HIGH LIFE Heft 21 | 2009

Horch, ein Audi
Audi - die Premium-Marke feiert ihren 100. Geburtstag

In diesem Jahr wird die von August Horch am 16. Juli 1909 gegründete Marke Audi 100 Jahre alt. Zum Gründungstag lud das Unternehmen zu einem feierlichen Festakt nach Ingolstadt, bei der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel anwesend war. Die Tradition der Audi AG reicht im Automobil- und Motorenbau bis in das 19. Jahrhundert zurück. Am Anfang der Geschichte stand August Horch, einer der deutschen Pionieringenieure des Automobilbaus. Das Audi-Marken-zeichen der Vier Ringe symbolisiert die Marken Audi, DKW, Horch und Wanderer, die 1932 in der Auto Union zusammengefasst wurden. Im Jahr 2008 verkaufte die Audi AG mehr als eine Million Fahrzeuge und erreichte damit das dreizehnte Rekordjahr in Folge.

TEXT THOMAS KLOCKE

 Als Absolvent des Technikums im sächsischen Mittweida war August Horch zunächst im Motorenbau, später als Abteilungsleiter im Motorwagenbau bei Carl Benz in Mannheim tätig. 1899 machte er sich selbständig und gründete in Köln die Horch & Cie. Motorwagen Werke. 1904 wurde die Firma in  Zwickau in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Nach Differenzen mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat verließ August Horch 1909 das Unternehmen und gründete in Zwickau eine zweite Automobilfirma. Da sein Name bereits vergeben war, wählte er als neuen Firmennamen die lateinische Übersetzung  seines Names: aus „horch!“ wurde „audi!“ In der Folgezeit unterzeichnete August Horch seine Korrespondenz auch gerne mit „Ihr Audi-Horch“. 1914 erfolgte die Umwandlung der Audi Automobilwerke GmbH in eine Aktiengesellschaft. Von Anfang an prägten sportliche Erfolge die Marke Audi. Durch  die Siege bei den österreichischen Alpenfahrten von 1911 bis 1914 gelang es August Horch, den Namen Audi innerhalb weniger Jahre bekannt zu machen.

Erster Linkslenker Deutschlands
1921 überraschte Audi die Fachwelt mit dem neuen Audi 14/50 PS Typ K, dem ersten linksgesteuerten Auto in Deutschland. Damit konzentrierte man sich bei Audi nicht mehr nur auf die Motoren- und Fahrwerkstechnik, sondern schenkte auch den Bereichen Fahrsicherheit und Bedienungsfreundlichkeit immer mehr Beachtung. 1923 folgte der Typ M mit einem Sechszylindermotor, 1927 wurde der erste Audi-Achtzylinderwagen vorgestellt. 1928 übernahm die Zschopauer Motorenwerke/J. S. Rasmussen AG die Aktienmehrheit der Audiwerke AG. Mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise im Oktober 1929 erfolgte ein massiver Einbruch der Verkaufszahlen von großen Wagen mit Sechs- und Achtzylindermotoren. Daraufhin wurde ein kleiner DKW mit Frontantrieb entwickelt, der 1931 mit großem Erfolg auf den Markt kam.

Vier Ringe – der Zusammenschluss
Auf Betreiben der Sächsischen Staatsbank, die ihr Engagement gefährdet sah, schlossen sich am 29. Juni 1932 die Audiwerke, die Horchwerke und die Zschopauer Motorenwerke/J. S. Rasmussen AG zur Auto Unio AG zusammen. Gleichzeitig wurde mit den Wanderer Werken ein Kauf- und Pachtvertrag zur Übernahme der Wanderer Automobilabteilung abgeschlossen. Sitz des neuen Konzerns wurde Chemnitz. Symbol dieses Zusammenschlusses waren die Vier Ringe – bis heute verkörpern sie das Audi-Markenzeichen. Die Auto Union AG war mit ihrer Gründung der zweitgrößte Kraftfahrzeugkonzern in Deutschland. Die Marken-bezeichnungen Audi, DKW, Horch und Wanderer wurden beibehalten. Jede der vier Marken erhielt innerhalb des Konzerns ein spezielles Marktsegment: DKW – Motorräder und Kleinwagen; Wanderer – Automobile der Mittelklasse; Audi – Automobile im gehobenen Mittelklassesegment; Horch – Premiumautomobile der Luxusklasse. Zur Steigerung des Bekanntheitsgrades stieg das junge Unternehmen 1934 in die Königsklasse des Automobilrennsports, den Grand-Prix-Rennsport, ein. In den folgenden Jahren brillierte die Auto Union mit ihren „Silberpfeilen“ durch zahllose Siege, Meisterschaften und Weltrekorde auf den internationalen Rennstrecken.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde die Produktion von Zivilfahrzeugen fast vollständig zurückgefahren und der Konzern auf Rüstungsproduktion umgestellt. Im April 1940 lief das letzte Audi-Automobil vom Band – für ein Vierteljahrhundert das letzte.

 
Eine Erlebniswelt für sich – das Audi Forum in Ingolstadt.

Neustart in Ingolstadt
1945, nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges, wurde die in der Sowjetischen Besatzungszone gelegene Auto Union AG enteignet, die Fabrikanlagen wurden zum Teil demontiert. Führende Mitarbeiter der Auto Union waren bereits bei Kriegsende nach Bayern gegangen, wo Ende 1945 in der alten Garnisonsstadt Ingolstadt ein Depot für Ersatzteile der Auto Union eingerichtet wurde. Hier entstand 1949 mit der Auto Union GmbH eine neue Gesellschaft, welche die Kraftfahrzeugtradition der Vier Ringe fortführte. Zunächst waren es die bewährten DKW-Produkte mit Zweitaktmotoren, die im Zeichen der Vier Ringe wieder gebaut wurden. Diese einfachen, robusten und zuverlässigen Automobile und Motorräder passten am besten in die entbehrungsreiche Zeit der Nachkriegsjahre. Ab 1954 erwarb Friedrick Flick schrittweise große Teile des Gesellschaftskapitals. Seine Strategie war es, mittelfristig einen starken Partner für die Auto Union zu finden. Im April 1958 übernahm die Daimler-Benz AG 88 Prozent der Auto-Union-Geschäftsanteile, im Jahr darauf wurde das Ingolstädter Unternehmen zur 100-prozentigen Tochtergesellschaft.

Die Wiedergeburt der Marke Audi
Das Festhalten am Zweitaktmotor ließ die Verkaufszahlen der DKW zu Beginn der 60er Jahre kontinuierlich sinken. In dieser Situation beauftragte Daimler-Benz den technischen Direktor Ludwig Kraus, einen als „Mitgift“ eingebrachten Vierzylinder- Viertaktmotor für das DKW-Modell F 102 zu adaptieren. 1965 erschien dieses neue Fahrzeug der Auto Union unter der Modellbezeichnung Audi auf dem Markt. Eine neue Ära begann und verlangte nach einer Produktbezeichnung: Der traditionsreiche Name Audi erlebte seine Wiederauferstehung. Der Auto Union „Typ Audi“ wurde intensiv beworben und zu einem vollen Erfolg. Doch auch in anderer Hinsicht begann in Ingolstadt eine neue Ära. Seit 1965 gehört das Ingolstädter Unternehmen zum Volkswagen-Konzern. Eine eigene Fahrzeugentwicklung wurde den Technikern in Ingolstadt von den neuen Hausherren jedoch unter sagt. Geplant war, die Produktionskapazitäten in Ingolstadt für die Fertigung des VW-Käfers zu nutzen. Ludwig Kraus, zu jener Zeit Entwicklungschef, ließ sich jedoch nicht davon abhalten, im Verborgenen ein neues Audi-Modell zu entwickeln. Dieses nachträglich von der Wolfsburger Konzernspitze sanktionierte Modell wurde im November 1968 in Ingolstadt der internationalen Presse vorgestellt. Sein Name: Audi 100, das erste Fahrzeug, das frei von der DKW-Erbmasse war. Hiermit gelang es der Auto Union, die eigene Selbständigkeit zu wahren.

Vorsprung durch Technik
1969 kam es zur Fusion zwischen der Auto Union GmbH und der in Neckarsulm ansässigen NSU Motorenwerke AG. Das neue Unternehmen trug jetzt die Bezeichnung Audi NSU Auto Union AG. Die umfangreiche Palette von Audi- und NSU-Modellen mit sehr unterschiedlichen Motoren und Antriebskonzepten führte 1971 zu einem neuen Werbeslogan, der seither Bestand hat: „Vorsprung durch Technik“. Nachfolger von Ludwig Kraus wurde 1974 Ferdinand Piëch. In seiner Ära vollzog sich der Wandel von Audi zum technisch innovativen Automobilhersteller. Gleichzeitig wurde die schrittweise Höherpositionierung der Marke Audi in Angriff genommen. Der Fünfzylindermotor (1976), Turbotechnik (1979) und der Allradantrieb quattro (1980) sind eindrucksvolle Zeugnisse dieses Erfolges. Unvergessen ist der Werbespot, in dem der rote Audi 100 CS quattro die Pitkävuori-Sprungschanze im finnischen Kaipola bei einer Steigung von 80 Prozent insgesamt 47 Meter hoch fährt. 1985 erfolgte die Umbenennung des Unternehmens von Audi NSU Auto Union AG in Audi AG. Der Firmensitz wurde nach Ingolstadt zurückverlagert. Ein Feuerwerk technischer Innovationen begleitete den weiteren Werdegang von Audi: Vollverzinkte Karosserien, Benzinmotoren mit Abgasturboaufladung, die Entwicklung sparsamer direkt einspritzender Dieselaggregate, Aluminiumkarosserie, erste Hybridfahrzeuge und die Herstellung von Automobilen der Luxusklasse mit Acht- und Zwölfzylindermotoren dokumentieren seither den Aufstieg der Marke Audi zum Premiumhersteller im Automobilbau.

Jubiläumsfeier mit faszinierenden Events
Anlässlich des Jubiläums finden außer dem Festakt am 16. Juli in Ingolstadt zahlreiche Events statt, bei denen die Premiummarke für große Aufmerksamkeit sorgt. Die Besucher des legendären „Festivals of Speed“, bei dem Lord March Anfang Juli auf seinem Schlossgelände in East Sussex wieder Automobilenthusiasten aus aller Welt begrüßte, konnte das „Tafelsilber“ aus dem Audi musuem mobile bewundern: Erstmals wurde der Auto Union Typ C Stromlinie außerhalb des Museums präsentiert, der einzige originalgetreue Nachbau des Weltrekordwagens, den Bernd Rosemeyer 1937 mit über 400 km/h auf einer normalen Straße steuerte. Auch das erste Audi-Motorsportfahrzeug überhaupt, ein Typ C Alpensieger von 1919, konnte bewundert werden, ebenso die Auto-Union-Silberpfeile Typ C (1936) und Typ D (1938), die Audi-Legenden Pikes Peak (1987) sowie die Le-Mans-Sportwagen R8 und R10 nebst den erfolgreichen STW- und DTM-Boliden. Bei der Silvretta Classic, der Ennstal Classic und beim Gran Premio Nuvolari (18. – 20. September) ist Audi ebenso mit am Start wie bei dem historischen Grand Prix in Bern vom 21. – 23. August. Auf der alten Rennstrecke des Großen Preises der Schweiz fährt hier erstmals nach über 70 Jahren wieder ein Auto-Union-Rennwagen Typ C mit. Weiterhin unterstützt die historische Abteilung der Audi AG, die „Audi Tradtion“, die Donau Classic in Ingolstadt, die Heidelberg Historic, die Audi Eastroric in Ungarn sowie die Eifel Classic Rallye am Nürburgring (1. – 3. Oktober) als Hauptsponsor. Selbstverständlich fehlte die Audi AG auch nicht bei der weltgrößten Oldtimermesse, der Techno Classica, in Essen.

Das Markenjubiläum „100 Jahre Audi“ bestimmt selbstverständlich auch die Sonderausstellungen im Audi musuem mobile in Ingolstadt. Ende Juli bis Ende November 2009 zum Beispiel wartet das „Familientreffen“ der Rallyelegenden, jener unvergessenen Zeit der Gruppe B aus den 80er Jahren, auf seine Besucher. Die weltmeisterlichen Audi quattros stoßen hierbei erstmals wieder auf ihre damaligen Konkurrenten – wenn auch nur parkend. Den Abschluss bildet die Sonderausstellung „Familiensilber, die Ära der Grand-Prix-Silberpfeile“ (Ende November bis Ende Februar 2010), die ein eigenes Highlight darstellt, denn in diesem Jahr wird nämlich auch „75 Jahre Silberpfeile“ gefeiert. Sechs Auto- Union-Silberpfeile, so viele wie noch nie zuvor seit den 1930er Jahren, finden hier zusammen. Zu ihnen gesellen sich die einstigen „Brüder und Schwestern“, die Boliden der Kompressor-Ära der 1930er Jahre. Das Audi museum mobile im Audi Forum Ingolstadt ist täglich von Montag bis Sonntag zwischen 9.00 und 18.00 Uhr geöffnet, das August Horch Museum in Zwickau von Dienstag bis Sonntag von 9.30 bis 17.00 Uhr.

Fußballweltstars spielten beim Audi Cup in München
Audi steht für richtungweisende Technologien, innovatives Design und herausragende Sportlichkeit. Entsprechend ausgerichtet ist auch das Engagement der Audi AG als Partner des Sports. Technische Kompetenz, Dynamik und Faszination verbinden zum Beispiel den Wintersport mit Audi. Aus diesem Grund engagieren sich die Ingolstädter als Titelsponsor des FIS Ski World Cups und als Hauptsponsor des Deutschen Skiverbandes. Seit 2008 ist die

Audi AG auch der Titelsponsor des Audi MedCups, der beliebten Regattaserie der schnellsten Segelyachten. Die große Bedeutung der Serie zeigt die Beteiligung: Mehr als 20 Boote der TP52-Klasse aus 14 Nationen gingen 2008 an den Start des Audi MedCups, der in Fachkreisen auch gerne als „kleiner America’s Cup“ bezeichnet wird. Und natürlich ist Audi auch im Fußballsport zu Hause. Mit dem FC Bayern München, Hertha BSC Berlin, dem Hamburger SV, Real Madrid, dem FC Barcelona, dem AC Mailand und Manchester United vertrauen internationale Spitzenmannschaften und zahlreiche Stars auch abseits des Rasens auf das höchste Leistungsvermögen ihrer Audi-Fahrzeuge. Dabei engagiert sich die Premiummarke nicht nur im Spitzensport, sondern auch für den Fußballnachwuchs.

Zur Jubiläumsfeier spielten die Mannschaften Club Atlético Boca Juniors, Manchester United, FC Bayern München sowie AC Mailand in einem zweitägigen Turnier Ende Juli in München um den Titel im Audi Cup. „Wir sind stolz, dass es uns gelungen ist, diese vier Top-Teams für den Audi Cup nach München zu holen. Das Turnier wird ein sportlicher Höhepunkt im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag der Marke Audi“, erklärte Rupert Stadler, Vorsitzender des Vorstands der Audi AG, zuvor die große Bedeutung dieser Turnierpremiere.

  
Das Flaggschiff unter den Luxuslimousinen, der Audi A8 W12 quattro.

Vorsprung durch Technik: die Modellpalette
 Ob Audi A3, Audi A4 Avant, der sportliche Roadster Audi TT, die diversen Audi-SUV, die Oberklassen-Limousine Audi A8 oder der Mittelmotorsportwagen R8 mit dem hochdrehenden V8-FSIMotor und dem permanenten Allradantrieb quattro als Aushängeschild der Marke als Hochleistungssportwagen – kaum ein Auto bauer hat eine so differenzierte und homogene Modellvielfalt anzubieten wie die Audi AG. Die jüngsten Highlights waren der erste Audi-SUV im Mittelklassesegment, der Audi Q5, der sich auf Anhieb an der Spitze des Wettbewerbs etablierte. Eine Reihe innovativer Technologie vermittelt – wie schon im Audi A4 und A5 – dem Fahrerlebnis noch mehr Faszination. Das Regelsystem Audi drive select greift auf diejenigen  Technikkomponenten zu, die das Fahrerlebnis bestimmen. Es beeinflusst die Gasannahme des Motors, die Schaltpunkte der tiptronic und die Servounterstützung der Lenkung. Der Fahrer entscheidet per Tastendruck, ob er betont komfortabel, ausgewogen oder sportlich unterwegs sein möchte. Mit dem neuen A5 Cabriolet ist Audi wieder einmal ein Wurf gelungen. Das Textilverdeck öffnet durch serienmäßige Elektrohydraulik auf Knopfdruck in nur 17 Sekunden. Eine Innovation stellen auch die Ledersitze dar: Eine spezielle Beschichtung verhindert, dass die Lederpolster in der Sonne zu heiß werden, die Nackenheizung hingegen verlängert die Open-air-Saison im Frühjahr oder im Herbst. Auch dem Trend zu kleineren, benzinsparenden Fahrzeugen stellt sich Audi: Auf dem Pariser Autosalon 2008 präsentierte Audi seine Studie des A1. Wie man sieht, ist die Ingolstädter Premium-Automobilschmiede auch für die nächsten 100 Jahre gut gerüstet.

Das Audi museum mobile im Audi Forum Ingolstadt ist täglich von Montag bis Sonntag zwischen 9.00 und 18.00 Uhr geöffnet,
das August Horch Museum in Zwickau
von Dienstag bis Sonntag von 9.30 bis 17.00 Uhr.
Weiter Infos: www.audi.de

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