HIGH LIFE Heft 14 | 2007

© FOTO: Mathias Schrump

HEINER MEYER
Der Bielefelder Maler im HIGH LIFE-Interview

 Vor eineinhalb Jahren schaffte Heiner Meyer den Sprung über den großen Teich. Zur Vernissage kam die Crème de la Crème der New Yorker Kunstszene, immer wieder hörte man begeisterte Stimmen: That’s a new kind of pop-art! Das ist eine neue Sichtweise der Pop-Art! Kunstwissenschaftler wieder fassen den Bielefelder Maler gern als Puppenspieler der Postmoderne auf – sein Werk ist vieldeutig, glamourös, artistisch, hintergründig. Mit seinen Malereien und Plastiken startete er in den 80er Jahren eine eigenwillige Rezeption antiker Skulpturen und Architektur, Überschreib-ungen und Übermalungen wurden dabei schnell zum signifikanten Stilmittel. Heute sind seine Hauptmotive Leinwandgöttinnen und Showstars, dazu die ganze Ikono-graphie der Pop-Art-Ära, und immer wieder Kurzschlüsse mit aktuellen und antiken Symbolwelten. Heiner Meyer designte Hotelzimmer; in Gießen baut man eine neue Kunsthalle, sie wird mit seinen Werken eröffnet; er begleitet seine Malerei ständig mit eindringlichen plastischen Arbeiten. Der in Bielefeld geborene und aufgewachsene Künstler hat sein Atelier am Siegfriedplatz im trendigen Bielefelder Westen. Seine Ausstellungen sind in der Regel ausverkauft, so zuletzt in München und Palm Beach. HIGH LIFE sprach mit Heiner Meyer über seine Arbeitsmethode, seine Inspirationen, über Salvador Dalí, Croupiers und doppelte Böden.

TEXT UND INTERVIEW Günter Ned | FOTOS Mathias Schrump

Herr Meyer, Sie haben in den siebziger Jahren Salvador Dalí kennengelernt, haben in seinem Haus in Spanien gewohnt, zusammen mit ihm in seinem Atelier gearbeitet. Was konnten Sie vom großen Meister des Surrealismus lernen?

Dalí hat mir damals gesagt: Probier nicht, ein Jahrhundertbild zu malen. Probier erst mal, richtig zeichnen zu lernen. Und er hat mir dann so ein spanisches Weißbrot hingelegt, einfach aufgebrochen, und hat gesagt: Das zeichnest du jetzt, und unter zehn Stunden kann das gar nichts sein. Wenn du überhaupt irgendwann mal was machen willst, dann beschäftige dich mit den Grundlagen, das ist schwer genug.

 Wenn ich hier auf die Staffelei schaue, das Bild, an dem Sie offensichtlich gerade malen, versteh ich wohl, was Sie meinen. Ich sehe da rechts eine leicht bekleidete, wunderschöne Frau, links daneben eine 50er-Jahre-Kommode, beides völlig realistisch gemalt, sonst nichts. Wenn man Ihre fertigen Bilder kennt, komplexe, farbenfrohe, vielteilige Kompositionen aus Schriften und ganz realistisch dargestellten Motiven, die aber selten ganz sind, meistens Detail bleiben, oft überdeckt von anderen, dann dürfte sich auf dieser Leinwand noch einiges ändern.

Die Bilder entwickeln sich. Es kann sein – na ja, die Christina Aguilera wird schon stehen bleiben, aber so ein Bild kann zwischendurch völlig anders aussehen, große Partien verschwinden wieder, die aber komplett durchgemalt sind. Es kann sein, dass eine Sache, die in einer Stunde entsteht, auch so im fertigen Bild zu sehen ist. Es passiert aber auch, dass ich eine Stelle übermale, an der ich zuvor eine Woche gearbeitet habe. Für mich ist jedes Bild ein Abenteuer. Ich weiß anfangs überhaupt nicht, worauf ich mich einlasse und was am Ende, nach einem Monat oder anderthalb, dabei rauskommt.

... Casino Royal 2006: ein halber Bentley ist darauf zu sehen, von einer Frau nur die bestrumpften Beine, mit den Pumps steht sie auf dem Segment einer Rouletteschüssel, ein Jet hebt ab, man sieht nur ein Triebwerk und eine Tragfläche, riesige Würfel tanzen drauf ...

... richtig, und daraufhin ruft mich ein Mann aus Hamburg an und fragt mich: Wie können Sie dieses Bild malen? Sag ich: Wieso, wie kann ich ... ? Sagt er: Sie haben mein Leben gemalt! Sag ich: Wie, ich hab ihr Leben gemalt? Ja, sagt er, ich hatte einen verschlungenen Lebensweg, hab früher mal mein Geld als Croupier verdient, hab jetzt eine eigene gutgehende Firma, bin ständig im Flieger, hab eine Frau, die genauso schöne Beine hat wie auf dem Bild und fahr einen Bentley. Sag ich: Ja, herzlichen Glückwunsch! – Das Bild war allerdings schon verkauft.

 TIPP
Vertreten wird er unter anderem von folgenden Galerien:
:: Galerie Terminus, München
:: Galerie Eikelmann, Düsseldorf
:: Kunst Club, Hamburg
:: Die Galerie, Frankfurt
:: Galerie Ranalter, Innsbruck
:: Modenarte, Modena / Boca Raton
:: The Hart Gallery, Palm Desert

Heiner Meyers Biographie, sein malerisches und plastisches Werk, seine Ausstellungen und die Rezeption sind sehr gut einzusehen auf der Homepage www.heiner-meyer.com.

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