HIGH LIFE Heft 12 | 2006

© DEBRA HURFORD BROWN, CAMERA PRESS, PICTUREPRESS

UNDERSTATEMENT, STIL, ARMANI
Stella McCartney interviewt den Modeschöpfer und Milliardär Giorgio Armani

Er hat die Mode mit seinem puristischen, bequem zu tragenden, eleganten, zeitlos klassischen Design revolutioniert. Ohne je eine Modeschule besucht zu haben, prägt der Autodidakt Giorgio Armani inzwischen das Stilgefühl zweier Jahrhunderte. Die ambitionierte britische Fashion-Designerin Stella McCartney (sie lehnt als aktive Tierschützerin Materialien wie Leder und Pelze ab) bat den Mailänder Modezaren zum Interview.

INTERVIEW: IFA AMSTERDAM |TEXT: GÜNTER NED

SIE IST DER SCHILLERNDE JUNGE STAR, DER ALLE REGELN BRICHT. ER IST DER GROSSMEISTER, DER DAS WELTWEITE MODEGEFÜHL MASSGEBLICH BEEINFLUSST. IN DIESEM SELTENEN INTERVIEW BEFRAGT STELLA MCCARTNEY GIORGIO ARMANI ZU PELZEN, MODE UND FILM – UND WARUM RED SEINE NEUE LIEBLINGSFARBE IST. DIESER ARTIKEL DES GASTAUTORS BONO STAMMT AUS DER (RED) AUSGABE DES „THE INDEPENDENT“ VOM 16. MAI 2006. DIE HÄLFTE DER EINNAHMEN AUS DIESER AUSGABE WIRD DER WELTWEITEN AIDS-STIFTUNG (GLOBAL FUND TO FIGHT AIDS) GESPENDET.

Welches ist Ihre erste Erinnerung an Mode?

Meine Mutter trug die besten Kleider, die immer schlicht, aber so elegant und raffiniert waren.

Wie haben Ihre Mutter und Ihr Vater Ihren Stil beeinflusst?

Meine Mutter war der Hauptgrund dafür, dass ich ein Interesse für Mode entwickelte. Obwohl wir im Italien der Nachkriegszeit aufwuchsen und sehr arm waren, achtete sie immer darauf, dass mein Bruder, meine Schwester und ich makellos gekleidet waren. Sie selbst war von Haus aus eine elegante Frau. Ich habe meine Yacht zur Erinnerung an meine Mutter „Mariu“ – was dem Namen „Maria“ im süditalienischen Dialekt entspricht – getauft.

Gab es einen bestimmten Moment, in dem Sie erkannten, dass Sie Designer werden wollten?

Es gab nicht wirklich einen bestimmten Moment. Es war vielmehr ein schrittweiser Prozess des Erkennens. Ich studierte Medizin, erkannte jedoch schnell, dass ich dafür nicht geeignet war. Zu dieser Zeit begann ich mich für Fotografie zu interessieren. Eines Tages ging ich mit einigen Aufnahmen, die ich von meiner Schwester gemacht hatte, zu einem Treffen mit einer Frau in Mailands feinstem Kaufhaus, dem „La Rinascente“, um zu versuchen, diese Bilder zu verkaufen. Sie kaufte einige der Bilder und bot mir eine Stelle als Schaufenster-Dekorateur an. Ich brach mein Studium ab und nahm diese Stelle an. Ich glaube, zu dieser Zeit begann ich zum ersten Mal, mich mit Mode zu beschäftigen.

Die Modebranche ist ein Symbol des Kapitalismus. Kann Mode politisch korrekt sein?

Die Tatsache, dass wir in der westlichen Welt in einer kapitalistischen Gesellschaft leben, bedeutet nicht, dass wir uns bei unserer Arbeit nicht von sozialem Bewusstsein leiten lassen können. Natürlich braucht Mode-Design Konsumenten, die kaufen, aber wir können unseren Beitrag zur Gesellschaft leisten, indem wir unsere Unternehmen in sozial verantwortlicher Weise führen und Produkte kreieren, die Respekt für soziale und Umweltaspekte fördern. Außerdem können Macht und Einflussreichtum auch treibende Kräfte für Veränderungen sein.

Warum engagieren Sie sich besonders für RED/The Global Fund?

Ich bewundere Bonos und Bobby Shrivers Leidenschaft und Energie im Einsatz für soziale Themen schon seit langem. Als sie mir ihre wirkungsvolle und doch so einfache Idee hinter RED beschrieben, war ich sofort begeistert. Es ist ohne Frage eine Initiative, die Neuland beschreitet. Die Vereinigung weltweit erfolgreicher und bekannter Marken für einen guten Zweck ist ein ebenso mächtiges wie ernüchterndes Konzept, das nur mit der Überzeugungskraft von Personen wie Bono oder Bobby zum Erfolg geführt werden kann.

 Sie arbeiten bereits seit vielen Jahren. Wie haben sich Ihre Inspirationen seit den Anfängen verändert?

Meine Inspirationsquellen sind dieselben geblieben – Reisen, Filme, Bücher, Musik und Kunst – im Wesentlichen die Kultur, die mich umgibt. Doch je älter ich wurde, desto mehr erkannte ich, wie sehr mich Menschen faszinieren und inspirieren. Ich liebe es, Menschen zu beobachten (Menschen, die ich kenne und Menschen, die ich nicht kenne) und ihr Verhalten, ihre Ausdrucksweise, die Art wie sie gehen und ihre Körperhaltung zu studieren. Der Charakter der Menschen ist das zentrale Thema, auf dem meine Kreationen aufbauen. Ich bin der Ansicht, dass die Kleidung die Persönlichkeit eines Menschen unterstreichen und nicht überdecken sollte.

 

» Meine Inspirationsquellen sind dieselben geblieben
– Reisen, Filme, Bücher, Musik und Kunst –
im Wesentlichen die Kultur, die mich umgibt. «

 

Hat es Sie begeistert, die englische Nationalmannschaft für die WM einkleiden zu dürfen?

Ich genieße es bereits seit vielen Jahren, Fußball-Stars einzukleiden. Sie sind in vieler Hinsicht die Gladiatoren unserer Tage. Sie sind sowohl auf dem Spielfeld als auch außerhalb zu Ikonen geworden. Für einen Designer ist es immer gut, etwas Neues auszuprobieren, und ich habe es besonders genossen, diese hoch entwickelten und gut ausgebildeten Körper einzukleiden.

Macht Ruhm Sie glücklich? Und wie schützen Sie Ihr Privatleben?

Ich lebe gerne sehr zurückgezogen, so dass die Rolle, die ich manchmal spielen muss, wenn ich an Veranstaltungen und Parties teilnehme oder Interviews geben muss, nicht immer angenehm für mich ist. Doch es ist Teil meines Berufs und es steht mir nicht zu, mich darüber zu beschweren. Es ist ein Beruf, den ich gerne ausübe, und wenn dies der Preis für Anerkennung ist, zahle ich ihn gerne.Ich würde nicht sagen, dass ich mein Privatleben schütze. Ich versuche nur, mein Leben so normal wie möglich zu leben. Yves Saint Laurent sagte einmal, er wünschte, er hätte die Jeans erfunden.

 Gibt es ein Kleidungsstück, das Sie gerne erfunden hätten?

Ich glaube es wäre großartig gewesen, so etwas Klassisches und Dauerhaftes wie den Tuxedo erfunden zu haben. Wenn es jedoch um Lizenzgebühren geht, hätte ich am liebsten den Korkenzieher erfunden.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Ich glaube, darauf, dass ich eine Entwicklung eingeleitet habe, die den Komfort der Kleidung in den Vordergrund stellt, und dies zu einer Zeit, als Kleidung noch auf eine altmodische und starre Weise produziert wurde.

Langweilt Mode Sie manchmal?

Nur wenn sie schlecht ist!

» Das Geld für die Gründung unserer Firma
stammt aus dem Verkauf meines VW-Käfers.
Und wir haben es tatsächlich geschafft! 
Heutzutage wäre  so etwas kaum noch möglich. «
 

 

Das vollständige Interview lesen Sie im HIGH LIFE Magazin Heft 12.

Die aktuelle HIGH LIFE Ausgabe 2/2006, Heft 12, erhalten Sie in unserem Online-Shop, einfach auswählen und bestellen, oder genießen Sie HIGH LIFE dreimal im Jahr im kostengünstigen Abonnement frei Haus.

ANZEIGE

Die neuen Apps

Alle Apps in der Übersicht:
Die neuen » Lifestyle-Apps aus dem Klocke Verlag

Jetzt neu: Kindle Editions
Unsere eBooks als Kindle Editions » Alle Infos...

AUSZEIT FÜR GENIESSER

Bildbände zum Träumen, Verschenken und Genießen

Unsere wertvoll produzierten Bildbände, die bereits beim Lesen zum Träumen einladen, sind außergewöhnliche Präsente mit denen man lange in Erinnerung bleibt. 
» Unser exklusives Angebot ...