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Vom Rhythmus feiner Farbnuancen

© Foto: Martin Bäuml

Wenn die Berliner Künstlerin Bettina Follenius ihre markanten Muschelbilder inszeniert, hat sie jedes Mal das Gefühl, sich selber zusammenzusetzen. Der langsame Entstehungsprozess erfordert Hingabe und Achtsamkeit und führt bei ihr selbst zu innerer Ruhe. Ein wichtiger Aspekt, den die Betrachter ihrer Werke mit der Ausstrahlung der Bilder häufig wahrnehmen.

 An die zehntausend Muschelarten bevölkern heute noch unseren Planeten. Sie kommen sowohl im Salzwasser, Brackwasser als auch Süßwasser vor, von der Arktis und Antarktis bis in die Tropen. In Farbe, Form und Beschaffenheit sind die aus zwei kalkigen Schalen bestehenden Gehäuse der einzelnen Arten sehr unterschiedlich. Weiße und stachlige existieren ebenso wie längliche, schwarze oder glatte Schalen. Der Mensch nutzt Muscheln seit Jahrtausenden als Nahrungsmittel, auch fertigt er daraus Schmuck und Souvenirs.

Die Berliner Künstlerin Bettina Follenius entdeckte die Muschel als faszinierendes Material für ihre ausdrucksstarken Bilder. Schon als Kind liebte sie das Meer und seine mannigfachen Bewohner, ließ ihre Fantasie auf langen Strandspaziergängen von den gestrandeten Schalen der unzähligen Muscheln inspirieren. Und das hat sich bis heute nicht geändert. Noch immer sammelt sie mit Begeisterung Muschelschalen, denn seit nunmehr zwölf Jahren entstehen aus diesen archaischen Fundstücken faszinierende Mosaikbilder. „Jede Muschel ist einzigartig in ihrer Färbung und Form, jede ist ein Kunstwerk für sich. Nicht alle sammele ich selbst, kleine Schneckenhäuser zum Beispiel kaufe ich im Laden und viele Muscheln bekomme ich auch geschenkt“, erzählt die Berlinerin. Von ihrem Atelier in einer Schöneberger Dachwohnung blickt sie über die Dächer der Hauptstadt und direkt in den Himmel. Eine Atmosphäre, die sie vom Alltag loslassen lässt und die Enge der Großstadt vertreibt.

Die studierte Germanistin und ausgebildete Atemtherapeutin, die 13 Jahre als Ausbildungsleiterin am Ilse-Middendorf-Institut in Berlin tätig war, beschäftigt sich seit den 70er Jahren aktiv mit Kunst. Was mit Kollagen, Malerei und Objekten begann, entwickelte sich mit der „Entdeckung der Muschel“ in 1998 zu einem eigenständigen Stil. „Alles begann damit, dass ich einen langweiligen Spiegelrahmen etwas verschönern wollte.

Ich hatte von einem Ostseeurlaub einen Eimer Muscheln mitgebracht und begann den Rahmen damit zu schmücken“, berichtet Bettina Follenius, die sich vor einem Jahr als freischaffende Künstlerin selbständig gemacht hat – ein lang gehegter Traum. Was als Hobby begann, wurde mit den Jahren zur Passion. Die Künstlerin bevorzugt für ihre Arbeit die kleinen, zunächst unscheinbar scheinenden Muscheln. Ihre feinen Nuancen geben den Mosaikbildern Rhythmus, Spannung und Struktur. Sie arbeitet mit sehr einfachen Linien, mit organischen Strukturen sowie der Urform des Kreises. Im Zusammenspiel mit den ungleichmäßigen, unregelmäßigen Formen des natürlichen Materials erhalten die Bilder ihre unvergleichliche Ausstrahlung. Mit den Jahren konnte Bettina Follenius ihre Arbeitstechniken stetig verfeinern.

 Zuerst muss der Untergrund, eine Holzplatte, präpariert werden, auf den die Muscheln und Schneckenhäuser im Anschluss aufgeklebt werden. In die entstehenden Zwischenräume wird mit Farbpigmenten vermischtes Zementpulver eingebracht, welches mit Wasser benetzt wird und einen Tag durchtrocknen muss, bevor der Vorgang drei bis vier Mal wiederholt wird. Diese Technik erlaubt es, Farbverläufe zu inszenieren bzw. die Wirkung des Bildes zu verändern. Die maximale Größe eines Mosaiks beträgt 60 x 60 cm, kleinstes Format ist 40 x 20 cm. Durch Aneinanderreihung von mehreren Mosaiken kann das Gesamtbild beliebig groß werden.

Seit 2001 stellt Bettina Follenius ihre Bilder in verschiedenen Städten in Deutschland aus. Neben ihren eigenen Ideen setzt sie auch Auftragsarbeiten um. Zu ihrer künstlerischen Arbeit hat die sympathische Muschelsammlerin eine eigene Philosophie entwickelt: „Ich genieße das langsame Arbeiten, das die Mosaike erfordern. Es braucht Hingabe und Achtsamkeit und gleichzeitig entwickelt sich in dem ganzen Entstehungsprozess auch Sammlung zu mir selbst und innere Ruhe. Das ist ein wichtiger Aspekt meiner Bilder, den die Betrachter häufig wahrnehmen.“

Das Meer als grandiose Welt geheimnisvollen Lebens inspirierte Bettina Follenius auch zu einer zweiten, völlig anderen Schaffensphase. Seit 2008 widmet sie sich parallel dem „geheimen Leben der Fische“. Skurrile Collagen, die im ersten Moment verwirren, dann jedoch die Fantasie anregen und einladen, selbst Geschichten zu erfinden und weiterzuspinnen. „Die ausdruckslosen Augen der Fische sehen für uns immer etwas erstaunt aus. So als ob sie sich wundern, wo sie da wohl hineingeraten sind“, kommentiert die Künstlerin ihre ungewöhnlichen Werke, die bewusst in kleinen Formaten gehalten sind, um die Spannung zu erhöhen.

Weiter Informationen:
www.BettinaFollenius.de  
www.whitewall.com/BettinaFollenius

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