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HIGH LIFE Heft 34


© Making Aston Martin by Urich Bez / Photo: René Staud

MAKING ASTON MARTIN
Von „Cottage to cool“

In seinen zehn Jahren als Geschäftsführer von Aston Martin hat Dr. Ulrich Bez aus dem britischen Nischenhersteller einen profitablen Global Player, einen der begehrtesten Luxussportwagenhersteller gemacht. In Zusammenarbeit mit Paolo Tumminelli hat er jetzt in einem vierhundert Seiten starken Buch sein Lebenswerk zusammengefasst. Die Handlung rast dahin wie bei einem Thriller – mit allen Insider-Details. Es schildert hautnah, welche enormen Ansprüche an die Führung eines exklusiven Automobilbauers gestellt werden und wie letztendlich eine Luxusmarke von Weltruf entsteht.

 Ulrich Bez ist Automobilkonstrukteur, einer der Letzten einer aussterbenden Zunft. Der Name Porsche kommt in den Erzählungen des Stuttgarters häufig vor. Immer mit großem Respekt. Er spricht vom „Professor“ und meint Ferry Porsche, den Vater des 911. Wie Ferdinand Porsche ist Ulrich Bez: Dr.-Ing. aus Überzeugung. Er lernt bei Porsche, wie man Sportwagen baut. Er realisiert bei BMW seine erste Konstruktion: den Z1, einen einmaligen Sportwagen. Zurück bei Porsche, vollendet Ulrich Bez Ferrys Neunelfer, eine Weltikone. Bez’ Weiterentwicklung, die Baureihe 993, gilt nicht nur als bester Serien-Elfer aller Zeiten. Mit seiner Entscheidung, alles auf die Wiederbelebung des 911 zu setzen, leitet Bez bei Porsche eine Strategie der Innovation in der Kontinuität ein, aus der die Bautypen 996 bis 991 resultieren. Seine Entscheidung war zu gleichen Teilen ein Zeichen von Demut und Respekt. Jeder andere Ingenieur hätte sich viel lieber ein Denkmal in Form einer völlig neuen Konstruktion gesetzt. Bez hat sich ein dauerhafteres Verdienst erworben, denn der 911 lebt heute noch. Trotzdem war sein beruflicher Weg nicht immer mit Rosen gestreut.

So wie einst Porsche Daimler, so musste Bez Porsche verlassen. Zunächst wurde es etwas ruhig um den Automobilingenieur. Dann folgte ein freiwilliges Exil zu Daewoo nach Korea. Aus dem Gotha der deutschen Hersteller kommend, störte es ihn nicht, sich mit bescheidenen Massenmodellen zu beschäftigen. Er erkannte die Qualität eines Prototypen von Italdesign, den Fiat nicht haben wollte. Gemeinsam transformieren Giugiaro und Bez den 500 Lucciola in einen kompakten, schmalen Fünftürer, einem Mini für das neue Jahrhundert. Der kleine Matiz ist ein Welterfolg, der nahezu unverändert zwölf Jahre in Produktion bleibt und überall Nachahmer findet. Doch kurz nachdem Bez Korea verlässt, fällt Daewoo in politische Ungnade, die Marke stirbt aus, General Motors übernimmt. Bez ist zu diesem Zeitpunkt 57 und mit dem Wechsel in den Ford-Konzern beginnt ein zweites Leben.

Als Deutscher in Großbritannien prognostizierte man ihm – darunter viele Kollegen – keine lange Halbwertzeit. Der neue CEO ist unvoreingenommen, sein Urteil schonungslos: Das britische Traditionsunternehmen muss viel besser werden. Bez stoppt die laufenden Projekte und sendet Ford ein freundliches Ultimatum: entweder alles richtig oder besser dicht machen. Ford vertraut ihm. Der Rest ist eine Case Study fürs Marketingbuch. Innerhalb von vier Jahren gibt es ein neues Werk, eine neue Fahrzeugarchitektur und den DB9, das erste Modell einer breiten Palette mit konsequent neuem Design. In der Zwischenzeit ist das Unternehmen profitabel geworden, zum ersten Mal seit der Gründung 1913. Das Wachstum, sehr wohl kontrolliert, ist exponentiell. Gegen alle Prognosen hat der Schwabe es geschafft – wie er selber sagt – Aston Martin von „Cottage to cool“ zu führen. Mit „Cottage“ meint er sein erstes Büro, im Erdgeschoss eines Backsteinhäuschens in Bloxham, mit „cool“ die Anerkennung der Öffentlichkeit: Aston Martin wurde 2011 wieder zum „coolsten“ Brand gewählt – noch vor Apple. Darüber ist Bez sichtlich stolz.

 

Making Aston Martin ist kein Job, sondern seine Berufung. Kompetenz allein reicht nicht aus. Man braucht auch „das Glück der Tüchtigen“. Nach Robert Bamford (dem Firmengründer), David Brown (dem Mythos-Macher), James Bond (dem Image-Träger) kommt nun Ulrich Bez. Alles Gute für Aston Martin beginnt anscheinend mit einem B. Die Herausforderung, die besten Sportwagen der Welt zu bauen, hat Mr. Aston Martin mit sportlichem Elan genommen. Seine Autos sind die Quintessenz zeitloser Sportlichkeit. Ihre Ästhetik ist unmissverständlich. Ihre Qualität stimmt – endlich. Deswegen sind sie erfolgreich. Gegen alle Meinungen hat Ulrich Bez verstanden, dass etwas Besonderes wie Aston Martin nur dann erfolgreich – und profitabel – wachsen kann, wenn das Unternehmen anders als ein Großkonzern handelt. Er hat die kleine Firma aus dem Ford Imperium freigekauft – zum korrekten Preis – und daraus einen Automobilhersteller nach Menschenmaß gemacht.

Angesichts seines Lebenswerks dürfte man heute den DB9, dessen Name ein Tribut an die Person David Brown war, ruhig UB1 nennen. So viel hätte sich Ulrich Bez auch schon früher leisten können, wäre er nur halb so eitel, wie mancher von ihm sagt. Es sind aber andere Eigenschaften als Eitelkeit, die sein Blick verrät: Die Weisheit seines von ihm häufig erwähnten Judgement, das Gespür für Details, ein lebendiges Esprit. Letzteres ist vielleicht das Wichtigste. Ohne jemals die Balance zu verlieren, mischt Ulrich Bez britischen mit trockenem Humor aus Deutschland. Ein Beispiel: Ganz zu Beginn seines Amtes in Newport Pagnell wollten die Mitarbeiter einen alten Baum fällen, dessen Wurzeln eine Grenzmauer gefährdeten. Bez befahl, stattdessen die Mauer zu versetzen. Dafür bekam er später ein Schild: „Dieser Baum wurde von Dr. Ulrich Bez gerettet.“ Sicher war das Mauerwerk eine unnötige Ausgabe zu einer Zeit, wo es bei Aston Martin Wichtigeres zu tun gab. Fast meint man noch heute die zornigen Kommentare zum extravaganten Vorhaben „des Bez“ zu hören. Doch zehn Jahre später blüht der Baum noch, und Aston Martin blüht mit ihm. Man liest heute das kleine Schild und schmunzelt. Der Schwabe Ulrich Bez hat nicht nur einen Baum, sondern ein ganzes Stück Großbritannien gerettet. Sein Rezept war dabei denkbar einfach: sich einfach Zeit nehmen. Darüber hat er sich offensichtlich nie Sorgen gemacht. „Man lebt nur zweimal“ würde er mit Ian Fleming sagen.

 Ulrich Bez erzählt in seinem Buch mit schonungsloser, zupackender Offenheit gleichwertig über Niederlagen und Erfolge – wobei Letztere eindeutig größer ausfallen. Sein Urteil, über Menschen wie über Autos, fällt unmissverständlich aus. Akribisch hat er seine zehn Jahre bei Aston Martin fotografisch dokumentiert. Häufig sind es nur Handy-Schnappschüsse, die Momente festlegen, wie sie nur Insider erlebt haben. Seine Erinnerungen und seine Bilder erzählt und zeigt Ulrich Bez ohne künstliche Bearbeitung. Für einen Mann in seiner Position ist das äußert ungewöhnlich – und mutig. Aus einem einmaligen Leben ist auch ein einmaliges Buch entstanden.

www.making-astonmartin.com

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