HIGH LIFE Heft 17 | 2008
GO HARD OR GO HOME
Ein Portrait des DTM-Champions 2007 Mattias Ekström
Asphalt hinter seinem Audi A4 DTM und lässt das Adrenalin aus seinem Körper weichen. Und mühsam versucht der Schwede, seine Gefühle vor gut 1,6 Millionen Fernsehzuschauern in der ARD in Worte zu fassen. „Ich habe um mein Leben gekämpft“, sagt er erschöpft in das Live-Mikrofon. Und er hat gewonnen. Gegen die Gegner, gegen seine Teamkollegen. Und gegen sich selbst.
TEXT: MARK SCHNEIDER | FOTOS: AUDI
Das vergangene Jahr war das Traumjahr des Mattias Ekström. Und es fand nach dem Triumph in der DTM, schon seinem zweiten nach 2004, sogar noch einen weiteren Höhepunkt: Beim „Race of Champions“, dem Treffen der erfolgreichsten Motorsportler verschiedenster Disziplinen, bezwang der Schwede im Finale Michael Schumacher, sein Idol, sein Vorbild im Motorsport. „Er hat es über viele Jahre geschafft, ein Team um sich zu formen und zu Titeln zu führen. Keine Frage – er ist der Größte“, sagt Ekström. Das freilich hielt ihn nicht davon ab, „den Größten“ vor knapp 50 000 Zuschauer im Londoner Wembley-Stadion auf gleichem Material zu besiegen. Das können bisher nur ganz wenige Menschen von sich behaupten. Wer Mattias Ekström im Winter nach seinen Triumphen erlebt, der lernt einen gelösten und einfach nur glücklichen Menschen kennen. „Von dem Moment an, in dem ich morgens aufwache, habe ich gute Laune“, sagt der 29 Jahre alte Schwede.
Wenn die DTM am 13. April in ihre neue Saison startet, bleibt davon allerdings herzlich wenig. „Einen Punktebonus für den Champion gibt es ja leider nicht“, schmunzelt Ekström. Nur einen schönen Lohn für seine Leistungen wird er eine ganze Saison lang genießen: Endlich hat er seine Lieblingszahl, die Nummer eins, wieder zurück erobert. Auf der Haube seines 460 PS starken Audi A4 DTM.
In ihm musste sich Mattias Ekström in den vergangenen Wochen wieder an den Rennfahrer-Alltag gewöhnen. Die Vorbereitungen auf die Saison seiner Titelverteidigung bestimmen das Leben: Testen bei Nieselregen in Mugello statt Autogrammstunden vor tausend Fans. Fitnesstraining und Laktat-Tests statt Preisverleihungen und Einladungen zu Ehrungen. Modell stehen im Overall für neue Autogrammkarten statt coole Shootings für Partner wie Tag Heuer. Für den Schweden ist das zumindest ein kleineres Problem als für viele andere Piloten um ihn herum: Ekström ist alles andere als ein gewöhnlicher Rennfahrer. Partys, Frauen, Monaco – er bedient keines dieser sonst so gängigen Motorsport-Klischees. Für Mattias Ekström zählen ganz andere Werte.
Die Welt des Mattias Ekström abseits der Rennstrecke ist ein Mix aus Entschleunigung und purer Action. Lange Spaziergänge am Bodensee gehören dazu, mit Lou und Moss, zwei aufgeweckte und scheinbar niemals müde zu spielende Jack-Russel-Terrier. Oder Abende mit Freunden auf der Terrasse vor seiner Wohnung mit einem herrlichen Blick auf den Bodensee. Aber das ist nur die eine Seite, denn allzu oft erliegt Ekström der Sucht nach Geschwindigkeit. Gut, dass er dafür in seiner schwedischen Heimat jede Menge passendes Spielzeug stehen hat: Snowmobil, Quad, Crossmaschine oder ein Audi RS 4 für Drifts auf gefrorenen Seen.
Ekström ist im Rennen ein absoluter Kämpfer, er geht immer ans Limit.
Der Schwede ist auf der Rennstrecke kein Kind von Traurigkeit, ein Kämpfer bis zur letzten Runde, mit allen Wassern gewaschen, immer am Limit, aber so gut wie nie darüber hinaus. Das müssen auch seine ärgsten Rivalen anerkennen. Und das macht Eindruck bei den Fans. Auch bei ganz besonderen: Ferdinand Piëch, Aufsichtsratschef der Volkswagen AG, der Mattias Ekström in einem Brief persönlich gratuliert, hebt einen besonderen Aspekt des Titeljahres hervor: Er würdigt Ekströms Leistung und seinen Titel. Aber er würdigt vor allem, dass Mattias Ekström und die gesamte Audi Mannschaft sich in dieser turbulenten Saison auf der Strecke wie echte sportliche Gentlemen verhalten haben. Das sind Worte, die Mattias Ekström etwas bedeuten, die er lebt: Nicht den Sieg um jeden Preis wollen, sondern fair und mit Stil auch in schwierigsten Situationen und unter dem größten Druck.
Dazu passt auch ein Satz, der Mattias Ekström auf seiner gesamten Karriere begleitet. „Go hard or go home“ steht auf der Rückseite seines Helmes. Der Spruch, der einer Rangelei aus Kindertagen entstammt, ist sein Motto und sein Maßstab zugleich. Es war am Abend vor dem alles entscheidenden Rennen in Hockenheim, als Ekströms Mechaniker sich unter den Audi mit der Startnummer drei legten und als symbolische Geste ihre besten Wünsche für den entscheidenden Tag auf den Unterboden des Autos kritzelten. Einer schrieb: „Now show, how hard you can go“. Das will er auch in diesem Jahr beweisen.
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