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Country Style Heft 77 | Herbst 2016


© Foto: KPM

„In meinen Adern fließt kein blaues Blut“

 Er war ein erfolgreicher Feldherr, spielte Querflöte, zeichnete und genoss die schönen Künste: Friedrich der Große, Kurfürst von Brandenburg, König von Preußen, später liebevoll der „Alte Fritz“ genannt. Zu seinen Leidenschaften gehörte das Sammeln von Porzellan. 1763 kaufte er dem Berliner Seidenfabrikanten Johann Ernst Gotzkowsky dessen zwölf Jahre zuvor gegründete und in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Porzellanmanufaktur ab. Friedrich der Große gab seinem jungen Unternehmen den Namen Königliche Porzellan-Manufaktur – kurz KPM – und ein Symbol: das kobaltblaue Zepter aus dem kurfürstlich-brandenburgischen Wappen. Bis zur Abdankung Wilhelms II. im Jahr 1918 blieb die KPM im Besitz von sieben Königen und Kaisern.

Text: Gabriele Isringhausen, Fotos: KPM

Heute ist die KPM eine der renommiertesten Porzellan-Manufakturen der Welt. An ihrer Spitze steht ein Bürgerlicher: Jörg Woltmann. Der Bankier rettete das Unternehmen 2006 vor der Insolvenz. Er sieht sich als gebürtiger Berliner eng mit der Historie des Hauses verbunden. Ein Gespräch über Tradition, Innovation und Sonntagsbraten.

 

„Es war nicht geplant, es war kein Herzenswunsch. Es war reiner Patriotismus. Ich wollte auf keinen Fall, dass die KPM untergeht, schließlich kannte ich die Manufaktur schon aus Kindertagen. Wenn es zu Hause Braten gab, dann deckte meine Mutter persönlich den Tisch mit dem KPM-Service Kurland und wir Jungs wussten: Es ist Sonntag. Denn dieses Geschirr durften wir nicht anfassen und natürlich auch nicht abwaschen. Mit 28 Jahren habe ich mir dann mein eigenes Kurland-Service gekauft. Ich fand es schon damals sehr schön“, erinnert sich Jörg Woltmann an seine ersten Kontakte mit dem royalen Porzellan.

2004 entschied das Land Berlin, die Königliche Porzellan-Manufaktur zu privatisieren. Zunächst setzte man diverse Geschäftsführer ein, aber das Traditionsunternehmen geriet mehr und mehr in die roten Zahlen. „Ich habe eine Woche überlegt, mit meinen Beratern und meiner Familie gesprochen. Alle rieten mir eher ab. Aber ich musste es tun und kaufte die KPM am 24. Februar 2006. Ich habe es nicht einen Tag bereut! Fachleute bestätigen uns, die beste Porzellanmanufaktur der Welt zu sein. Es konnten Arbeitsplätze erhalten und neue geschaffen werden. Heute beschäftigen wir 180 Mitarbeiter, fünfunddreißig von ihnen sind Porzellanmaler, wahre Künstler. Ich gehe stets voll Demut durch die Manufaktur, so bewundere ich ihre Kreativität. Es ist schon etwas anderes, als eine Bank zu führen“, sagt der sympathische Unternehmer. Mehr als dreißig Millionen Euro investierte er in den letzten zehn Jahren. Er eröffnete neue Stores, öffnete den Weg nach Asien und kaufte u.a. einen Teil des alten Werkgeländes am Berliner Tiergarten zurück. Dort entstand die KMP WELT.

 Im einzigartigen Ambiente der historischen Ofenhalle, die zu den ältesten erhaltenen Gewerbebauten Berlins gehört, wurde eine glanzvolle Welt für stilvolle Tischkultur und anspruchsvolle Lebensart geschaffen. Die Ausstellung präsentiert wertvolle KPM-Exponate aus drei Jahrhunderten. Im Modellarchiv wird die Formvielfalt der Vasen und feinen Porzellane verdeutlicht. Man lernt den aufwändigen Prozess der Porzellanherstellung kennen und hat in der Schauwerkstatt Gelegenheit, den Porzellanmalern bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Die perfekt gelungene Symbiose aus Historie und Zeitgeist macht jeden Besuch zu einem besonderen Erlebnis. „Selbstverständlich pflegen wir bis heute unsere kunsthandwerklichen Traditionen.

Nach wie vor wird das Porzellan nach überlieferten Methoden von Hand geformt und bemalt. Höchste Qualität ist in unserem Haus eine Selbstverständlichkeit. Porzellan ist stilprägend, kein Saisonprodukt. KPM ist zu allen Epochen mit der Zeit gegangen. Tradition bewahren heißt auch, sie weiterzuentwickeln, heißt Innovation. Partner wie BMW, Bottega Veneta oder Bugatti schätzen unsere Kompetenz und Strahlkraft. Das zeigt zum Beispiel unsere Kooperation mit Bugatti. Für den Innenraum des Bugatti Veyron L’Or Blanc durften wir zwölf Elemente aus feinstem Porzellan liefern. Für die neue 7er-Reihe von BMW schufen unsere Mitarbeiter eine exklusive Porzellanskulptur“, erklärt Oldtimer-Liebhaber Jörg Woltmann. Er ergänzt: „Wir sprechen selbstverständlich auch die jüngere Generation an, haben zum Beispiel Latte-Macchiato-Becher und Müslischalen im Sortiment.“

Das 250-jährige Bestehen feierte die KMP vor drei Jahren mit dem neuen Kurland-Blanc-Nouveau-Service sowie Kurland Royal Noir. Größter Beliebtheit erfreuen sich bis heute das bereits 1931 von der international anerkannten Designerin Trude Petri entworfene Service Urbino im sachlichen Bauhaus-Stil und die Serie Berlin des italienischen Designers Enzo Maris. Mit ihrer neuen LAB-Serie geht die KPM innovative und kreative Wege. Den ersten Schritt macht die multifunktionale BULB aus Bicolor-Porzellan. BULB ist Vase, Karaffe und Diffuser in einem. Sie wird in einem neuartigen Zwei-Schicht-Verfahren von Hand gefertigt. Die Kolbenform ist eine Reminiszenz an die KPM-Laborporzellane – puristisches Design, das seine Ästhetik aus der Funktion gewinnt. Apropos gewinnen.

Der erste doppelwandige Thermo-Kaffeefilter von KPM gewann jüngst den international begehrten iF Gold Award 2016. Mit dieser Auszeichnung prämierte das International Forum Design (iF) Design und Funktion des unter Leitung von Chefdesigner Thomas Wenzel entwickelten Kaffeefilters. Eine Auszeichnung, über die sich Jörg Woltmann natürlich sehr freut. Im kommenden Jahr feiert er einen runden Geburtstag und macht sich, in die Zukunft blickend, so seine Gedanken: „Ich möchte, dass das alte preußische Kulturgut auch für nächste Generationen erhalten bleibt und habe jetzt die KPM-Stiftung gegründet. Es gibt ein hochkarätig besetztes Kuratorium. Vorstandsvorsitzender ist der ehemalige Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz. Wir planen Veranstaltungen, Seminare, Designer-Preise, Stipendien, Ausstellungen und vieles mehr. Wir wollen die KPM noch bekannter machen.“

 

An Aufhören denkt der agile Unternehmer noch lange nicht: „Beim Achtzigsten schauen wir weiter“, sagt er fröhlich, greift zur Kaffeetasse – natürlich Kurland, blauer Fond und Goldrand, geadelt mit zwei schwarzen Lettern: JW.

www.kpm-berlin.de

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