HIGH LIFE Heft 21 | 2009

© FOTO MERCEDES BENZ

SLR Stirling Moss
350 km/h im Open-Air-Jet

Weder Dach noch Windschutzscheibe trennen Fahrer und Beifahrer beim Genuss einer neuen Hochgeschwindigkeits-faszination im SLR Stirling Moss. Mit seiner langen Haube, den charakteristischen Hutzen sowie nur winzigen Windabweisern interpretiert er den Mythos des 300 SLR auf neue und innovative Weise. Mit seinem 650 PS starken V8-Kompressormotor beschleunigt er in weniger als 3,5 Sekunden von null auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 350 km/h – so offen und gleichzeitig so schnell ist man mit keinem anderen Serienauto unterwegs.

TEXT THOMAS KLOCKE

Drei Buchstaben genügen, um Auto-Fans ins Schwärmen zu bringen: SLR. Den Mythos dieser Buchstabenkombination hat der Rennfahrer Stirling Moss mitbegründet. Moss, der als einer der besten Rennfahrer aller Zeiten gilt, fuhr viele seiner größten Erfolge 1955 auf einem Mercedes-Benz 300 SLR ein. Die Mille Miglia fuhr er in der heute noch gültigen Rekordzeit von zehn Stunden, sieben Minuten und 48 Sekunden mit einem Durchschnittstempo von 157,65 km/h. Aber nicht nur der Brite sammelte Erfolge im Mercedes-Benz 300 SLR. Auch der spätere fünfmalige Formel-1-Weltmeister Juan Manuel Fangio und Karl Kling fuhren den Sportwagen aus Untertürkheim auf Spitzenplätze. Der Meister auf der Rennpiste war damals der 300 SLR. Der Meister des 300 SLR aber war Stirling Moss.

Neuinterpretation der legendären 300 SLR Rennsportwagen
Aus diesem Grund trägt die moderne Neuauflage des legendären SLR den Namenszusatz Stirling Moss völlig zu Recht. Schließlich stellt Mercedes-Benz in Kooperation mit Formel-1-Partner McLaren mit dem neuen SLR Stirling Moss nicht nur eine begeisternde stilistische Neuinterpretation des ehemaligen Dienstwagens des Briten auf die Räder, sondern vereint den Charakter der modernen SLR-Modelle mit der Faszination des SLR von 1955 – übrigens genau 75 Jahre nach dem Erscheinen des ersten Silberpfeils. Der neue SLR Stirling Moss stellt mit seinem ungewöhnlichen Konzept die nachdrücklichste Erinnerung an die ruhmreiche SLRGeschichte aus den 1950er Jahren dar und verbindet die Kernwerte der historischen und der aktuellen SLR-Modelle.

Ganz der Vorgabe des 300 SLR folgend, ist der neue Silberpfeil puristisch ausgestattet unter Verzicht auf Seitenscheiben oder Dach. Vor dem Fahrtwind schützen Fahrer und Beifahrer lediglich zwei wenige Zentimeter hohe Windabweiser. Ihre Rücken decken wie beim 300 SLR in der historischen Mille-Miglia-Ausführung zwei in die Karosserie integrierte Hutzen, die je einen Überrollbügel tragen. Ist der Beifahrerplatz nicht besetzt, kann er – ebenfalls vorbildgetreu – durch ein so genanntes Tonneau Cover abgedeckt werden, um die Aerodynamik weiter zu verbessern. Mit diesem radikalen Konzept unterscheidet sich der neue SLR Stirling Moss optisch deutlich von allen anderen Fahrzeugen, die zur Klasse der Elite-Sportwagen zählen.

 

350 km/h für ganz neue Open-Air-Erfahrungen
Wie die legendären Rennsportfahrzeuge von damals begeistert auch der SLR Stirling Moss durch enorme Leistungsfähigkeit. Mit einer Beschleunigung von null auf 100 in weniger als 3,5 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 350 km/h erschließt der neue puristische Hochleistungssportwagen ganz neue Dimensionen des Offenfahrens. Nicht nur wegen der beeindruckenden Leistungswerte, sondern auch weil die Sinne bei jeder Fahrt mit diesem Speedster mit bislang unbekannter Intensität an gesprochen werden und ein pures Fahrerlebnis vermitteln. Damit ermöglicht das automobile Vollblut eine für ein Straßenfahrzeug wirklich beispiellose Open-Air-Erfahrung.

Muskulöses Heck und lange Haube bestimmen die Silhouette
Die Silhouette des SLR Stirling Moss ist geprägt von zwei Volumina, die sich spannungsvoll durchdringen – die langgestreckte, prominente Motorhaube und das kompakte, muskulöse Heck. Weil auf eine Windschutzscheibe verzichtet wurde, geht der Fahrzeugkörper optisch direkt ins Interieur über und wirkt dadurch betont gestreckt. Damit strahlt der Sportwagen bereits im Stand eine ungeheure Dynamik aus, die den Betrachter unmittelbar in seinen Bann zieht. Weitere markante Merkmale sind zwei Hutzen hinter Fahrer und Beifahrer, die zusätzliche Überrollbügel tragen und ebenfalls Tradition und Moderne vereinen.

Die Kotflügel sind kraftvoll konturiert. Hinter der Vorderachse münden auf beiden Seiten je zwei rhombische Auspuffendrohre. Umgeben sind sie jeweils von einem facettenartig eingelegten schwarzen Lüftungsgitter, das von kräftigen Konturen umfasst wird. Durch diese expressiven Linien entsteht ein spannendes Licht- und Schattenspiel, das den dynamischen Gesamteindruck unterstreicht. Acht Schnellverschlüsse sichern die lange Motorhaube auch bei 350 km/h zuverlässig. Für Wartungsarbeiten kann diese Haube ganz aufgestellt werden, so dass die Mechanik leicht zugänglich ist. Wie beim historischen Vorbild sind auch beim neuen SLR Stirling Moss die seitlichen Schweller sehr hoch. Deswegen entschieden sich die Konstrukteure für Flügeltüren, die nach vorn öffnen. Geschlossen werden kann das Fahrzeug durch zwei Abdeckungen – die so genannten Tonneau Cover –, die im Kofferraum mitgeführt werden können. Sind beide Tonneau Cover und die Türen geschlossen, zeigt der SLR Stirling Moss eine regelrecht skulpturale Anmutung. In diesem Zustand ist das Auto außerdem vor Zugriff von außen gesichert. Die Ansicht des kraftvollen und breit wirkenden Hecks bestimmen die Überrollbügel, ein mächtiger Diffusor sowie schmale, in die Seiten hineinreichende Heckleuchten mit leistungsfähiger LED-Technik. In der aerodynamisch optimierten Abrisskante ist das dritte Bremslicht eingelassen; eine quadratische Nebelschlussleuchte wie in der Formel 1 sitzt im Mittelsteg des Hecks. Wegen des Verzichts auf eine Windschutzscheibe ist der Übergang vom Exterieur zum asymmetrisch gestalteten Interieur fließend – die Karosserie geht über das Plenum direkt ins Armaturenbrett über. Dem puristischen Exterieur des Fahrzeugs entsprechend, ist auch das Interieur auf das Wesentliche reduziert. Einander durchdringende Flächen in Instrumententafel und Türen sorgen für ein spannendes Ambiente und vermitteln Perfektionismus.

Hochwertige und authentische Materialien
Für das Interieur ebenfalls stilprägend ist ein Materialmix aus Carbon, Aluminium und Leder – wertvolle Werkstoffe von hoher Authentizität. Insbesondere die Verarbeitung der belederten Oberflächen ist inspiriert aus dem Motorsport. Die Absteppung der Sitzbezüge leitet sich beispielsweise direkt von dem klassischen Karo-Muster historischer Stoffsitze ab. Die kontrastierenden Leder, das tiefschwarze Nappaleder und das farbige Silver-Arrow-Leder in Verbindung mit den expressiven Doppelkappnähten steigern die Dramaturgie des Interieurs.

Das Ergebnis der aufwändigen Carbon-Technik sind vorbildliche Energie-absorption und damit sehr hohe Insassensicherheit sowie eine für offene Fahrzeuge beispiellose Torsionssteifigkeit. Sie ermöglicht herausragende Fahreigenschaften, wie sie sonst nur geschlossene Supersportwagen bieten. Außerdem ist der SLR Stirling Moss das leichteste Familienmitglied. Mit 1551 kg Leergewicht bringt er rund 200 kg weniger auf die Waage als die anderen SLR-Modelle. Dabei ist der neue SLR bei gleichem Radstand von 2700 mm, der optimalen Geradeauslauf garantiert, 164 mm länger und 7 mm breiter als die anderen SLR-Modelle.

Hochleistungstriebwerk aus der AMG-Motormanufaktur
Das kräftige Herzstück des SLR Stirling Moss ist ein 5,5-Liter-V8-Kompressormotor, der in der Mercedes-AMG Motorenmanufaktur in Affalterbach von Hand montiert wird. Äußerst spontanes Ansprechverhalten auf Gaspedalbewegungen, hohes Drehmoment sowie der unverwechselbare V8-Sound zählen zu den besonderen Stärken des Hochleistungstriebwerks, das mit 478 kW/650 PS und einem Drehmoment von 820 Nm Leistung fast im Überfluss bereitstellt. Damit erreicht der SLR Stirling Moss selbst im Bereich der Highend-Sportwagen herausragende Werte: Den Spurt aus dem Stand auf 100 km/h absolviert er unter 3,5 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 350 km/h. Ungewöhnlich wie das Fahrzeug ist auch seine Entwicklungsgeschichte. Denn bereits in deren Verlauf konnten SLR-Eigner das Fahrzeug beobachten, begleiten und auch Anregungen geben.

Die SLR-Besitzer konnten das neue Spitzenmodell bereits im Mai 2008 als Designmodell beurteilen und es später bei ersten Testfahrten auch live erleben. Der neue SLR Stirling Moss ist ein Auto, das für und vor allem zusammen mit den Kunden gebaut wurde. Die Folge: Praktisch für alle 75 Exemplare des Stirling Moss, die gebaut werden, liegen bereits Reservierungen von Kunden vor. Und auch wer eines der weiteren SLR-Modelle haben möchte, muss sich beeilen. Denn mit dem Stirling Moss geht die SLR-Epoche zu Ende.

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