HIGH LIFE Heft 14 | 2007
PIERCE BROSNAN
Vom Meisterspion zum Westernhelden
Pierce Brosnan spricht über seinen Film „Seraphim Falls“, den Abschied von James Bond und wie er zum zweiten Mal im Leben die Liebe gefunden hat.
TEXT: Bruno Lester/IFA | FOTOS: Getty Images
Mit seinem Bart und den langen Haaren, die er sich für „Seraphim Falls“ zugelegt hat, passt Pierce Brosnan so gar nicht mehr in das smarte James-Bond-Image. „The Matador“, sein erster Film nach der Bond-Ära, der ihm gleich eine Golden-Globe-Nominierung in der Kategorie „Best Actor – Comedy“ einbrachte, kennzeichnet den Bruch mit seiner 007-Vergangenheit. Fortan möchte er nicht mehr auf eine Rolle festgelegt sein, sondern verschiedenste Genres ausprobieren. In seiner nächsten Rolle im Thriller „Butterfly on a Wheel“ spielt Brosnan einen Entführer, der versucht, Lösegeld für ein Kind zu erpressen. Dann gibt er noch mal Vollgas für das Drama nach dem Kinderbuch „The True Confessions of Charlotte Doyle“.
Natürlich hat der in Irland geborene Schauspieler während seiner langjährigen Karriere mehr gespielt als nur den berühmten Geheimagenten im Dienste Ihrer Majestät. So überzeugte er in „Die Thomas Crown Affäre“ als reicher Kunstdieb und in „Der Schneider von Panama“ als korrupter britischer Spion. Nach seinem neuen Projekt „Seraphim Falls“ wird man diesen James Bond allerdings wohl mit anderen Augen sehen. Der düstere, blutrünstige Western spielt kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Brosnan verkörpert darin die Rolle des Gejagten, und Liam Neeson spielt den Mann, der ihn um jeden Preis finden und töten will. Zu den weiteren Darstellern gehört auch Anjelica Huston.
Geboren ist der 53-jährige, ehemalige „Sexiest Man Alive“ (nach dem US-amerikanischen „People Magazine“) in der Grafschaft Meath. Seine schauspielerische Laufbahn begann er jedoch in Amerika (fünf Jahre lang spielte er in der TV-Serie „Remington Steele“), bevor ihn insgesamt vier Bond-Filme in die Liga der Hollywood-Superstars katapultierten. Zudem ging er unter die Filmemacher und gründete mit „Irish Dream Time“ eine eigene erfolgreiche Produktionsgesellschaft. Umwerfend gut aussehend und tadellos gekleidet (schwarzes Hemd und braunes Jackett) erscheint der smarte Ire zum Interview während des Toronto Film Festivals, bei dem er Werbung für seinen Film „Seraphim Falls“ macht. Dieser höfliche, unkomplizierte Typ, der mit seiner zweiten Frau Keely und den Söhnen Dylan, 9, und Paris, 5, im kalifornischen Malibu lebt, trägt sein Gepäck selbst und begrüßt uns mit festem Handschlag.
Wie fanden Sie es, den Film „Seraphim Falls“ zu machen?
Ich wollte schon immer einen Western machen, denn damit bin ich aufgewachsen. Clint Eastwood war einer meiner Lieblingshelden und John-Ford-Western standen schon immer auf meiner Wunschliste. Ich war begeistert vom Drehbuch und dass Liam (Neeson) mit im Boot war, hat mich besonders gefreut. Wir kennen uns schon so lange, aber haben noch nie zusammen gearbeitet. Und ich hatte von (Regisseur) David Von Ancken „Bullet In The Brain“ gesehen, wirklich großes Haiku-Kino. Dann drehten wir noch in Santa Fe. Es stimmten einfach alle Elemente.
Was hat Sie an der Story gereizt?
Es ist eine einfache Story, aber eingebettet in sehr komplexe Fragestellungen über Sinn und Sinnlosigkeit des Krieges. Und der Film erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem Verwirrung und Wut und die Lügen und Ausreden der US-Regierung uns auf einen sehr düsteren Weg gebracht haben, den wir nicht eingeschlagen hätten, wenn wir vorsichtiger gewesen wären und mehr Mitgefühl und Respekt für andere Länder gezeigt hätten.
Ist diese Rolle eine bewusste Demontage Ihres Bond-Images?
Nein, so sehe ich das nicht. Die Jahre als 007 waren fantastisch, aber eben nur ein Teil meiner langjährigen Karriere. Die Bond-Phase ist jetzt vorbei. Als man Ihnen als Bond den Laufpass gegeben hat, schienen Sie enttäuscht zu sein. Es war enttäuschend. Aber nachdem ich 24 Stunden in einer Art Schockzustand zugebracht hatte, war ich plötzlich völlig ruhig. Ich dachte, jetzt kann ich alles machen, wozu ich Lust habe. Ich bin weder denen noch irgendjemand sonst verpflichtet. Ich muss nicht mehr ein vertragliches Image erfüllen. Es war also fast wie eine Art Befreiung. Heute bin ich einfach wahnsinnig stolz, bei so einem fantastischen Franchise mitgemacht zu haben, das ja dank dem großartigen Daniel Craig jetzt fortgesetzt wird.
Was halten Sie von Daniel Craig in seiner Rolle als James Bond?
Er war eine interessante Wahl und ist ein erfahrener und toller Schauspieler. Ich wünsche ihm für die nächsten Jahre viel Erfolg und Zufriedenheit mit der Rolle.
Was befriedigt Sie bei Ihrer Arbeit als Schauspieler?
Die tägliche Arbeit am Set ist für mich eine echte Befriedigung. Nach Hause zu kommen und sagen zu können: „Die Szene ist im Kasten.“ ... Denn wenn der Film erst mal herauskommt, hat man keinen Einfluss mehr darauf. Wenn er toll ist, ist es ein tolles Gefühl! Und wenn er schlecht ist, tut es weh – unsäglich. Man muss damit leben.
Welchen Film würden Sie gern als nächstes machen?
Ich würde für mein Leben gern eine durch und durch romantische Komödie drehen. „Die Thomas Crown Affäre“ kam dem am nächsten, und wir planen gerade ein Sequel. Am liebsten würde ich gern alles machen, Dramen, Komödien, Horrorfilme, Science Fiction, Musicals ...
Wie sieht Ihr Lebensstil aus?
Ich habe eigentlich ein ziemlich konservatives Leben (in Malibu, Kalifornien). Ich wäre gern ein bisschen flippiger. Ich hab es versucht, aber es ist so anstrengend und langweilig. Wie weiß man, ob man sich tatsächlich verliebt hat? Man fühlt es und weiß sofort, das ist das Richtige. Ich habe sehr viel Glück gehabt. Ich habe die wahre Liebe kennengelernt. Die große Liebe, zweimal.
Glauben Sie, dass man Sie für den Rest Ihres Lebens mit James Bond
in Verbindung bringen wird?
Ja, ich bleibe 007, bis ich umfalle, so oder so, genau wie Sean (Connery) und Roger (Moore).
Die vollständige Interview lesen Sie in der HIGH LIFE Ausgabe Heft 14.
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