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Country Style Heft 81 | Herbst 2017

Pflanzzeit für Zwiebelblumen
WIE DIE TULPE IN UNSERE GÄRTEN FAND

Die Tulpe ist die Nationalblume der Niederlande. Ganze Generationen von Züchtern haben dafür gesorgt, dass die ursprünglich aus Zentralasien stammende Zwiebelpflanze heute Millionen Fans rund um den Globus hat. Doch was macht sie aus, die Königin der Frühjahrsblüher? Alles über die Geschichte der Tulpe – von damals bis heute.

TEXT Gundula Luig-Runge
FOTOS © Visions BV, Netherlands/Tulip Store Exclusivity in Europe

Die Tulpe gilt als Symbol der Liebe und soll schon im Paradies geblüht haben, besagt die Legende. Fakt ist, dass sie aus Mittel- und Zentralasien ihren Weg im 15. Jahrhundert nach Konstantinopel fand und in den Gärten des Sultans für Wohlgefallen sorgte. Dort erhielt sie auch ihren Namen „Tulipan“ – in Anlehnung an das türkische Wort für Turban. Osmanische Sultane organisierten schon damals Frühlingsfeste, und besonders schöne Tulpen wurden in wertvollen Büchern abgebildet. Auch auf Fliesen und auf Gegenständen des Alltags wurde die Tulpe porträtiert. Mitte des 16. Jahrhunderts nahm der Handel zwischen den Niederlanden und dem Osmanischen Reich deutlich zu, so dass auch die ersten Tulpen ihren Weg nach Holland fanden. Ihren Durchbruch erreichte die Tulpe jedoch erst, als der flämische Botaniker Carolus Clusius einige Tulpenzwiebeln in die Hände bekam und damit begann, diese zu züchten. Er besaß zu damaliger Zeit ein großes europäisches Netzwerk und verbreitete so seine Erkenntnisse über die Tulpe. Im Jahr 1593 wurde Clusius Präfekt des Hortus Botanicus in Leiden und konnte seine Arbeit mit den Tulpen intensivieren. Das verhalf der Tulpe in den Niederlanden zum Durchbruch.

 


Tulpenmanie und Mythos

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts erreichte die Tulpe eine enorme Popularität in den Niederlanden. Vor allem Blumen mit geflammten Mustern wurden sehr geschätzt. Das Problem war jedoch, dass Tulpenzwiebeln sich nicht besonders schnell nachzüchten ließen, die Nachfrage jedoch immer weiter anstieg. Zwischen 1634 und 1637 erreichte die sogenannte Tulpenmanie ihren Höhepunkt. Für einige der begehrtesten Tulpenzwiebeln wurden bis zu zehntausend Gulden bezahlt, was damals ein astronomisch hoher Betrag war und dem Preis eines edlen Amsterdamer Stadthauses in bester Grachtenlage entsprach. Im Februar 1637 platzte schlussendlich  die Spekulationsblase. Viele Menschen verloren ihren gesamten Besitz. Fortan regulierte die Regierung die Preise für die kostbaren Zwiebeln, und der Handel beruhigte sich allmählich wieder. In der Kunst wurde die Tulpenmanie auf vielen Gemälden dargestellt und in der Literatur beschrieben.

 

Was mit dem aus heutiger Sicht ersten Börsencrash der Geschichte ziemlich dramatisch begann, hat sich im Laufe der Jahrhunderte sehr positiv für unser Nachbarland entwickelt. Mittlerweile sind die Niederlande der weltweit größte Produzent von Tulpenzwiebeln. An die vier Milliarden Blumenzwiebeln werden auf rund 10000 Hektar Anbaufläche geerntet. Die Hälfte davon geht in den Export, vorzugsweise nach Deutschland, Großbritannien und Frankreich, die andere Hälfte verbleibt im Land, wo sie in erster Linie zwischen Januar und April als Schnittblume in den Handel gebracht wird. Und auch da gilt Deutschland wieder als Hauptabsatzmarkt. Etwa 500 Tulpenzüchter wetteifern mit ihren Züchtungen, von denen pro Jahr rund 100 neue Sorten auf den Markt gebracht werden, um die Gunst der Tulpen- und Gartenfans. „Eine neue Sorte zu entwickeln bis sie marktreif ist und ihre Zwiebeln in ausreichender Anzahl vorhanden sind, dauert 20 Jahre“, sagt Sam Veldboer, Mitbegründer des niederländischen Zuchtlizenz-Vergebers Hybris (www.hybris.nl), in dem sich die fünf größten Zuchtbetriebe des Landes organisiert haben.

 

Tulpenzucht ist Familiensache

Die Tulpenzucht in Holland wird ausschließlich von Familienunternehmen betrieben. Viele davon sind im Küstengebiet zwischen Haarlem und Leiden beheimatet, in der Blumenzwiebelregion „De Bloembollenstreek“. Aufgrund des milden Klimas und der kalkreichen Böden finden Tulpen und andere Zwiebelblumen dort ideale Kulturbedingungen. Auch die Familie Van der Slot hat hier ihren Betrieb im Ort Voorhout, unweit des Seebads Noordwijk.

 

Seit zwei Jahrhunderten kultiviert sie dort Nutzpflanzen. Um das Jahr 1900 wurde der Betrieb in eine reine Tulpenzucht umgewandelt. Heute umfasst das Unternehmen, in dem jährlich 20 Millionen Tulpenzwiebeln gezüchtet werden, 50 Hektar und wird von den Brüdern Jan und Frans van der Slot betrieben. Ein Großteil der Zwiebeln wird in den voll automatisierten Gewächshäusern des Betriebes in der Schnittblumen-Saison von Januar bis April zur Blüte gebracht, um dann über die großen Auktionen gute Floristen und Supermärkte in ganz Europa zu beliefern. Neben der Aufzucht von Schnittblumen werden auch Blumenzwiebeln in großem Stil gezüchtet, die überwiegend an andere Züchter für deren eigene Zuchten weiterverkauft werden.

Die Gebrüder van der Slot setzen sich darüber hinaus für die Weiterentwicklung der Tulpenzucht ein. In einem Versuchsgarten experimentieren sie unter anderem mit neuen Technologien wie beispielsweise der Zucht mit LED-Beleuchtung. Für ihren nachhaltigen und umweltbewussten Betrieb wurden die Brüder vor zwei Jahren mit einem Preis ausgezeichnet (www.vdslot.nl).

Die schönsten Tulpen für den eigenen Garten

 Jetzt im Herbst legen nicht nur weltberühmte Tulpengärten wie der Keukenhof, der jährlich auf über eine Million internationale Besucher zählen kann, die Grundlage für die kommende, farbenprächtige Frühjahrssaison. Auch viele Hobbygärtner schauen, wie sie die neuen Gartentrends in ihre Beete integrieren können. Und bei der reichen Auswahl an wunderschönen Tulpen wird wohl jeder Geschmack bedient. Michel de Bruine, der bereits in seiner Jugend dem Charme der Tulpen erlegen ist, hat aus seiner Leidenschaft für Hollands Nationalblume einen Beruf gemacht. Mit dem neuen Webshop seines Tulip Stores beliefert er Privatpersonen, aber auch Unternehmen aus der Europäischen Union mit qualitativ hochwertigen Spitzensorten niederländischer Tulpen- und Blumenzüchter.

„Meine Leidenschaft für Tulpen hat sich schon früh entwickelt. Es gibt keine andere Blume, die dank so vieler Farben und so vieler Sorten ein größeres Frühlingsgefühl bei Menschen erzeugt als die Tulpe. Schon seit 20 Jahren besuche ich jährlich eine große Zahl von Züchtern in ihren Gärtnereien, um mir ihr Sortiment, insbesondere natürlich die Neuzüchtungen anzusehen und die schönsten und neusten Sorten für meine Kundschaft einzukaufen“, sagt Michel de Bruine.

Seit einigen Jahren hat er in Noordwijk auf dem Gelände der Gärtnerei „Noordwijk Buiten“(www.noordwijkbuiten.nl) einen Show-Garten mit über 250 Sorten Tulpen, Mischungen und anderen Blumenzwiebeln angelegt. „Hier teste ich die Farbwirkung meiner persönlich zusammengestellten Tulpen-Mischungen. Jedes Frühjahr ab 1. April ist der Garten für Besucher geöffnet, die sich persönlich von der Qualität der Tulpen überzeugen können.

Wir arbeiten nur mit der jeweils größten Zwiebelgröße 12/+- bzw. 14/+-, die die schönsten und kräftigsten Blüten hervorbringt“, erklärt der Unternehmer, dessen Blumenzwiebeln zu 100 Prozent sortenecht sind. Viele neue Sorten sind sogar nur exklusiv bei Tulip Store erhältlich wie zum Beispiel die zierliche, violettfarbene „Crown of Negrita“, die reichgefüllte Pastell-Mischung „Candy Frills“ und die neue Papageientulpe „DJ Parrot“. Mehrere Mixe bestehen aus Sorten der selben Familie, wie der prächtige „Tulip Festival Mix“, und blühen daher zur gleichen Zeit. Für eine längere Blütezeit von mindestens 75 Tagen am Stück, eignen sich folgende Mixe: der „Tulip Store 75 Tage Tulpen Mix“ und der „Tulip Store 75 Tage Narzissen Mix“. Diese wunderschönen Mixe bestehen aus 20 unterschiedlichen Sorten.

Neben Tulpen können über den Webshop auch Narzissen, Hyazinthen und weitere Produkte bestellt werden (www.tulipstore.eu).

 


Wer de Bruines Show-Garten besichtigt, der sich nur zehn Autominuten vom Keukenhof entfernt befindet, sollte unbedingt in der Gewächshaus-Teestube der Gärtnerei „Noordwijk Buiten“ ein Päuschen einlegen. Denn dort versorgen Liza Janson und ihre nette Familie die Gäste nicht nur mit Tee und Kaffee sowie leckerem, selbstgebackenen Apfelkuchen, sondern entführen die Besucher auch in die spannende Welt der Gewürzkräuter. Man kann sie probieren und auch kaufen. Die Gärtnerei hat vom 1. April bis 1. November für Besucher geöffnet.

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