HIGH LIFE Heft 24 | 2010
McLaren MP4-12C
Formel-1-Technik für die Strasse
In der aktuellen Formel-1-Saison ist McLaren momentan das Team der Stunde. Nach den Rennstrecken wollen die Ingenieure aus Woking mit ihren neuen Supersportwagen auch die öffentlichen Straßen erobern.
In den Jahren 1993 und 1998 bewies McLaren schon einmal, mit welchem Know-how sie auch Straßenfahrzeuge bauen können: die in ganz geringer Auflage gefertigten McLaren F1, rund 750.000 Euro teuer, wurden seinerzeit von einem BMW-V12-6,1-Liter-Motor mit knapp 630 PS angetrieben und erreichten eine Höchstgeschwindigkeit von 391 km/h. Nachdem im vergangenen Jahr das Joint Venture zwischen McLaren und Mercedes-Benz beendet wurde, geht man nun eigene Wege, um seine große Erfahrung in der Formel 1 mit einem eigenen Supersportwagen zu kommerzialisieren. Erstmalig wird dafür auch das Antriebsaggregat selbst gebaut. Der selbst entwickelte Biturbo-V8-Mittelmotor leistet 600 PS. Die Kraft wird über ein automatisiertes Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe auf die Hinterachse gebracht.
Geschaltet wird wie in der Formel 1 mit Lenkradpaddeln. Obwohl McLaren noch keine exakten Angaben zu den Fahrleistungen macht, dürfte wohl feststehen, dass die Höchstgeschwindigkeit bei ca. 330 km/h und eine Beschleunigung von 0 auf 200 km/h unter 10 Sekunden erreicht wird. Das Design folgt ähnlichen Grundsätzen wie die McLaren-Formel-1-Wagen. Alles hat seinen Zweck und alle Linien, Oberflächen und Details sind nicht nur gestylt, sondern in Übereinstimmung mit der Aufgabe des Fahrzeugs konzipiert worden. Trotz deutlicher Sportwagenattribute kommt der MP4-12C elegant daher. Dadurch, dass der Kühler in den Heckbereich verlegt wurde, konnte die Nase extrem flach gehalten werden. Die großen Lufteinlässe in der Frontschürze, die ihre Akzente durch die Bi-Xenon-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrleuchten erhält, und die großen seitlichen Lufteinlässe dokumentieren deutlich, dass dies kein Fahrzeug für gemütliche Sonntagsfahrer ist. Die nach oben schwenkenden Türen wecken zweifellos deutliche Reminiszenzen an den Mercedes-SLS-Flügeltürer. Das Heck wird von dem großen Diffusor und den hochgelegten Auspuffendrohren dominiert, bei der gläsernen Motorhaube lässt Ferrari schön grüßen. Beim Bremsvorgang von 100 km/h auf null soll es nur eine Maximaldistanz von 30 Metern geben. Diese extreme Verzögerung wird durch ein Airbrake ermöglicht, ein kleiner Spoiler, der aus dem Heck emporfährt und mehr Anpressdruck auf die Hinterräder bringt.
Der Innenraum besteht aus einer einteiligen Sicherheitsfahrgastzelle, einem nur 80 kg schweren Kohlefasermonocoque, wie es auch in den Formel-1-Boliden zum Einsatz kommt. Mit welchem Sicherheits-potenzial dieses Monocoques ausgestattet ist, erlebt man ja des öfteren bei den spektakulären Crashs in der Formel 1, nach denen die Fahrer Gott sei Dank ja in der Regel nur mit ein paar blauen Flecken ihren Fahrzeugen entsteigen. Elektrische Schalensitze und ein zentrales Touchscreen-Bedienelement für Navi und Soundsystem bestimmen das Interieur. Vertrieben wird der McLaren über ein exklusives, fein selektiertes Händlernetz; so wird es in Deutschland nur vier bis fünf Konzessionäre geben.
Die aktuelle HIGH LIFE Ausgabe 2/2010, Heft 24, erhalten Sie in unserem Online-Shop, einfach auswählen und bestellen, oder genießen Sie HIGH LIFE dreimal im Jahr im kostengünstigen Abonnement frei Haus.




















