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Yachting & Style Heft 33


Foto: Oliver Berking

Abeking & Rassmussen
VON DER KUNST, SCHIFFE ZU BAUEN

Seit 110 Jahren gehört die Yacht- und Bootswerft Abeking & Rasmussen in Lemwerder bei Bremen zu den international renommiertesten Werften auf der Nordhalbkugel. Ihr Gründer, der Segler und Konstrukteur Henry Rasmussen, hat mit seinen Jollen, Seekreuzern, Regatta- und Luxusyachten nicht nur in Deutschland Yachtgeschichte geschrieben. In einer dreiteiligen Serie dokumentiert YACHTING & STYLE die Geschichte der Werft an der Unterweser – von ihren Anfängen 1907 bis zu den Visionen für das 21. Jahrhundert.

TEXT Gundula Luig-Runge | FOTOS Abeking & Rasmussen

 Es gibt Arten, sich fortzubewegen, die eigentlich nicht der Fortbewegung dienen, sondern dem Erlebnis. Und dazu gehört ohne Zweifel das Dahingleiten mit einem Schiff durch die Dünung der Meere. Für unzählige begeisterte Segelsportler, Yachtkapitäne und Eigner gibt es nichts Schöneres, stellen die Herausforderungen der Elemente und die nahezu grenzenlose Freiheit auf dem Wasser eines der letzten großen Abenteuer auf unserem Planeten dar. Auch für den auf der Insel Fünen geborenen Dänen Henry Rasmussen, der einer Schiffbauer-Familie entstammte, traf das zu. Yachtbau und Segelei waren von klein auf sein Metier. Schon als Kind verbrachte er jede freie Minute auf dem Wasser, konnte sich keinen anderen Beruf als den des Schiffbau-Ingenieurs vorstellen. Henry Rasmussen gestaltete seine Studien- und Lehrjahre in Dänemark und Deutschland, bevor er Anfang des 20. Jahrhunderts nach Bremen kam, denn dort wurden zu der Zeit die größten Windjammer und Oceanliner gebaut. Eine Fügung des Schicksals: Denn Rasmussens Leidenschaft, seine Begeisterung und sein Können sollten ihn letztendlich zum Pionier für den deutschen Individual-Segelschiff- und Yachtbau machen.

Zum Ende der Segelsaison 1907 gründete Henry Rasmussen mit dem befreundeten Maschinenbau-Ingenieur Georg Abeking an der Weser in Lemwerder bei Bremen die Yacht- und Bootswerft Abeking & Rasmussen (A&R). Die Unternehmensgründung fiel in eine Epoche, als der Segelsport einen enormen Aufschwung nahm – an der Küste wie auch im Binnenland. Dass die junge Werft bereits in den ersten Jahren so erfolgreich war, hatte drei Gründe: Henry Rasmussen verstand es, schnelle Boote unter optimaler Ausnutzung der Vermessungsformeln zu konstruieren, diese Boote in unvergleichlicher handwerklicher Qualität zu bauen und sie schließlich auf Regatten erfolgreich zu steuern. Seine Mitgliedschaft im Weser Yacht Club, der zum 1888 gegründeten Deutschen Segler-Verband (DSV) gehört, brachte ihm neben guten Kontakten und großer Anerkennung auch jede Menge Aufträge ein. Darüber hinaus ließ er seinen Fachverstand 50 Jahre im Technischen Ausschuss des DSV einfließen und wurde so zum Geburtshelfer mancher neuen Klasse.

 Es dauerte nicht lange, bis sich die Kompetenzen von A&R über die Grenzen Bremens hinaus herumsprachen. Schon bald kamen Aufträge aus Holland, Österreich, der Schweiz und Russland. Während Henry Rasmussen im Winter vornehmlich mit der Konstruktion und dem Bau von neuen Yachten beschäftigt war, war der Sommer der Segelei, dem Gewinnen von Preisen und der Akquisition von Aufträgen vorbehalten. Dabei wurde die gesamte deutsche Segelprominenz vorstellig, bis hin zum Bruder des deutschen Kaisers, Prinz Heinrich von Preußen. Neben den reinen Segelyachten erwarb sich die Werft bald ein zweites Standbein mit dem Bau von Motorbooten, Behörden- und Marinefahrzeugen. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges gehörte der Bau von U-Boot-Zerstörern und Minen- Räumbooten zum Werftalltag. Letztere sind bis heute ein Schwerpunkt der Marinebauabteilung von A&R geblieben.

Die Weichen für die Zukunft wurden 1919 mit zwei Star-Booten gestellt, die der Weser Yacht Club in Auftrag gab. Der STAR, ein 1910 in Amerika konstruiertes, billiges, offenes Kielboot, sollte sich bald zur Königsklasse des Regattasports etablieren. Seit 1932 ist der STAR sogar olympische Bootsklasse. Seine große Popularität in Deutschland verdankt der STAR allerdings dem berühmtesten Segler jener Zeit: Walter „Pimm“ von Hütschler, Gentleman-Sportler und Weltmeister 1937 und 1938 in der Starboot-Klasse. A&R wurde der weltweit größte Hersteller dieser Boote und behielt diese Stellung, solange die Werft sich im Holzbootbau betätigte. 

 

Zu Beginn der 1920er Jahre schied Georg Abeking aus dem Unternehmen aus – sein Name blieb jedoch bis heute Bestandteil des Werftnamens. Inflation und Weltwirtschaftskrise bescherten einige schwierige Jahre, aber Lichtblicke gab es mit dem Auftrag über den Schärenkreuzer PAN – eine 6-m-R-Klasse – für den Hamburger Reeder Erich F. Laeisz. Sie wurde zur erfolgreichsten Yacht des Jahres 1924, gewann den begehrten Ostseepokal vor dem schwedischen Sandhamn. 1928 bekam die 6-m-R-Klasse Olympiastatus und die PAN wurde als deutsche Vertreterin zu den Spielen nach Amsterdam geschickt. Ein Jahr zuvor wurden vom DSV Konstruktionsgrundsätze für die Seefahrtskreuzer-Klasse von 30 bis 250 Quadratmeter erlassen. Diese leiteten eine Entwicklung in Deutschland ein, die als Ausgangspunkt für das ansteigende Interesse im Hochseesegelsport angesehen wird und zu einer Serie von Yachtbauten führten, die zu den schönsten gehören, die je bei A&R entstanden: darunter so berühmte Schiffe wie der Seefahrtkreuzer ATHENA oder der Tourenkreuzer AR, die beide noch bestens erhalten sind. Unter Oldtimer-Segelbootbesitzern ist ein handwerklich gebautes Boot von A&R vergleichbar mit einem Rolls-Royce unter Automobilliebhabern.

Schon damals hatte A&R einen legendären Ruf Ruf, der bis nach Übersee reichte. Von dort kamen ab 1925 immer mehr Aufträge an die Weser und es ging wirtschaftlich wieder steil bergauf. Henry Rasmussen pflegte intensive Beziehungen in die USA, unter anderem zu Yachtkonstrukteur William Starling Burgess, der in den kommenden Jahren zu einem der besten Auftraggeber für A&R wurde. Allein für den New Yorker Yachtclub orderte dieser vier- zehn identische 10-m-R-Yachten. Später wurden 8-m- und 12-m-R-Yachten gleich im Dutzend in die USA verkauft sowie einundsechzig Exemplare eines 9,3 Meter langen Bootstyps, der sich ATLANTIC nennt. Mit wachen Sinnen erspürte Rasmussen künftige Trends im Yachtbau, wie den für die 12-m-R-Yachten, mit denen ab 1958 sogar um den America’s Cup gesegelt wurde.

 

Im folgenden Jahrzehnt bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erlebte der deutsche Segelsport eine Blüte, wie sie vorher noch nicht dagewesen war. Deutschland rückte zu den anderen Segelnationen auf. Die Zahl der Jollen und Kielboote wuchs, es wurden noch einmal Yachten der großen Rennklassen gebaut und die Hochseesegelei fand, wie schon zur Blütezeit des Kaiserreiches, auf dem Atlantik eine neue Herausforderung. Zu den interessantesten A&R-Bauten dieser Zeit gehörten zunächst die 12-m-R-Yachten INGA, ANITRA und SPHINX, von denen glücklicherweise alle drei Rasmussen-Risse im Original erhalten geblieben sind. Mit Beginn des Krieges war es dann aus mit der Segelherrlichkeit, die Werften wurden für Marinebauten herangezogen.

Glücklicherweise überstanden Henry Rasmussen, seine Familie sowie die Werft die Kriegsjahre unversehrt und schon bald konnte der Bootsbauer dank seines internationalen Renommees wieder durchstarten. Insbesondere die Amerikaner gaben für harte Dollars Neubauten in Auftrag. Zu den berühmtesten Neuentwicklungen nach dem Krieg zählen die Hansa-Jollen, die aus Materialmangel aus verschiedenen Hölzern zusammengesetzt wurden. Was aus der Not heraus entstand, wurde im Nachhinein zum Markenzeichen einer eigenen Klasse. Der bekannteste Hansa-Jollen-Eigner war Rollo Gebhard. Der spätere dreifache Weltumsegler stillte auf seiner SOLVEIG sein erstes Fernweh. Bei 210 ausgelieferten Hansa-Jollen stellte A&R 1969 die Produktion ein. Für originale Hansa-Jollen werden heute Höchstpreise gezahlt.

 

Ab 1950 entwickelte sich die Werft dynamisch. Das Wirtschaftswunder vollzog sich nun auch an der Weser. Es waren immer wieder die amerikanischen Segelsportler, die auf das Know-how und die Qualität von A&R zurückgriffen, denn der Wechselkurs war für sie in der 50er Jahren verführerisch günstig. Ein regelrechter Bestseller im amerikanisch-deutschen Austausch wurde die Concordia Yawl, die von den Amerikanern entwickelt und von der Traditionswerft in Lemwerder zwischen 1950 und 1966 gebaut wurde. Insgesamt neunundneunzig der zwölf Meter langen Zweimaster liefen bei A&R vom Stapel und machten den Serienbootsbau „Made in Germany“ international bekannt. Alle Concordias sind noch heute bestens erhalten und erfreuen ihre Eigner auf den Meeren der Welt. Henry Rasmussen hatte mittlerweile ein Alter erreicht, in dem sich andere Unternehmer aufs Altenteil zurückziehen. Er nicht, im Gegenteil. 1954 konstruierte und baute er den Motorsegler HERA und ging damit auf seine letzte große Seereise, die nach eigenen Angaben zu einer seiner schönsten wurde. Für die Nachfolge im Unternehmen bot sich sein Enkel Hermann Schaedla an, der in Lemwerder eine Bootsbauerlehre absolvierte und später ein Studium zum Schiffbau-Ingenieur in Bremen abschloss.

Im Juni 1959 starb Henry Rasmussen. Er hinterließ seinem Enkel die Werft mit damals 700 Mitarbeitern als Hauptgesellschafter. Mit dem Generationenwechsel bei A&R begann auch für den Segelsport ein neues Zeitalter. Es brachte die Ablösung des „Herrenseglers“ durch den Sport- und Hobbysegler und bescherte dem Segelsport neue Regattaformeln und Baumaterialien und damit eine rasche Weiterentwicklung des Yacht-Designs. Unter Hermann Schaedlas Leitung wandelte sich A&R von der anspruchsvollen Yacht- und Bootswerft zu einem hochmodernen Schiffbaubetrieb, der heute von Henry Rasmussens Urenkel, Hans M. Schaedla, verantwortungsbewusst in die Zukunft geführt wird. Lesen Sie in der nächsten Yachting & Style , welche Entwicklung Abeking & Rasmussen in den Jahren 1960 bis 1995 nahm.

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