem Bilster Berg allerdings nicht stattfinden, deshalb spricht das Expertenteam um den Grafen auch von einer Test- und Präsentationsstrecke. Ohne Rücksicht auf Zuschauertribünen oder Werbeflächen nehmen zu müssen, konnte der renommierte Streckenarchitekt Hermann Tilke, aus dessen Feder viele Formel-1-Kurse stammen, seiner Kreativität freien Lauf lassen. „Die geilsten 4,2 Kilometer der Welt“, so bezeichnet er selbst die Strecke und ergänzt: „Jeder, der hier daran beteiligt war, kann sehr stolz sein.“ Auch Rallye-Legende und Porsche-Testfahrer Walter Röhrl, der als Berater für das Projekt tätig war, schwärmte schon während der Bauzeit: „Ein Traum! Diese Strecke kann es mit der Nordschleife aufnehmen.“

 

Doch anders als die Traditionsstrecke in der Eifel oder weitere große Rennstrecken soll das Bilster Berg Drive Resort mit Gesamtkosten von 34 Mio. Euro bereits im ersten Betriebsjahr einen Gewinn einfahren: „Natürlich schlägt uns allen der Puls höher, wenn wir den Sound eines hochdrehenden Zwölfzylinders hören, doch verfolgen wir auch wirtschaftliche Interessen“, stellt der motorsportbegeisterte Graf ganz Businessman fest, schließlich hat der Diplom-Kaufmann an Eliteuniversitäten im Ausland studiert und bereits vor der Übernahme der familieneigenen Unternehmensgruppe Karriere in der Wirtschaft gemacht. Auch der Bilster Berg könnte (s)ein Erfolg werden, schließlich übertrifft die Nachfrage nach Teststrecken deutlich das jetzige Angebot in Deutschland.

Ähnliche Projekte im Ausland, wie die Rundstrecke auf dem adligem Anwesen in Goodwood, dem Circuit Paul Ricard/Le Castellet in Südfrankreich oder das spanische Ascari Race Resort, zeigen das enorme Potenzial. Dort sind regelmäßig namhafte Automobilhersteller zu Gast, um Journalisten sowie Kunden und Verkäufern neue Modelle vorzustellen. Bereits vor der offiziellen Eröffnung war der Bilster Berg gefragt: Auf der noch jungfräulichen Piste bewies der Jaguar F-Type seine sportlichen Talente.

Das wird auch die 172 Gesellschafter gefreut haben, die mindestens 100.000 Euro investiert hatten. Neben einer vielversprechenden Rendite aus dem Betrieb der Anlage besteht für sie zusätzlich die Möglichkeit der Nutzung des Drive Resorts an bestimmten Tagen des Jahres. Außerdem hatten sie auch das Vorzugsrecht für die Hallen, in denen früher die Munition durch dicke Wände geschützt lagerte und die nun in neuem Glanz erstrahlen. Neben einigen Hallen, die für offizielle Events und als Heimat für Unternehmen aus dem Motorsport reserviert sind, gibt es auch private Garagen für exklusive Sportwagen jeden Alters. Entweder komplett oder in einzelne Stellplätze aufgeteilt, bieten sie eine direkte Zufahrt zur Strecke und lassen sich beispielsweise noch mit einer Dachterrasse samt exklusiver Lounge-Atmosphäre und spektakulärem Blick über die beiden Boxengassen krönen.

www.bilster-berg.de

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