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Yachting & Style Heft 31


Brenta 80

Brenta 80
DER MIX MACHT’S

Die Brenta 80 ist nicht nur farblich erfrischend anders. In dieser 24-Meter-Slup stecken seglerische Praxis und Know-how eines der versiertesten Bootsbauern Deutschlands.

TEXT Erdmann Braschos
FOTOS Michael Schmidt Yachtbau, Jesus Renedo, Tomas Moya

Eigentlich gibt es selbst im fortschrittlichen Yachtbau nichts Neues. „There is nothing new under the sun“, heißt es in angelsächsischen Fachkreisen. Der steile Vorsteven (englische Kutter des 19. Jahrhunderts), die angehobene Schanz (Tourenyachten der gleichen Ära, später Ozeandampfer), die komfortable und sichere Mittelplicht (Fahrtenboote der 60er Jahre), die Eignerkajüte vor dem achtern offenen Heck (Wally 90er Jahre), die leichte und belastbare Hightech-Bauweise (fortschrittlicher Yachtbau seit den 80er Jahren), die zweckmäßig gewicht- wie kostensparende und wartungsarme Ausstattung (bewährtes Konzept, sofern es ums Segeln statt Basteln geht, seit jeher gültig) – das ist alles bekannt. Auch das erfrischende Lindgrün der Brenta 80 gab es schon mal – beim Vespa-Roller oder Trabant in der DDR der späten sechziger Jahre als sogenanntes Taigagrün.

Bei dieser 24-Meter-Slup ist das alles mit verblüffender Nonchalance zu einem stimmigen Großen und Ganzen zusammengefügt. Das vom angehobenen Vorschiff kommende Deck geht mit einem knöchelhohen Absatz in das weiße Kajütdach über. Darin ist die T-förmige Plicht eingelassen, deren schmaler Gang Halt und Sitzgelegenheiten bietet, dem Steuermann hinten Zugriff auf die Steuerräder, Klemmen und Knöpfe der Motorwinschen. Er sitzt nahe am Drehpunkt des Schiffes. Das ist dem Wohlbefinden bei langen Reisen im Mittelmeer oder unterwegs auf dem Atlantik zuträglich. Er hat – das wird bei vielen Yachten unterschätzt – einen ausgezeichneten Blick nach vorne, sieht entgegen kommenden Seegang, andere Schiffe und den Stand des Vorsegels.

  
VON DER ANGEHOBENEN SCHANZ
BIS ZUM GEDUCKTEN DECKHAUS
EIN SCHLICHT SCHÖNES BOOT.

Von der Seite gesehen verschwindet der Aufbau nahezu ganz hinterter der angehobenen Schnaz, dessen Höhe Thema eines langen Fights zwischen dem Auftraggeber, Eigner und Praktiker Michael Schmidt und dem Designer Lorenzo Argento in Mailand war. Der Italiener wollte es aus optischen Gründen so niedrig wie möglich, der Deutsche zugunsten des Volumens unter Deck so hoch wie vertretbar. Argento wollte auf keinen Fall das sonst im Serienbootsbau übliche German-Panzerwagen-Design liefern. Diesen Begriff gibt es in der Szene wirklich. So sieht die Brenta 80 aus wie ein italienisches Designer-Stück.

Übrigens ist auch die Idee mit dem nach vorn verlegten Steuerstand nicht neu. Bei den Wallys „Tiketitan“ und „Tiketitoo“ wurde er Ende der Neunziger auch schon mittschiffs untergebracht. Die noch von Michael Schmidt initiierte und 2011 vorgestellte, allerdings nicht gebaute „Hanse 78“ sollte den Steuerstand zwischen dem vorderen Aufbau und der panoramaverglasten Achterkajüte  unterbringen. Jetzt wurde die Idee schöner realisiert, was angesichts der Beschäftigung des Mailänder Ästheten nicht wundert. „Ich wollte immer schon mal ein Boot mit Argento entwerfen“, berichtet der schnodderig direkte self-made man.

Dabei ist Schmidt seit dem Verkauf der Hanse Yachts AG eigentlich mit dem Bootsbau durch. Nach seinem 21-jährigen Arbeitsmarathon in Greifswald, wo er eine marode Fischkutterwerft in die Hanse Yachts Aktiengesellschaft mit den Marken Dehler, Fjord, Moody und Varianta verwandelte, hatte er es drei Jahre geschafft, mal auszuspannen. Schmidt bummelte eine Weile durchs Mittelmeer. Er segelte im Schwarzen Meer, Atlantik und der Karibik und mischt nebeher bei Bojenscharmützeln im noblen Drei-Mann-Kielboot „Drachen“ mit. Dort liegt die Latte ziemlich hoch.

  

„Von Hightech- bis hin zu Serienbooten habe ich alles gemacht. 1982 wurde in Wedel der Ofen zum Backen der Admirals Cupper warm gemacht. Das war der Generationswechsel von Alu zu Karbon“, erinnert sich Schmidt. Der wegweisend jollenartigen „Düsselboot“ folgten „Diva“, „Outsider“, „Pinta“ und „Rubin“. 1985 wurde die Hochseesegel-WM exklusiv mit Schmidts Werftbauten gewonnen. „Ich kenne seit vierzig Jahren praktisch jede Facette im Yachtbau. Es fehlte das Thema ‚schön‘. Das mache ich jetzt“, erklärt er gleichermaßen ruhig wie selbstbewusst. Gemeinsam mit seinem Kollegen Luca Brenta modernisierte Lorenzo Argento in den neunziger Jahren den mit Hardware überladenen großen Cruiser-Racer. Sie begannen mit der 25- und 32-Meter-„Wallygator“. Mit ihren Daysailern vom Typ B-Yachts räumten sie das Segelboot weiter ab. Mit „Ghost“ und „Chrisco“ trieben die Mailänder ihren gestalterischen Minimalismus auf die Spitze, führten mit ihrer klaren Formensprache die italienische alta moda in den Bootsbau ein und zeigten der Branche einen neuen Kurs. Das Interieur entwarf der Londoner Architekt Sir David Chipperfield.

  

Chipperfield richtet von seinen Büros in Mailand und Berlin aus die Valentino Stores ein, zeichnete das America’s-Cup-Gebäude von Valencia, das Folkwang Museum in Essen oder einen Teil der Museumsinsel in Berlin. „Es sollte ein zeitgemäßer, mit der Modernität der Brenta-Boote korrespondierender, dennoch komfortabler Ausbau werden. Abgerundete Ecken, gepolsterte Oberflächen und edle Materialien tragen zu einem eleganten, zugleich behaglichen Interieur bei. Dieses ohne übliche, gewollt erscheinende loftartigen Anleihen“, erklärt Chipperfield, der selbst eine Brenta 42 segelt. Nach der Präsentation des Bootes bei den Bootsmessen in Genua und Cannes im vergangenen Jahr segelte die Brenta 80 vom Mittelmeer zur Karibik, wo sie den Winter verbrachte. Im Februar zeigte Schmidt seine Kreation bei der Miami Boat Show. „Nach 15.000 Meilen hat sich die einfache und funktionale Ausstattung des Bootes ohne Schnickschnack bewährt“, fasst Schmidt seine Erfahrungen zusammen. Enttäuscht ist er von der Segelgarderobe (North Sails). Gelegentliche Schwierigkeiten gab es mit dem Generator (Fischer Panda 16 PS).

Die in der Brenta 80 steckende Erfahrung der segelnden und Boote bauenden Praktiker Schmidt und seines Projektleiters Andreas Bock zahlte sich aus. Bis jetzt sind bereits drei weitere Boote verkauft und bis Herbst 2018 zu liefern. Vier Millionen Euro für das komplett ausgestattete Designer-Stück sind eine Versuchung für Eigner, die sonst über eine noble Swan aus Finnland, eine Southern Wind aus Südafrika oder einen ähnlich großen Segler der Construction Navale Bordeaux (CNB) nachdenken. Demnächst werden eine kleinere 68-Fuß-Schwester und ein 100-Füßer folgen. Auch wenn alles schon mal da gewesen ist, außer dem erfrischenden bis erschütternden Trabbi-Taigagrün auf dem Wasser: Der Mix und das Wissen, was man auf dem Wasser eigentlich braucht, macht’s.

  

Technische Daten
Konstruktion und Exterieur: Luca Brenta & Co
Interieur: David Chipperfield
Länge: 23,99 m, Breite: 6,00 m, Tiefgang (Festkiel): 3,70 m
Freie Segelhöhe: 35,20 m, Verdrängung (leer): 32,5 t
Kiel/Ballastanteil: 11,6 t/36 %, Am-Wind-Besegelung: 307 qm
Maschine: Yanmar 4LHA STP, 4 Zylinder, 230 PS
Getriebe: ZF63A, Generator: Fischer Panda, 12 kW, 16 PS
Bugstrahlruder: Maxpower VIP 250, 13,5 kW, 18 PS
Dieseltank: 2 x 450 l, Frischwasser: 4 x 215 l
Rumpfgeschwindigkeit: 11,9 kn, Segeltragezahl (32,5 t): 5,5

Die aktuelle YACHTING & STYLE Ausgabe 5/2016, Heft 31, erhalten Sie in unserem Online-Shop, einfach auswählen und bestellen, oder genießen Sie YACHTING & STYLE dreimal im Jahr im kostengünstigen Abonnement frei Haus.

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