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Yachting & Style Heft 33

Wider 150
ZUKUNFTSWEISEND

Mit ihrer ersten großen Yacht führt die italienische Werft innovative Features in das Segment unter 50 Meter ein. Doch können der Beachclub mit Swim-in-Tender und „Indoor-Pool“ sowie der Hybridantrieb samt Azipods und rein elektrischem Modus den Erfolg garantieren?

TEXT Christian Sauer | FOTOS Wider / Moove / Jeff Brown

Länge über alles ist nicht mehr das entscheide Kriterium – das propagieren zumindest immer mehr Werften und preisen „kompakte Superyachten“ an. Die hohe Qualität sowie technische Errungenschaften von deutlich größeren Yachten in kleineren Formaten anzubieten, so lautet derzeit vielerorts das Ziel. Zumeist wird es damit begründet, dass Kunden mit einer kleineren Crew unterwegs sind und auch pittoreske(re) Buchten oder  Häfen anlaufen wollen. Die kostbare Zeit auf dem Wasser genießen scheint inzwischen noch wertvoller zu sein, als es bisher schon war. Dies erkannten bereits vor mehr als sieben Jahren der erfahrene Designer Fulvio De Simoni und Tilli Antonelli, der zuvor die heutige Ferretti-Marke Pershing auf Erfolgskurs gebracht hatte und dort schon gemeinsam mit dem Formenkünstler zusammenarbeitete. Ihr jeweiliges Know-how und kongeniales Zusammenspiel ebneten nun der Wider 42 als erstes Produkt des neuen Unternehmens den Weg. Das Dayboat sorgt seitdem mit ausklappbaren „Terrassen“ zur Vergrößerung der Deckfläche für Furore. Komplettiert wird das kleine, aber feine Portfolio der „Express Cruiser“ durch die Wider 32. Sie verzichtet zwar auf dieses Feature, aber punktet mit ihrem außergewöhnlichen Exterieur ebenso wie mit dem überraschend geräumigen Interieur. Beide Modelle werden in Castelvecchio di Monte Porzio im Hinterland von Ancona gefertigt.

Getreu dem Firmenslogan „Never enough“ schuf Antonelli direkt am Mittelmeer zudem einen zweiten Standort für ihre „Superyacht Division“ mit drei geplanten Varianten zwischen 38 und 50 Metern. Während mit der ersten Wider 125 demnächst begonnen wird, schreitet der Bau der ersten Wider 165 zügig voran. Inzwischen fand auch der 150-Prototyp einen Eigner. Bis kurz vor Redaktionsschluss – mehrere Monate nach ihrer Wasserung und nach den Messeauftritten in Cannes sowie Monaco – stand sie für 26,5 Millionen Euro zum Verkauf.

 

Ab Frühjahr wird sie unter dem neuen Namen „Bartali“ im Mittelmeer kreuzen. Wie ihre Schwestern setzt die 47 Meter lange Aluminium-Yacht ebenfalls auf einen innovativen Hybridantrieb. Im Bug produzieren vier Diesel-Generatoren je 350 kW (476 PS) und treiben entweder direkt zwei Azipods bis 14 Knoten an oder laden hochmoderne Lithium-Polymer-Batterien auf. Deren bemerkenswerte Kapazität von 544 kWh reicht aus, um sechs Stunden lang bei fünf Knoten im Zero Emission Mode rein elektrisch nahezu geräuschlos, vibrationslos und lokal emissionsfrei zu cruisen. Alternativ lassen sich damit aber über Nacht oder Tag auch die Bordsysteme betreiben.

Dementsprechend verwundert es nicht, dass die Wider 150 von der Registro Italiano Navale (RINA) als bis dato leiseste Yacht der „Comfort Class“ zertifiziert sowie mit dem Platinum Green Plus Award ausgezeichnet wurde. Zusätzlich zu dem enormen Komfortgewinn und nachhaltigen Charakter bringt der Hybrid-Antrieb noch weitere Vorteile mit sich. Dazu zählen der geringe Treibstoffverbrauch für eine transatlantische Reichweite von 4700 Meilen bei zehn Knoten, der geringe Tiefgang mit 2,20 Meter sowie die höhere Zuverlässigkeit und der reduzierte Wartungsaufwand durch weniger bewegliche Bauteile.

 

Durch die Einsparung eines konventionellen Maschinenraums ergeben sich auf dem Unterdeck mittschiffs und im Heck ganz neue Möglichkeiten für einen Beachclub. Mit 90 Quadratmetern bei ausgeklappten Seitendecks fällt dieser nicht nur deutlich größer als auf den meisten Yachten bis 47 Meter Länge aus, einen fast zehn Meter langen Tender führt kein Mitbewerber an Bord mit – schon gar nicht in einem „Schwimmdock“. Während Überfahrten parkt die Wider 32 trocken in einer ihrem Rumpf maßgeschneiderten Kunststoffform. Sobald das Beiboot ausgedockt ist, kann die „Wanne“ als 7-Meter-(Indoor-)Pool genutzt werden. Noch besser wäre aus unserer Sicht, wenn das Meerwasser auch beheizt und per Filteranlage gereinigt werden könnte. Es würde zum überall an Bord spürbaren Perfektionismus passen. Dazu gehört auch das weitläufige Vorschiff, worunter neben einem RIB zwei Jetskis auf ihren Einsatz warten. Einzigartig ist zumindest in dieser Größenklasse die Lounge-Area inklusive Flatscreen und Platz für Fitnessgeräte. Zum Schutz vor den Elementen kann das stabile Kohlefaser-Hardtop darüber leise herauf- oder heruntergefahren werden. So ist es zum einen unterwegs nutzbar und zum anderen komplett wasserdicht.

Ein weiteres Highlight stellt die futuristische Brücke dar: In der Marina oder vor Anker entziehen sich die fünf Touchscreens regelrecht den Blicken verwunderter Besucher. Wenn sie benötigt werden, erheben sie sich per Knopfdruck nicht nur aus ihrer Versenkung, die äußeren Displays schwenken zudem seitlich heraus. Trotz des minimalistischen Designs steht der Kapitän somit im Zentrum des gelungenen Konzepts und findet sämtliche Bedienelemente in direkter Reichweite. Der ebenfalls wie von Geisterhand aus seinem „Versteck“ herausgleitende Sitz ist ein weiteres Highlight, das sicher Nachahmer findet. Die Führung der Yacht erleichtert dies genauso wie die Unterbringung der Kapitänskabine direkt hinter dem Steuerstand.

 

Daran schließt sich achtern die Sky Lounge an, die dank elektrischer Glastüren zu beiden Seiten und zum Freideck die Grenzen zwischen innen und außen nahezu aufhebt. Das moderne Italo-Interieur vom Studio IdeaeITALIA aus La Spezia gefällt mit raffinierten Details und schafft eine gelungene Symbiose mit dem Exterieur. Frei bewegliche Outdoor-Möbel von Paola Lenti verleihen auch dem Sonnendeck größtmögliche Variabilität. Die in den Geräteträger integrierte Bar mit Barbecue-Grill und der Jacuzzi krönen das große Wider-Premierewerk. Die knapp drei Meter längere Wider 165, deren Premiere demnächst ansteht, bietet sogar einen zusätzlichen Jacuzzi und ein Helipad auf dem Vorschiff. Die Layouts beider Schwestern unterscheiden sich mit vier Gästekabinen auf dem Unterdeck nicht wesentlich voneinander.

 

Der größte Unterschied stellt die Option einer weiteren Kabine mit eigenem Balkon auf dem Hauptdeck der Wider 165 dar. Doch zurück zur Wider 150, die ihrerseits mit einem simpel bedienbaren Balkon an Steuerbord des 75 Quadratmeter großen Refugiums für den zukünftigen Eigner aufwartet. Erwähnenswert sind außerdem das rumpfbreite Bad samt überdimensionaler Regenwalddusche und freistehender Wanne, der begehbare Kleiderschrank sowie das separierbare Büro mit zusätzlicher Schlafmöglichkeit.

 

Last, but not least sei an dieser Stelle noch der Hauptsalon mit traditioneller Aufteilung, aber raumhohen Glasscheiben erwähnt, der per se einen Designpreis verdient hätte. Die Wider 150 ist jedoch mehr als „nur“ die Summe ihrer Features, denn das Gesamtpaket passt. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass sich das ambitionierte Team um Tilli Antonelli und Fulvio De Simoni dadurch nachhaltig in der ersten Riege der Yacht-Branche etablieren kann. 

Die aktuelle YACHTING & STYLE Ausgabe 1/2017, Heft 33, erhalten Sie in unserem Online-Shop, einfach auswählen und bestellen, oder genießen Sie YACHTING & STYLE dreimal im Jahr im kostengünstigen Abonnement frei Haus.

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