HIGH LIFE Heft 12 | 2006
ÜBER LAGUNEN SCHWEBEN
Die ersten Overwater-Bungalows, die auf ihren hölzernen Pfählen über türkisschimmernden Lagunen schwebten, entstanden auf Moorea in Französisch-Polynesien, sie verkörperten einst die Einzigartigkeit und den Inbegriff der Südsee. Mittlerweile gibt es überall in den warmen Weltmeeren Überwasserdörfer, ganze Labyrinthe aus Stelzen sind entstanden. Die schönsten Hotels, die auf Bora Bora, auf den Malediven und den Seychellen zur kompletten Glückseligkeit einladen, hat der renommierte Reiseautor Heinz Horrmann für Sie zusammengestellt.
TEXT: HEINZ HORRMANN,
FOTOS: KLAUS LORKE, YDO SOL, HILTON RANGALI ISLAND
SO FRIEDVOLL UND JUNGFRÄULICH muss unsere Welt am ersten Tag der Schöpfungsgeschichte gewesen sein, eine Ewigkeit bevor wir den Planeten befingert und entstellt haben, lange noch vor dem ersten Sündenfall. So und nicht anders muss unsere Welt ausgesehen haben: unbeschreiblich majestätisch, von göttlicher Perfektion wie Bora Bora, diese wohl proportionierte Inselschöne mit dem weißen Gürtel aus Korallen und dem sanften Wimpernschlag des Ozeans. Wer auf der Holzterrasse eines Overwater-Bungalows sitzt, in stiller Andacht auf das spiegelglatte Wasser schaut und sich dem Gefühl hingibt, über der Lagune zu schweben, erlebt die wohl schönste Seite des Hotellebens.
Jahrzehntelang war dieses Erlebnis nur in Französisch-Polynesien, kurz, Tahiti genannt, zu genießen,beispielsweise im Hotel Bora Bora, heute auch im Bora Bora Lagoon oder Inter-Continental Beachcomber Resort. Hier wird das Farbenspiel des Wassers direkt im Himmel inszeniert. Die Töne wechseln von durchscheinendem Opal und Perlmutt bis Silber mit einem winzigen Schuss Türkis. Mantas, Meerestiere mit mächtigen Schwingen, ziehen vorbei. Ganz weit draußen, wo der Horizont die Lagune küsst, schwebt ein Dunstschleier über der Naturbühne.
Morgens in aller Frühe, wenn die Sonne noch ohne Kraft ist, scheint die Lagune bleigrau, im Tagesverlauf wechselt der Ton zu zartem Oliv und wird immer heller. Am Abend spiegelt sich der Sonnenuntergang in der Lagune. Die dunklen Wedel einer schräg ins Meer hinausragenden Palme wirken wie ein Scherenschnitt. Aus der Distanz neigen wir dazu, das alles als Postkartenkitsch abzutun – es ist die Wahrheit von Bora Bora.
Ich höre schon diejenigen „Einspruch“ nörgeln, die nicht das Talent haben, ungetrübtes Glück für den Moment genießen zu können. Glückskinder haben sich den Wahlspruch zu Eigen gemacht, wonach harte Arbeit und totaler Genuss kein Widerspruch sein muss. Da das Außergewöhnliche nie lange exklusiv bleibt, gibt es inzwischen überall in den warmen Weltmeeren Überwasserdörfer, ganze Labyrinthe aus Stelzen sind gewachsen, alle mit der gemeinsamen Verheißung: Glückseligkeit. Im Indischen Ozean wurde die Auswahl besonders vielschichtig, zum Glück nicht nur im absoluten Hochpreisbereich.
Wie alles entstand? Eine der unglaublichen Geschichten, die das Leben so schreibt. Drei verrückte Kalifornier hatten zu Beginn der 60er Jahre einen Ideen-Wettbewerb um eine Flasche Champagner ausgetragen. Thema: Wie lässt sich polynesische Phantasie am schönsten realisieren? Einer von ihnen zimmerte ein Gestell aus Holzstelzen, verankerte es im Wasser der Lagune von Moorea und montierte eine Hütte obenauf. Ein Haus mit einem verglasten Loch im Fußboden, um die Unterwasserwelt von der Couch aus zu erleben. Bingo, das war ein Griff ans Herz. Er gewann die Flasche perlender Lebensfreude und die Romantiker dieser kalt gewordenen Welt die zauberhafteste Form des Hotellebens. Daraus entstand damals das Resort „Bali Hai“. Wir stellen also fest: Aus der Schnapsidee der ,crazy boys‘ von einst wurde der Inbegriff der Südsee.
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