Wir verwenden Cookies auf dieser Seite, die die Bereitstellung unserer Dienste erleichtern. Wie Sie einer Verwendung von Cookies widersprechen können erfahren Sie hier.
 

High Life Heft 41


© Foto Weingut Tenuta Degli Dei

Weingut Tenuta Degli Dei
CHARAKTERWEINE AUS DEM CHIANTI

Seit über dreißig Jahren gehört Tenuta Degli Dei bei Panzano, in der Nähe von Florenz, zum Besitz der Familie Cavalli. Lange Zeit nutzte der Star-Designer Roberto Cavalli das Gut als Rückzugsort vor dem Glamour und Trubel der Modewelt. Dann kam sein Sohn Tommaso, der das Landhaus in ein produktives Unternehmen verwandelte. Im Chianti geht er seiner Passion nach: edle Weine zu kreieren und rassige Pferde zu züchten.

Text Bernd Teichgräber | Fotos Weingut Tenuta Degli Dei

Das Gut liegt dreissig Kilometer von Florenz entfernt, gleich hinter der Ortschaft Panzano in Chianti. Ein Orientierungspunkt ist die Kirche San Leolino, die nahe der Tenuta – eingebettet zwischen den Hügeln der Conca d’Oro – aufgrund ihrer romanischen Architektur bewundernde Blicke auf sich zieht. Direkt hinter dem Gut breitet sich ein siebzig Hektar großes, traumhaftes Areal aus, das Wald, Oliven, Weiden und Wiesen sowie fünf Hektar Rebfläche beheimatet. Exponiert liegen die Weinberge – 400 bis 450 Meter über dem Meeresspiegel – auf den höchstgelegenen und sonnigsten Arealen der Tenuta. Sie wurden engzeilig mit Merlot, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Petit Verdot und Alicante bepflanzt. Auf den tiefer gelegenen Flächen sind die Gehege für Fohlen, Stuten und Zuchthengste untergebracht. Die Stallungen findet man gleich neben dem Bauernhaus, das Sitz des Gutes und zugleich Wohnhaus von Tommaso Cavalli ist.

 „Ich lebe seit 1989 in Panzano, wo ich Arbeit und Leidenschaft ideal miteinander verknüpfen kann“, erzählt Tommaso. „Verbunden fühle ich mich diesem Land jedoch schon seit meiner Kindheit. Ich bin mit meinem Vater oft hier gewesen und habe auf den Hügeln reiten gelernt. Ohne Pferde und Wein kann ich mir diesen Ort genauso wenig vorstellen wie mein Leben fern dieser Natur“, betont Cavalli junior. Schon damals gab es hier einige, allerdings vernachlässigte Rebflächen, die nichts mit dem zu tun haben, was Tommaso Cavalli viele Jahre später als Ziel vor Augen hatte. Die Rebflächen sind komplett nach Süden ausgerichtet. Die mittelschweren Böden bergen einen hohen Tonanteil und sind gut dräniert. Sie  eignen sich hervorragend für die Produktion von tiefgründigen und gut strukturierten Weinen mit mineralischem Charakter. „Die Zusammensetzung der Böden ist ideal für den Anbau von Rebsorten aus dem Bordeaux“, erklärt Tommaso. „Bei der Auswahl der Sorten haben wir uns den Gegebenheiten des Bodens angepasst.“

Die Verwirklichung einer der Cavalli-Träume begann mit dem neuen Jahrtausend. Im Jahr 2000 fanden die Bodenanalysen, endlose Besprechungen und die ersten Grabungen für die Pflanzungen statt. Im gleichen Jahr wurde ein zweites Grundstück der Familie Cavalli in einen Weinberg umgewandelt. Dabei handelt es sich um weitere vier Hektar (darunter eine Fläche mit 1800 Alicante-Reben), die südlich von Florenz – noch innerhalb der Stadtgrenzen – auf Hügeln nahe der Villa von Roberto Cavalli liegen. Auch dieses Stück Land ist nach Süden ausgerichtet und genießt wie die Weinberge in Panzano den ganzen Tag Sonne. Der tonhaltige Boden schenkt den Weinen intensive Farbe, Extrakt und Langlebigkeit.

Die Reben beider Weinberge, die im März 2001 angepflanzt wurden, werden an Spalieren gezogen und haben eine Pflanzdichte von 6700 Stück pro Hektar. Unter regulären Bedingungen produzieren 50.000 Pflanzen, wenn sie voll im Ertrag stehen, ebenso viele Flaschen Wein. Die angepflanzten Rebsorten profitieren von zwei unterschiedlichen Plattformen, die wiederum zwei Weine mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten hervorbringen. Vom önologischen Standpunkt betrachtet, ergänzen sich die beiden Weinberge im Glas jedoch perfekt. Seit 2012 gehört zum Gut eine dritte, in Panzano gelegene Rebfläche von drei Hektar, die mit Sangiovese bestockt ist. Tommaso Cavalli hat diese Sorte zur Erweiterung seiner Rotweinpalette ausgewählt.

Auf die Frage, was ihn von der Traberzucht zum Abenteuer Wein bewegt hat – ein Abenteuer, das zudem jede Menge Geduld und Ausdauer erfordert –, antwortet Tommaso, dass es sein Wunsch war, einen großen Wein zu kreieren. Doch hinter diesem Wunsch, den er mit allen Winzern teilt, steht mehr: Es ist die Idee, das Potenzial der Region herauszustellen und das internationale Ansehen der Familie durch einen neuen, aber auch ursprünglicheren Weg zu bereichern. „Andersartige Dinge zu kreieren liegt in den Genen der Familie“, schmunzelt Tommaso. „Aus diesem Grund haben wir uns gegen die Produktion von Chianti Classico und das Anpflanzen von Sangiovese entschieden. Auf der einen Seite möchten wir damit den vielen Winzern, die hier in Panzano wundervolle Chianti-Classico-Weine erzeugen, unseren Respekt aussprechen“, unterstreicht der experimentierfreudige Winzer. „Auf der anderen Seite ist es jedoch unser persönlicher Wunsch, unsere Weinberge kosmopolitisch sprechen zu lassen“, so Tommaso. Auf diese Weise könne jede Traube zu der außergewöhnlichen Melange aus Düften, Aromen und Geschmacksnoten beitragen.

 

Der Spitzenwein der Cavallis ist ein sogenannter IGT Toscana und heißt Cavalli Tenuta degli Dei. Als einziger Wein des Gutes kam er 2004 erstmals auf den Markt. Die Cuvée wurde geändert, als 2008 ein zweiter Wein folgte. Während der ersten vier Jahre flossen alle angepflanzten Rebsorten in die Cuvée, heute besteht sie aus ungefähr 60 Prozent Cabernet Sauvignon, 25 Prozent Petit Verdot und 15 Prozent Cabernet Franc. Ein charaktervoller Blend mit klarem Profil, dessen Produktion sich im Jahrgang 2009 auf 24000 Flaschen belief. Der zweite Wein, Le Redini, ein fast reinsortiger Merlot (90 %, dazu 10 % Alicante) wurde 2008 erstmals erzeugt. Die Produktionsabläufe beider Weine werden in sorgfältigen Schritten ausgeführt, was jedoch unabdingbar ist, wenn man in seinem Weinkeller ausschließlich erstklassiges Traubengut verarbeiten möchte. In den Weinbergen wird über das Jahr hinweg ausschließlich per Hand gearbeitet: von der Kontrolle der Knospenzahl über die Bearbeitung des Bodens bis hin zur grünen Ernte.

 Die Lese findet zwischen Ende August und Anfang Oktober statt. Eine lange Erntezeit, wenn man die Größe des Gutes bedenkt. Doch die fünf Rebsorten erreichen ihre Reife zu unterschiedlichen Zeiten und in Florenz findet die Lese zudem etwa fünfzehn Tage vor Panzano statt. Sobald die Trauben ihren Bestimmungsort erreicht haben, werden sie auf zwei Sortierbändern selektioniert. Die Vinifikation dauert etwa zwanzig Tage. Während dieser Zeit wird die Maische mehrmals am Tag untergestoßen, um einen hohen Extraktgehalt zu erhalten. Nach Abziehen des Mostes werden die Weine wiederum über ein Gefälle in einen darunter liegenden Raum transportiert, in dem die Barriques lagern. Die ein- bis zweijährigen Fässer sind aus französischer Eiche. In ihnen finden – bis zum Zeitpunkt der Assemblage – die malolaktische Gärung und die sich anschließende 16-monatige Reifung der Weine für den Cavalli Tenuta degli Dei und ein zehnmonatiger Ausbau für den Le Redini statt.

„Dies ist ein magischer Augenblick, ein wenig wie die Geburt eines Fohlens oder die Präsentation einer neuen Kollektion“, schwärmt Tommaso. „Die verschiedenen Charaktere der Rebsorten und Weinberge werden wie ein Mosaik zusammengesetzt und vollenden die Persönlichkeit des Weines“, fügt er hinzu. Nach seiner Flaschenfüllung ruht der Cavalli Tenuta degli Dei weitere 14 bis 16 Monate, der Le Redini 4 bis 6 Monate, bis er für seine Markteinführung bereit ist.

Der Keller, der 2004 fertiggestellt wurde, befindet sich direkt neben den Weinbergen von Panzano und nimmt die Räume unter den alten Mauern der Kirche San Leolino ein. Die obere Etage des Weinkellers stellt die strategisch wichtigste Stelle dar. Die historischen Decken und das erhalten gebliebene Gebälk zeigen den architektonischen Stil der Region. Am Eingang dieser Ebene befinden sich die Traubenannahmestelle und die zwei Sortierbänder. Außerdem beherbergt sie die Edelstahltanks. Inmitten dieses Raumes ist die Falltür, durch welche der Wein in den darunter liegenden Reifekeller mit der Schwerkraft „fließt“. Der Reifekeller, der zum größten Teil unterirdisch ist, ist sehr geräumig und mit einem steinernen Tonnengewölbe versehen. Hier ruhen die Barriques in „klösterlicher“ Stille zwischen dem kirchlichen Gemäuer. Ein altes und massives Tor schirmt sie von der Außenwelt ab.

 

Obwohl es Tommaso ist, der seine Passion für die Tenuta degli Dei 365 Tage im Jahr lebt, kümmert sich sein Vater Roberto Cavalli um den Entwurf der Etiketten. Sie nehmen Anleihen an die großen Mode-Kollektionen des Designers. Das Logo der Tenuta degli Dei hingegen, zeigt einen Ausschnitt aus einem Gemälde von Giuseppe Rossi (1876–1951), dem Großvater von Roberto Cavalli. Der bekannte Maler leitete viele Jahre die Scuola Fiorentina di Pittura (Florentiner Malschule). Einige seiner Gemälde sind heute in den Uffizien in Florenz zu bewundern.

» www.deglidei.it

Die aktuelle HIGH LIFE Ausgabe 4/2016, Heft 41, erhalten Sie in unserem Online-Shop, einfach auswählen und bestellen, oder genießen Sie HIGH LIFE dreimal im Jahr im kostengünstigen Abonnement frei Haus.

ANZEIGE


Milaidhoo MaledivenTop-Angebote für das neue Highlight» Zum Angebot...