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HIGH LIFE Heft 34


© Foto: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten

Das grandiose neue Kreuzfahrtschiff MS EUROPA 2 im Hoteltest

Ein Hoteltest auf einem Kreuzfahrtschiff, ja, geht das denn? Problemlos und besonders angenehm, wenn es sich um ein absolutes Fünf-Sterne-Schiff handelt, weil diese Kategorie ja Grandhotels gleich über die Weltmeere gleitet.

TEXT Heinz Horrmann FOTOS Hapag-Lloyd Kreuzfahrten

 ALLE HOTELKRITERIEN SIND ÜBERTRAGBAR, mit einer winzigen Ausnahme: Was ich bei Hotels nachdrücklich betone, dass nämlich die Toilette stets außerhalb der Nasszelle zu sein hat, lässt sich aus Platzgründen auch auf absoluten Top-Schiffen nicht immer realisieren. Ansonsten ist die Hardware, also Größe, Schnitt und Ausstattung der Suiten, das Gesamt-Ambiente, Restaurants und Facilities als Rahmen für einen erstklassigen Service, durchaus vergleichbar. Die Begrüßung, der Check-in auf der Europa 2, ist unkompliziert, vor allem herzlich, die folgende Abwicklung professionell. In Hotels setze ich sechs Minuten als Limit, dann sollte das Gepäck auf dem Zimmer sein. Obwohl die Situation mit den verschiedenen Decks ungleich komplizierter ist, schafft es auch die Europa-2-Crew, im Limit zu bleiben.

 Erstmals in der 29-jährigen Geschichte der Berlitz-Bewertung haben es übrigens zwei Schiffe in die einsame, höchst exklusive Fünf-Sterne-Plus-Kategorie geschafft. Das sind die beiden Schwesterschiffe MS Europa und Europa 2. Douglas Ward, der Kreuzfahrtpapst, mit dem zusammen ich die Europa 2 inspizierte, war hellauf begeistert, wie unglaublich viel Raum pro Passagier geschaffen wurde, wie viel Licht durch die hohen Fenster das Gesamtbild freundlich machen und schließlich wie hochwertig die kulinarische Auswahl an Bord ist. Ich persönlich war begeistert vom ganz besonderen Service, für mich das wichtigste Element. Bevor ich zum sachlich ausgeführten Hoteltest auf der Europa 2 komme, muss man freilich noch vermerken, dass es kaum etwas Schöneres gibt, als den Deckchair zum Mittelpunkt des Seins zu machen, auf Silberflitter-Wellen zu schauen und am Abend in die Dämmerung hineinzuträumen, wenn über dem Schiff die Sterne am Himmel funkeln. Die Atmosphäre auf Kreuzfahrtschiffen zu erleben, ist im Übernachtungsgeschäft mit nichts vergleichbar. In einer Gesamtbetrachtung ist die Philosophie, diese spezielle Art des Reisens zu wählen und damit insgesamt glücklich zu sein, noch wichtiger als Detailbetrachtung und Punktezählen. Für mich persönlich gibt es kein vergleichbares Erlebnis unterwegs.

„Immer auf demselben Fleck Erde zu bleiben scheint mir ein unglückliches Schicksal. Ich könnte die ganze Welt durcheilen, die im Grunde genommen gar nicht so groß ist“, schrieb der französische Dichter Jean-Arthur Rimbaud 1879 in einem Brief an seine Mutter. Als Rimbaud diese Zeilen verfasste, nahte das Ende der Windjammer auf den Weltmeeren, feierten die Dampfschiffe erste Triumphe. „Die ganze Welt zu durcheilen“ war damals für den Normalbürger ein anstrengendes Unterfangen. Die große Zeit der Kreuzfahrten begann erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Flugzeug die Linienschifffahrt überholte und die Reedereien nach neuen Betätigungsmöglichkeiten für ihre vorhandenen Flotten suchen mussten. So komfortabel wie heute war es damals wahrlich nicht. Das Flaggschiff der Hapag wurde damals „Schüttelfrostdampfer“ genannt, weil die 38.000 Pferdestärken seiner Maschinen das Schiff stark vibrieren ließen. Kam schlechte Witterung hinzu, wurde die „Kaiser Wilhelm“ zur unangenehmen Schaukel. Heute nehmen perfekte Stabilisatoren den Wellen die Wucht. Auf der Europa 2, die in Frankreich gebaut wurde, ist nahezu jede Wipp-Bewegung komplett beseitigt. Außerdem umfahren, wenn möglich, die Europa-Kapitäne örtliche Schlechtwettergebiete. Und manchmal dürfen die Passagiere an Überraschungsrouten sogar selber mitplanen …

Das sind ein paar Gedanken zum Einstimmen, bevor ich nach Kriterien und mit dem System eines ganz normalen Hoteltests meine Erfahrungen zusammenstelle.

 Das Schiff – Das Hapag-Lloyd-Schiff hat keine Kabinen mehr, sondern 251 Suiten (28 bis 99 Quadratmeter groß) auf sieben Decks. Das schwimmende Hotel ist länger und breiter als die klassische Europa, die nach wie vor im Einsatz und unverändert beliebt ist. Beim Bordprogramm allerdings unterscheiden sich die beiden Schiffe gravierend. Die Europa 2, das legere Lifestyle-Hotel, propagiert den lässigen Luxus, ohne strikte Kleiderordnung (was ich bedaure) und ohne eleganten Kapitänsempfang. Das ist aber noch nicht das letzte Wort. Da setzt das Feintuning des gästeorientierten neuen Hapag-Lloyd-Chefs Karl J. Pojer ein. Er schafft garantiert die Balance zwischen den Zielgruppen. Das gilt auch für den Ausgleich bei der Werbung mit starker Familienorientierung. Vierzig Kleinkinder im Pool eines Luxusschiffs hatte ich vorher noch nie erlebt. Auch da wird es eine verträgliche Regulierung geben. Erstklassig sind das Restaurantangebot, die Sportmöglichkeiten an Bord (Fitnesscenter, Joggingpfad, Golfsimulatoren) und die Landgänge. Das Golf-Programm an Bord und bei den Landgängen ist herausragend, die Golflehrer sind allesamt Spitzenkräfte. Erwähnenswert, wie das Grandhotel allgemein übliche technische Kinderkrankheiten in Windeseile ausgebügelt hat.

 

Suiten – Alle weitgehend gleich ausgestattet mit funktioneller und hell freundlicher Einrichtung. Imponierend sind die großen Terrassen. Erstklassige Betten. Alle deutschen TV-Sender sind programmiert. Die Bäder überzeugen mit voluminöser begehbarer Dusche und viel Ablageplatz. Die größeren Suiten haben zusätzlich eine Whirlpool-Wanne und die angesprochenen separaten Toiletten. W-LAN war ganz am Anfang in Suiten noch nicht verfügbar. Mit großem Einsatz wurden aber da schon die technischen Probleme von den Mitarbeitern ausgebügelt. (Details unter Service.) Inzwischen wurde die angestrebte Perfektion erreicht.

DAS KULINARISCHE ANGEBOT
AN BORD DER EUROPA 2 IST SPEKTAKULÄR
Heinz Horrmann

Essen und Trinken – Neben dem großen, elegant gestalteten Speisesaal mit dem Namen „Weltmeere“ mit ganz exzellenter Küche bietet die Europa 2 ein vorzügliches italienisches, ein französisches (mit Escoffier-Klassikern) und ein erstklassiges Sushi- Sashimi-und-Tempura-Restaurant an. Lediglich ein weiteres asiatisch ausgerichtetes Restaurant hat noch Luft nach oben. Grandios ist der Yacht Club mit Hummer-Dinner unterm Sternenzelt. Das Herrenzimmer steht Rauchern auch tagsüber zur Verfügung. Stimmung und Atmosphäre in den verschiedenen Bars bewerte ich als erstklassig. Die Gesamtqualität im F&B-Bereich (Essen und Trinken) ist spektakulär.

 

Service – In 99 Prozent meiner getesteten Hotels habe ich nicht einen derartig engagierten und kompetenten Service erlebt. Das gilt für alle Bereiche, ganz besonders für den Frühstück-Service und die Gästepflege in den Restaurants. Damit mich nachts der kalte Luftzug nicht direkt trifft, wurde die Klimaanlage abgeklebt. Ein persönlicher Internet-Zugang wurde geschaffen und ein Leih-Laptop blitzschnell organisiert. Der Spa-Bereich ist nach kurzer Anlaufphase ebenfalls bei hundert Prozent angelangt. Deutsche Tageszeitungen, frische Früchte, Blumen und Leckereien werden allen Gästen in den Suiten serviert, die Service-Leistungen stets mit einem freundlichen Lächeln erbracht.

Urteil – Die freundliche Atmosphäre, die klinische Sauberkeit und das komplette Bordprogramm mit gepflegtem Entertainment sind gravierend. Der beste Service, den ich in den letzten Testjahren erlebte, machte winzige technische Anfangsmängel, die nach kürzester Zeit bereits behoben wurden, unbedeutend. Auf diesem Schiff steht der Gast tatsächlich im Mittelpunkt und nicht im Weg. Wunderbar. In der Summe aller Dinge sind das für mich, wie bei Douglas Ward: fünf ehrliche Sterne, plus.

Der Mann, der die edelsten Schiffe der Weltmeere lenkt: Karl J. Pojer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten
 Was immer der smarte Mann (58) auch anpackt, es gelingt. Als beispielsweise der in allen Altersklassen so beliebte Robinson Club nach Anfangserfolgen zwischenzeitlich schwächelte, übernahm Karl J. Pojer die Regie und startete einen Rekordlauf. Er machte die 100-prozentige TUI-Tochter zum Markt- und Qualitätsführer, expandierte mit Augenmaß. Der Mitbewerber Club Med wurde weit abgehängt. Als Bereichsvorstand von TUI Hotel & Resorts erarbeitete und steuerte Pojer bei der nächsten Aufgabe ein sehr effizientes Hotelportfolio mit über 260 Hotels und starken Marken weltweit zur Ertragsperle für den Konzern. Das war die letzte Erfolgsstufe, bevor er Wind und Wellen umarmte. 1996 war der gebürtige Österreicher zum TUI-Konzern gekommen. Vorher hatte er die internationale Spitzenhotellerie von der Pike auf gelernt. Nach dem Hotelfachstudium in Österreich folgten die nächsten Stationen als Manager, Generalmanager und Regionaldirektor, u.a. bei Kempinski, Sheraton und Pestana. Erfahrungen im diplomatischen Dienst erwarb Pojer als Konsul von Österreich. Wenn man das weiß, überrascht es nicht mehr, wie diplomatisch geschickt er die gesamte Flotte der „Genuss-Dampfer“ steuert. Ein persönliches Anliegen ist ihm die Perfektion der Servicequalität. Um den damit verbundenen Arbeitsmarathon unbeschadet zu überstehen, pflegt er mit viel Sport, wann immer es die Zeit zulässt, die körperliche Fitness. Mit einem herzlichen Ahoi wünsche ich ihm weiterhin Glück und Erfolg auf den Wellen.

Die aktuelle HIGH LIFE Ausgabe 11/2013, Heft 34, erhalten Sie in unserem Online-Shop, einfach auswählen und bestellen, oder genießen Sie HIGH LIFE dreimal im Jahr im kostengünstigen Abonnement frei Haus.

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