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Country Style Heft 53 | Herbst 2010


© Foto: baumraum

Kleine Fluchten in luftiger Höhe

„Das magische Baumhaus“ hat Mary Pope Osborne, eine der erfolgreichsten Kinderbuchautorinnen der Welt, ihre wunderbare Buchreihe für Menschen ab 6 Jahre genannt. Die Idee dazu bekam die Amerikanerin bei einem Waldspaziergang, als sie ein altes, verfallenes Baumhaus entdeckte. Seitdem lässt Mary Pope Osborne die Geschwister Anne und Philipp von ihrem Baumhaus aus an geheimnisvolle Orte reisen und abenteuerliche Dinge erleben.

Text : Gabriele Isringhausen, Fotos : baumraum

Andreas Wenning geht noch einen ganzen Schritt weiter und realisiert das Abenteuer in luftiger Höhe ganz konkret. Der Dipl.-Ing. Architekt baut Baumhäuser. Allerdings sind diese nicht zerfallen oder alt, sondern modern und luxuriös. Auf dem Plendelhof, dreißig Kilometer südlich von Bremen, entstand zwischen zwei großen Buchen Wennings erstes, ganz privates Baumhaus. 2004 gründet der gebürtige Baden-Württemberger sein Unternehmen „baumraum“. „Kein Kindertraum, sondern der Wunsch nach experimenteller Architektur brachte mich zum Baumhaus“, erzählt er. Dass seine Idee so erfolgreich sein würde, hat Andreas Wenning, der nach einer Tischlerlehre in Bremen Architektur studierte, am Anfang nicht geglaubt: „Es war der berühmte Sprung ins kalte Wasser, aber man muss ja Visionen haben.“

Inzwischen hat er weltweit 35 unterschiedliche Baumhäuser gebaut. Seine Kunden leben in Brasilien, in den USA, in Ungarn, Italien, Österreich oder Deutschland. Was eint all diese „Häuslebauer“? „Ein Baumhaus ist ein Erlebnisort für Kinder, ein Refugium und Rückzug für Erwachsene. Es ist ein mit der Natur verbundenes romantisches Kleinod, das durchaus eine gewisse Magie ausübt. Hier hört man Vogelgezwitscher ganz nah und der Blick auf die vertraute Umgebung hat eine völlig andere Perspektive. Baumhäuser beflügeln die Fantasie der Menschen, wecken tatsächlich Kindheitserinnerungen. Als Erwachsener hat man plötzlich den Wunsch, selbst wieder eine Leiter oder Stiege heraufzusteigen und einzutauchen in einen Raum zwischen Ästen und Blattwerk. Es ist ein Ort zum Spielen, zum Entspannen und Träumen. Aber auch zum Arbeiten. Das höchste Baumhaus, das wir bis jetzt realisiert haben, ist zwölf Meter hoch und steht im Garten eines Schweizer Managers in Basel. Er sagte mir, dort oben bin ich ganz für mich und habe die besten Gedanken für meinen Job“, erzählt der Architekt.

 

Von der Planung bis zur Fertigstellung braucht es zwischen drei und acht Monaten. Jedes Baumhaus ist ein architektonisches Unikat und wird von Andreas Wenning mit größter Sorgfalt, besten Materialien und ausgesuchten Handwerksbetrieben seines Vertrauens gefertigt. Vor jeder Planung muss jedoch das Wichtigste vorhanden sein: ein Baum auf einem privaten Grundstück. Besonders gut eignen sich zum Beispiel Eichen, Linden, Eschen, Buchen, Kastanien und ausgewachsene Obstbäume. Aber auch in Nadelbäumen lässt sich der Traum vom Baumhaus verwirklichen. Die Bandbreite des "baumraum"-Angebotes erstreckt sich von verschiedenen Größen über Ausstattung und Ausführung bis hin zu Bodennähe oder sehr hohen Wipfeln. Andreas Wenning: "Die meisten unserer bis heute fertiggestellten Baumhäuser sind kleine Einheiten zwischen 5 und 25 Quadratmetern. Aber man kann auch größere Objekte - zum Beispiel auf zwei Ebenen - bauen. Jedes Baumhaus ist mit einer Massivholzverschalung - in der Regel Lärche oder Douglasie - innen und außen, umfangreichen Verglasungen, Oberlicht, Dämmung, Schubkästen, Bett oder Sitzlandschaft sowie Stromanschlüssen ausgestattet. Es besteht die Möglichkeit, einen Flat-Screen, Hi-Fi-Anlage, Minibar oder Telefonanschluss zu integrieren.

In den meisten unserer Häuser gibt es eine Heizmöglichkeit, so dass man sich auch in der kühleren Jahreszeit auf seinen Baum zurückziehen kann." Wichtig ist dem Architekten der schonende Umgang mit der Natur und mit den Bäumen: "Um den Baum und seine Rinde nicht zu beschädigen, verzichten wir auf Schrauben oder Bolzen. Wir verwenden stattdessen abgespannte Seilkonstruktionen." Die Baumhäuser von "baumraum" überzeugen aber nicht nur durch ihre Qualität. Auch optisch sind sie ein absoluter Hingucker: "Ich berücksichtige selbstverständlich die Wünsche meiner Kunden, bin aber immer glücklich, wenn sich jemand für ein modernes Objekt, in das viel kreative Architektur einfließen kann, entscheidet." So wie das Modell "Froschkönig". Umrahmt von hohem Bambus, schwebt dieses Baumhaus eines Arztehepaares aus Münster über einem Teich. Es wirkt auf den ersten Blick fast ein wenig wie ein Ufo.

     

Im Inneren fasziniert den Betrachter das äußerst große, gewölbte Dachfenster, das Freiheit, Licht und Weite vermittelt. Wände, Boden und Möbel aus weiß lasiertem Eschenholz unterstreichen den edlen Charakter dieses Refugiums. Wer sich den Traum vom Bett im Baum erfüllen möchte, der sollte zwischen 15.000 und 45.000 Euro - je nachdem, wie luxuriös man sein luftiges Domizil gestalten möchte auch mehr - bereithalten. Für Andreas Wenning ist "baumraum" zu einer Erfolgsgeschichte geworden. Im letzten Jahr erschien sein Buch "Baumhäuser - Neue Architektur in den Bäumen" (58 Euro) im Berliner Fachverlag für Architektur DOM publishers. Darin präsentiert der sympathische Visionär 25 realisierte Baumhausprojekte in Europa und Übersee sowie verschiedene Designstudien des Planungsbüros "baumraum". Ergänzt wird der reich bebilderte Band durch einen Rückblick auf die Geschichte und die Ausprägungen der Baumhausarchitektur in den verschiedenen Kulturen sowie durch einen Fachbeitrag zur Baumstatik.

Weitere Infos: www.baumraum.de

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