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Country Style Heft 69 | Herbst 2014


© djd/somfy

Schritt für Schritt zum sicheren Zuhause

Nach jahrelangem Rückgang ist die Zahl der Wohnungseinbrüche seit 2009 kontinuierlich gestiegen. Die Schäden liegen jährlich bei rund 600 Millionen Euro und die psychischen Folgen belasten Einbruchopfer oft ein Leben lang. Angesicht dieser bedrückenden Fakten fragen sich immer mehr Wohnungs- und Hausbesitzer, wie man sich wirkungsvoll vor Einbrüchen schützen kann. Da Einbrecher sich in den meisten Fällen recht leicht abschrecken lassen, ist eine sinnvolle Einbruchprävention einfacher und kostengünstiger umzusetzen, als viele denken.

„Den typischen Einbrecher gibt es nicht“, erklärt Kriminalhauptkommissar Frank Walther, der als einer von zwei Sicherheitsberatern bei der Bielefelder Kriminalpolizei für das Thema Einbruchprävention zuständig ist. „Es gibt Gelegenheitsdiebe, Beschaffungskriminelle und durchorganisierte Banden, die bundesweit agieren und die auch ein hohes Maß an krimineller Energie mitbringen.“ Laut der Polizei lässt sich aber ein Großteil der Einbrüche mit einer gesunden Portion Misstrauen, Achtsamkeit und relativ einfachen mechanischen Sicherheitsvorkehrungen verhindern. So hat die polizeiliche Erfahrung der letzten Jahre gezeigt, dass über ein Drittel der Einbrüche schon beim Versuch scheitern, nicht zuletzt durch den Einbau sicherungstechnischer Einrichtungen, aber auch durch das richtige Verhalten (s. Infokasten „Die wichtigsten Regeln zur Einbruchprävention“). Und auch aufmerksame Nachbarn helfen Einbrüche zu verhindern. Denn in einer intakten und aufmerksamen Nachbarschaft haben Einbrecher kaum eine Chance. Deshalb ist die Nachbarschaftspflege eines der wichtigsten Instrumente der Einbruchprävention.  So hat die Polizei schon vor Jahren die Initiative „Nachbarn helfen Nachbarn“ ins Leben gerufen. Da Einbrecher auf keinen Fall entdeckt werden möchten, mögen sie keine Neugier.

 

Deshalb sollte man keine Scheu haben, unbekannte Personen oder auch Kinder anzusprechen und auffällige Personen oder Hinweise wie z.B. geheime Zeichen, Styroporklötze oder Ähnliches der Polizei zu melden. „Potenzielle Tatorte werden häufig vorher ausspioniert und wenn die von der Vorhut deponierten Gegenstände nicht entfernt wurden, wissen die Einbrecher, dass das Haus im Moment unbewohnt und unbeobachtet ist“, erklärt Kriminalhauptkommissar Frank Walther.

Technische Sicherheit
Doch nicht immer ist ein Nachbar zum passenden Zeitpunkt am rechten Ort, zumal die meisten Einbrüche entgegen der weitverbreiteten Annahme nicht in der Nacht, sondern in der Regel am Tag, wenn niemand im Haus ist, ausgeführt werden.

  Deshalb sollte man insbesondere die neuralgischen Schwachstellen eines jeden Hauses, sprich die Eingangstüren, die Fenster, Terrassen-, Keller- und Balkontüren am besten schon beim Neu- oder Umbau mit einbruchhemmenden Türen und Fenstern ausstatten, die mindestens der DIN-genormten Widerstandsklasse RC 2 entsprechen. Aber auch durch Nachrüstung kann der Einbruchschutz von Türen und Fenstern deutlich verbessert werden. Wichtig ist dabei, dass die technische Nachrüstung für Türblätter, Türrahmen, Türbänder, Türschlösser, Beschläge und Zusatzsicherungen sinnvoll aufeinander abgestimmt ist. Wie das geht und was sinnvoll ist, darüber kann sich jeder Bürger ganz individuell und kostenlos in den kriminalpolizeilichen Beratungsstellen firmen- und produktneutral informieren. Dabei betonen die polizeilichen Sicherheitsberater, dass die Sicherheitstechniken natürlich nur dann ihren Zweck erfüllen, wenn sie fachgerecht eingebaut werden.

Bei der Einbruchprävention gilt der Grundsatz:
Mechanik vor Elektronik !

Deshalb sollte man nur auf Handwerker und Fachbetriebe zurückgreifen, die vom Landeskriminalamt geprüft und speziell geschult wurden. Das Produktportfolio an speziellen Sicherheitsbeschlägen, Zusatzkasten-, Fensterstangenschlössern, einbruchhemmenden Verriegelungen, Querriegelschlössern oder Türspaltsperren ist heutzutage breit gefächert. Grundsätzlich sollte bei Fenstern die Sicherung mindestens an der Griff- und Bandseite erfolgen. Die griffseitige Zusatzsicherung sollte stets abschließbar sein. Doch Achtung! Abschließbare Fenstergriffe allein reichen nicht aus, weil sie keinen Schutz gegen das Aufhebeln der Fensterflügel bieten.

Elektronische Sicherheitssysteme
als sinnvolle Ergänzung

„Auf dem Sektor der elektronischen Sicherheitssysteme gibt es heute unzählige Angebote. Doch für uns als Polizei gilt bei der Einbruchprävention die Regel: Mechanik geht vor Elektronik“, betont Frank Walther nachdrücklich. Denn elektronische Alarmsysteme sind nur Einbruchmeldeanlagen.

Aber natürlich verbessern Alarmanlagen, Videoüberwachungsanlagen oder Smart-Home-Systeme die Sicherheit und bieten vor allem abschreckenden Schutz. Wie bei den technischen Sicherheitseinrichtungen gilt auch für die Sicherheitselektronik, dass man von preiswerten Baumarktartikeln zum Selbsteinbau Abstand nehmen sollte. Verlassen sollte man sich nur auf geprüfte Anlagen, die von zertifizierten Fachbetrieben eingebaut werden sollten. Denn nur Fachleute können die elektronischen Sicherheitssysteme bedarfsgerecht planen und so einbauen, dass alle Komponenten inklusive der technischen Sicherheitsmaßnahmen zuverlässig zusammenspielen.

Wer elektronische Sicherheitssystemen mit entsprechenden Zulassungen und Zertifizierungen einbauen lässt, dem gewähren manche Versicherungen sogar Prämiennachlässe. Und auch die Kosten sind für einen schnell nachrüstbaren Basisschutz für ein Einfamilienhaus relativ überschaubar. So kostet z.B. eine Funkalarmanlage von Abus ca. 3000 Euro inklusive professioneller Installation. Eine spätere Erweiterung ist dabei problemlos möglich, da alle Komponenten per Funk kommunizieren. Grundsätzlich gilt jedoch, dass sich mechanische und elektronische Sicherheitstechniken sinnvoll ergänzen sollten. Stand der Technik sind daher Systeme, die beides miteinander verbinden. Denn elektronische Alarmsysteme können Einbrüche nicht wirklich verhindern. Und Profis wissen, dass sie nach der Auslösung immer noch genügend Zeit haben, das Haus oder die Wohnung auszuräumen. Um die Bevölkerung stärker für das Thema Einbruchprävention zu sensibilisieren, wurden in den letzten Jahren polizeiliche Öffentlichkeitskampagnen, das Netzwerk „Zuhause sicher“ und kriminalpolizeiliche Beratungsstellen ins Leben gerufen.

Weitere Infos unter:
» www.polizei-beratung.de
» www.zuhause-sicher.de
» www.k-einbruch.de
» www.polizei-dein-partner.de

oder in jeder kriminalpolizeilichen Beratungsstelle, in der sich Bürger firmen- und produktneutral über sinnvolle Sicherheitstechniken und richtiges Verhalten kostenlos informieren können.

Die aktuelle COUNTRY STYLE Ausgabe 8/2014, Heft 69, erhalten Sie in unserem Online-Shop, einfach auswählen und bestellen, oder genießen Sie COUNTRY STYLE viermal im Jahr im kostengünstigen Abonnement frei Haus.

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Die wichtigsten Regeln zur Einbruchprävention

Fenster, Balkon- und Terrassentüren immer verschließen. Für Einbrecher sind gekippte Fenster offene Fenster, die super leicht zu öffnen sind.

Die Haustür nicht nur ins Schloss fallen lassen, sondern immer abschließen, selbst bei kürzester Abwesenheit.

Ersatzschlüssel niemals draußen verstecken, Einbrecher finden jedes Versteck.

Falls ein Schlüssel verlorengeht, umgehend die Schließzylinder austauschen. Bei Abwesenheit Maßnahmen treffen, damit die Wohnung bzw. das Haus bewohnt erscheint, sprich Postkasten leeren, Licht per Zeitschaltuhr regeln und Rollläden bewegen.

Vor dem Öffnen der Tür mit Hilfe der Gegensprechanlage und/oder Distanzsperre stets prüfen, wer ins Haus bzw. in die Wohnung möchte.

Auf unbekannte  Personen, auch auf Kinder achten und nach dem Grund ihres Aufenthaltes fragen, Einbrecher  schätzen keine Neugier. 


Was tun im Falle eines Einbruchs?

Ruhe bewahren.

Die Polizei über die Notrufnummer 110 anrufen.

Sicherheitshalber das Haus verlassen, die Täter könnten noch vor Ort sein.

Den Tatort unberührt lassen, bis die Spurensicherung eingetroffen ist.

Falls Scheck- und Kreditkarten oder Mobiltelefone entwendet wurden: Sofort unter der im Inland kostenfreien Sondernummer 116 116 sperren lassen.

Mobiltelefone beim Anbieter sperren lassen.

Wurden Schlüssel entwendet, schnellstmöglich die dazugehörigen Schlösser bzw. Profilzylinder austauschen.

Detaillierte Schadensaufstellung anfertigen, eventuell Fotos der entwendeten Gegenstände beifügen.

In der Nachbarschaft fragen, ob jemand sachdienliche Hinweise geben kann.