HIGH LIFE Heft 15 | 2007
CONCORSO D’ELEGANZA
Villa d'este 2007
Mit strahlender Frühlingssonne setzte die Natur ihre eigenen Brillanzen auf den Concorso d’Eleganza 2007. Der Comer See glitzerte, die wunderschönen Gärten, die Villa d’Este selbst, die Villa Erba erschienen im schönsten Licht – ein faszinierendes Szenenbild wieder für eine der inspiriertesten Auto-Shows der Welt.
TEXT: GÜNTER NED | FOTOS: RENÉ STAUD
So günstig der Himmel Veranstaltern und Publikum gesonnen war, so glanzvoll präsentierten sich die über fünfzig mobilen Schönheiten aus elf Ländern ihren Fans. Spannend wieder die Begegnung zwischen Vergangenheit und Zukunft. Die gab es so nicht, als die Villa d’Este in Cernobbio den Concorso d’Eleganza zum ersten Mal veranstaltete. Das war im Jahr 1929, und damals galt es, die aufregendsten automobilen Neuerscheinungen an den Comer See zu laden. Das blieb so von Ausgabe zu Ausgabe. Heute ist das anders. Wieder treffen sich zwar die Motorsensationen von damals in Como, aber jetzt eben als nostalgische Kostbarkeiten.
Zum neunten Mal unter der
Schirmherrschaft der BMW Group.
Dennoch: 2007 fand der Concorso zum neunten Mal unter der Schirmherrschaft der BMW Group statt, und dieser Partnerschaft ist es zu danken, dass sich seit 2002 in der Villa d’Este nicht nur edelste Vintage Cars ein Stelldichein geben, sondern auch wieder automobile Zukunftvisionen: Die elegante Oldtimer-Schau schmückt sich jetzt Jahr für Jahr mit einem Defilee spektakulärer Prototypen und Concept Cars. Doch natürlich bringen zunächst die Alt-Stars das Publikum zum Schwärmen. Ein besonderes Wiedersehen gab es mit dem „Flying Star“. Unter diesem Namen schrieb eine Spezialkarosserie von Touring, Mailand, geschaffen für den Alfa Romeo 6C 1750 GS, Automobil- und Concorso-Geschichte. Dem Villa-d’Este-Publikum vorgeführt im Baujahr 1931 von der Besitzerin Signora Josette Pozzo, gewann die strahlend weiße 6-Zylinder-Skulptur auf Anhieb den Hauptpreis, die Coppa d’Oro Villa d’Este.
Wie ungetrübt durch den Zeitenlauf so eine kunstvolle Schöpfung die Sinne auch heute erregt, zeigte der Erfolg am 21. und 22. April 2007. Der Alfa Romeo Flying Star gewann wieder, und gleich zweimal: die Trofeo BMW Italia und den Sieg in der Klasse A „The Sport and the Style – Greyhounds of the road“. Ohne Mercedes-Geschichten ist ein Concorso am Comer See selbstverständlich undenkbar. Der Mercedes-Benz 500 aus dem Jahr 1935 etwa durchlief ein wechselvolles Schicksal, bevor er jetzt von Heinz Eyckeler nach perfekter Restauration wieder im Originalzustand präsentiert wurde.
Die Eigner-Riege
glänzte mit viel Prominenz.
Stardesigner und Autonarr Ralph Lauren schickte eine absolute Rarität auf den Parcours, einen Mercedes-Benz SSK aus dem Jahr 1930 mit einer Spezialkarosserie des wenig bekannten englischen Coachbuilders Willi White. Laurens komplett restaurierter Zweisitzer gewann nicht nur den zweitwichtigsten Preis der Konkurrenz, den Trofeo BMW Group (Best of Show by the Jury), sondern auch die Silberplakette für den Sieg in der Klasse C „The power and the beauty – Great European cars of the 30s“. Apropos Ralph Lauren: Die Eigner-Riege glänzte auch neben ihm mit viel Prominenz. Norberto Ferretti, Gründer und Präsident der gleichnamigen Yachtbau-Gruppe, berühmt mit seinen Rennsiegen auf dem Wasser, machte zu Land Bella Figura mit jenem Ferrari 860 Monza, gebaut 1956, mit dem Juan Manuel Fangio im gleichen Jahr das Sebring-12-Stunden-Rennen von Florida gewann. Brillant auch der Auftritt von Stefan Schörghuber, dem Besitzer der Arabella Hotels. Er präsentierte einen traumhaft schönen Rolls-Royce. Der Zweisitzer ist ein Einzelstück, von Hooper 1932 handgefertigt auf einem Phantom-II-Continental-Chassis. Niemand wunderte sich, dass Rolls-Royce-Afficionado Schörghuber damit den Trofeo Rolls-Royce (To the most elegant Rolls-Royce by the Jury) holte.
Die Schöpfungen von damals erregen noch heute die Sinne,
ungetrübt vom Zeitenlauf.
Und so könnte man weiter schwärmen, vom kalifornischen Aston-Martin-Liebhaber Peter Read, dem man die Präsenz eines DB4 GT, 1961, im Zagato-Design verdankte (Klassensieg G „A world of prestige – Outstanding automobiles from different countries“), oder vom Delahay 135 MS, Baujahr 1939, im typischen Design von Hermann Graber, und natürlich von den Top-Siegern. Die wichtigsten Preise in beiden Kategorien, die Coppa d’Oro Villa d’Este für die historischen Modelle und der „Concorso d’Eleganza Design Award for Concept Cars & Prototypes“, werden per Referendum vom Publikum vergeben. Coppa-d’Oro-Sieger 2007 wurde ein Bugatti 57 C, 1939, mit faszinierender Historie. Nur eine Andeutung: 1961 wurden Chassis und die aerodynamisch exzellente Roadster-Karosserie (Voll & Ruhrbeck) voneinander getrennt und gingen separate Wege. Besitzer James Patterson (USA) sorgte für eine Wiedervereinigung und damit für den verdienten Coppa-d’Oro-Triumph 2007. Bei den Concept Cars siegte ein schon passionierter Teilnehmer des Concorso d’Eleganza, James M. Glickenhaus. Er trug den Design Award für seinen Ferrari P4/5 Pininfarina, 2006, davon. Pininfarina machte für den New Yorker Filmproduzenten und Börsen-Guru einen Ferrari Enzo durch eine atemberaubende Spezialkarosserie zum kostbaren Einzelstück.
Nostalgiker und Visionäre
feiern ein Festival automobiler Ästhetik.
Überhaupt bewährte sich die Concept-Car-Show auch in diesem Jahr als Laufsteg für Spitzendesigner. In Giugaros zweisitzigem Flügeltürer VAD.HO, 2007, nehmen Pilot und Beifahrer hintereinander Platz. Andrea Zagato brachte seinen Maserati GS Zagato in der Villa d’Este zur Weltpremiere. Außer Konkurrenz zog Rolls-Royce-Designer Ian Cameron Augen und Kameras mit der Serienversion des Phantom Drophead Coupé auf sich (vor drei Jahren als Experimental Car zu Gast in der Villa d’Este) – Nostalgiker und Visionäre feierten beim Concorso d’Eleganza 2007 ein Festival automobiler Ästhetik.

Bei der Parade: Ferretti-Präsident Norberto Ferretti mit seinem Ferrari 860 Monza, 1956.
Nostalgiker und Visionäre feiern ein Festival automobiler Ästhetik. www.concorsodeleganzavilladeste.com
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