HIGH LIFE Heft 19 | 2009
EIN SAUBERER „FISCH“
mit Q-Faktor – sQuba
Dreißig Jahre nach dem Agententhriller „Der Spion, der mich liebte“ kommt mit „sQuba“ das erste Auto, das den Unterwasserflug beherrscht.
TEXT: BERND TEICHGRÄBER
„Tauch’ noch mal, James!“ Wenn’s dem Agenten zu heiß wird, taucht er ab. Besonders eindrucksvoll bewerkstelligte dies Roger Moore im Agententhriller „Der Spion, der mich liebte“ von 1977: In einem schnittigen Gefährt geht er auf Tauchstation. Der Haken an der Sache: Die Szene hat nie wirklich stattgefunden. Sie war eine Animation.
Mit dem „sQuba“, dem ersten Tauchauto der Welt, wird nun gut dreißig Jahre später aus dem Film-Fake Wirklichkeit. Dem James-Bond-Fan und Schweizer Autovisionär und Rinspeed-Boss Frank M. Rinderknecht (52), bekannt für seine ausgefallenen Autokreationen, hatte die Filmszene seit Anbeginn nie ruhen lassen: „Seit drei Jahrzehnten stelle ich mir vor, wie es denn gelingen könnte, ein funktionstüchtiges Auto für den Unterwasserflug zu bauen. Nun haben wir den Traum Realität werden lassen.“
Und eben dieser Unterwasserflug in bis zu zehn Metern Tiefe, bei dem das Fahrzeug in einen dauerhaften Schwebezustand gelangt, unterscheidet den „sQuba“ von vor allen Dingen militärischen Vehikeln, die zwar abtauchen können, dann aber behäbig über den Grund rumpeln. Rinderknecht: „Zweifellos ist es schon nicht leicht, ein Auto so wasserdicht und druckresistent zu machen, dass es sich unter Wasser bewegen kann. Die wirkliche Herausforderung war aber, dass sich das Ding wie ein Fisch im Wasser bewegen sollte.“
Selbstverständlich musste es auch ein Sportwagen sein, der in den Werkshallen des Schweizer Engineering-Spezialisten Esoro zum Tauchtraum umgebaut wurde. Gleich als erstes wurde der Verbrennungsmotor herausoperiert und durch gleich mehrere Elektroantriebe ersetzt: Drei Motoren sind im Heck untergebracht. Einer sorgt für Vortrieb zu Lande, zwei treiben die Propeller für die Unterwasserfahrt an. Unterstützt werden sie durch zwei leistungsstarke Seabob-Jetantriebe im Bug, die durch spezielle Drehlamellen von HS Genion (zum Öffnen und Schließen der Wasserzufuhr) „atmen“. Die drehbaren Austrittsdüsen wurden mit Nano-Material – so genannten Carbon-Nano-Tubes – besonders leicht und verwindungsfest gemacht.
„Aus Sicherheitsgründen haben wir den Wagen als offenes Fahrzeug gebaut, damit die Insassen im Notfall schnell aussteigen können. Denn bei einer geschlossenen Kabine würden sie die Türe nicht mehr geöffnet bekommen“, erklärt Frank M. Rinderknecht. Doch Sicherheit ist nicht der einzige Grund für die offene Targa-Bauweise: Bei einem geschlossenen Innenraum von nur zwei Kubikmetern Luft hätte das Fahrzeuggewicht um zwei Tonnen erhöht werden müssen, um dem nicht gewünschten Auftrieb entgegenzuwirken. Damit hätte der „sQuba“ an Land die Beweglichkeit einer Schildkröte gehabt. Somit taucht der „sQuba“ ohne Passagiere selbstständig auf. Selbst an Land findet er dank ausgefeilter Laser-Sensortechnik der Hamburger Firma Ibeo autonom seinen Weg – ohne jegliches Zutun von Fahrer oder Beifahrer. Die ausdauernde Stromversorgung stellen Lithium-Ionen-Akkus sicher. Hierzu Rinderknecht: „Der ‚sQuba‘ ist ein so genanntes ‚zero-emission-car‘ – wie es auch das automatisch drehbare Nummernschild am Heck anzeigt –, denn er produziert keine Abgase. Wir Schweizer gehören zu den Vorreitern bei der Energiegewinnung aus Wasserkraft. Seine Tankstelle ist der Stausee.“ Klar auch, dass am Fahrzeug leuchtstarke und energiesparende LED-Lichttechnologie zum Einsatz kommt. Akzentuierende 3D-Folien-Elemente mit Fisch- und strömungsgünstigen Haifischhautprägungen und -mustern von Wetzel Processing Group und Hornschuch ergänzen zusammen mit Stilelementen von Foliatec ein optisch harmonisches samtmatt-weißes Erscheinungsbild.
Und für den Landgang setzt „sQuba“ auf ein spezielles rostfreies Gewindefahrwerk der KW automotive und großdimensionierte Pirelli-Reifen, die auf speziell gefertigten und leichtgewichtigen 17”- und 18”-Schmiederädern von AEZ aufgezogen sind. Doch in ihrem Element fühlt sich die Flunder erst richtig im Wasser. Damit dies auch auf Pilot und Pilotin zutrifft, gestaltete Strähle + Hess das salzwasserfeste und mit richtigem Perlmutt ausgestattete innovative Interieur mit diamantenbeschichteten rutschfesten Intarsien von KGS Diamond – „diamonds are the girls best friends“ –, welche sonst auf Hightech-Schleifmitteln verwendet werden. Für futuristisches Ambiente sorgen Hightech-Bedieneinheit und Zentralinstrumentierung von VDO, über welche sich sämtliche Funktionen auch leicht unter Wasser steuern lassen. Frank M. Rinderknecht hat mit seinen Partnern – darunter auch der Flottenspezialist Leaseplan – ein wahrhaft außergewöhnliches Gefährt auf die Räder – Entschuldigung, Flossen – gestellt und dabei an alles gedacht. Selbst die eingesetzten Motorex-Schmierstoffe sind durchweg umweltfreundlich, da biologisch abbaubar.
Weitere Info's: www.rinspeed.com
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