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Yachting & Style Heft 27


© Louie Psihoyos / OCEAN Independence

ATHENA – Luxus unter Segeln

Der bislang rein privat genutzte Dreimaster-Schoner wird erstmals zum Charter und Verkauf angeboten. Yachting & Style-Autor Christian Sauer ging an Bord der zweitgrößten Segelyacht der Welt.

Text CHRISTIAN SAUER | Fotos LOUIE PSIHOYOS / OCEAN Independence

Mit der Kraft des Windes die Weltmeere entdecken und dabei nicht auf moderne Annehmlichkeiten des digitalen Zeitalters verzichten, diese Vision erfüllte sich Netscape-Mitgründer James „Jim“ Clark bereits 1998 mit der Hyperion. Für ihr Design zeichneten German Frers und Pieter Beeldsnijder verantwortlich. Mit 47 Meter Länge und dem 59 Meter hohen Masten war sie damals die größte Sloop, die bis dato gebaut wurde. Ihr klassisches Design innen beeindruckte ebenso wie die zahlreichen vernetzen Computer. Doch noch bevor Hyperion auf große Fahrt ging, entstand bei ihrem Eigner der Wunsch nach einer noch größeren Yacht.

Erneut wurde Royal Huisman mit ins Boot genommen und anders als Tom Perkins einige Jahre später mit der Maltese Falcon setzte Clark nicht auf ein futuristisches Design, sondern wollte die Tradition historischer Segelyachten wie der Sea Cloud wieder aufleben lassen. Pieter Beeldsnijder und Gerald Dykstra sollten zudem das Platzangebot einer modernen Motoryacht schaffen. Deshalb wuchs der Aluminiumrumpf auf eine stattliche Breite von 12,20 Meter und imposante 90 Meter Länge über alles. Die Differenz zur 60-Meter-Wasserlinie unterstreicht die klassischen Proportionen mit langem Heck und Bugspitz samt Galionsfigur.  Zusammen mit dem Tiefgang von 5,77 Meter sorgen die 221,50 Tonnen Ballast für das Gegengewicht zur 2623 Quadratmeter großen Segelfläche. Die drei Masten ragen bis zu 59 Meter in den Himmel und der Blick aus dem Krähennest ist atemberaubend.

Nicht minder spektakulär sind die 19 Knoten Rumpfgeschwindigkeit sowie der Anblick des inzwischen zehn Jahre alten Schoners unter Segeln. Kapitän Maxwell Cumming aus Neuseeland zeigt sich entsprechend stolz: „Sie ist schneller, als es die Größe vermuten lässt.“ Er und seine 20-köpfige Crew legten schon viele tausend Meilen ohne Motor zurück. Bei Flaute springen zwei Caterpillar mit zusammen 4000 PS ein und sorgen für eine Reisegeschwindigkeit von 14 Knoten. Dank eines aufwändigen Refits, bei dem vor kurzem Abgasfilter installiert und andere Komponenten auf den neuesten Stand der Technik gebracht wurden, erstrahlt Athena wie bei ihrem Stapellauf 2004. Die Verarbeitung liegt ausnahmslos auf höchstem Niveau, Details wie das klassische Steuerrad im offenen Cockpit vor der eigentlichen Brücke faszinieren. Sicherheit bei Krängung vermitteln ebenso solide wie stillvolle Handläufe. Daneben gibt es zahlreiche Möglichkeiten zu entdecken, wo an Deck Wind und Sonne oder Schatten genossen werden kann.

 

Zum Verweilen laden ebenfalls die beiden Salons und das Esszimmer ein. Das Platzangebot auf dem Haupt- und Oberdeck lässt fast vergessen, dass es sich um eine Segelyacht handelt. Das Interieur der Athena ist analog zur Hyperion von Mahagoni und Gemälden bekannter Maler geprägt. Verständlicherweise bewahrt Clark deren Originale sicher an Land auf, er wäre aber kein erfolgreicher Unternehmer aus dem Silicon Valley, wenn im Hintergrund nicht modernste Entertainment-Systeme warten würden. Überraschend mag auf den ersten Blick vielleicht der Blick auf den Decksplan wirken, wo vor der großzügig dimensionierten Galley auf dem Hauptdeck die Stauräume für den Proviant, das Tauch-Equipment sowie Crew-Büros untergebracht wurden. Auf Motoryachten ist das auch wegen der Aussicht einer der gefragtesten Plätze für Kabinen.

 

An Bord der Athena sind die vier gleichgroßen Gästekabinen und die Suite des Eigners auf dem Unterdeck platziert. Dort residiert er achtern mit seinem luxuriösen Schlafgemach und voll ausgestattetem Marmor-Bad. Die gemütliche Bibliothek samt Büro an Steuerbord lässt sich per Schiebetür von der Suite separieren, um so auch als zusätzliche Unterkunft für Kinder zu fungieren.

 

Nicht nur der Nachwuchs wird sich über das große Angebot an Toys freuen. Ob Wasserrutsche, Laser Dinghys, Surfboards oder die beiden 9-Meter-Tender von Pascoe, alles kann ausgiebig in der Karibik genutzt werden, wo Athena bis April kreuzen soll.

 

Noch beeindruckender als die wöchentliche Rate von rund 450.000 US-Dollar für die derzeit größte Charteryacht mit Segeln sind die 75 Millionen Dollar, die OCEAN Independence für den Verkauf aufruft. Während sich Clark mehr dem Regatta-Segeln widmet, wird für sein bisheriges Flaggschiff ein Enthusiast und Liebhaber gesucht. Abgesehen von der Sea Cloud und nach der knapp drei Meter längeren Eos von Lürssen könnte er mit der Athena die zweitlängste Segelyacht der Welt sein Eigen nennen.

www.oceanindependence.com

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