HIGH LIFE Heft 11 | 2006

© FOTO Klaus Lorke

ICH BRAUCHE SPANNUNG, um in Bewegung zu bleiben
Ein Interview mit dem Schauspieler Heino Ferch

Heino Ferch zählt zu den Großen des Deutschen Films. Seine Vielseitigkeit, eine geradezu ungezügelte Neugier, die ungebrochene Lust am Umgang mit Grenzsituationen und der Spaß an der Kameraarbeit beschweren ihm immer wieder faszinierende, herausragende Rollen.

INTERVIEW VON GUNDULA LUIG-RUNGE FOTOS: KLAUS LORKE

SEIT FAST ZWANZIG JAHREN IST BERLIN DIE WAHLHEIMAT DES GEBÜRTIGEN NORDLICHTS HEINO FERCH. DER KAPITÄNSSOHN AUS BREMERHAVEN HAT IN DER SPREEMETROPOLE DEN GRUNDSTEIN FÜR SEINE STEILE THEATER- UND SPÄTERE FILMKARRIERE GELEGT. KINOFILME WIE DER „WINTER-SCHLÄFER“, „DER UNHOLD“, „MARLENE“ ODER „COMEDIAN HARMONISTS“ BEGLEITEN SEINEN WEG AN DIE SPITZE DER DEUTSCHEN SCHAUSPIEL-ELITE EBENSO WIE ZAHLREICHE FERNSEHPRODUKTIONEN, DARUNTER „DER TUNNEL“, „DAS WUNDER VON LENGEDE“ UND „DIE LUFTBRÜCKE – NUR DER HIMMEL WAR FREI“. FERCHS VIELSEITIGKEIT, SEIN SOUVERÄNES KÖNNEN UND DIE GABE, SICH BERUFLICH NICHT IN EINE RICHTUNG DRÄNGEN ZU LASSEN, MACHEN IHN DERZEIT ZU EINEM DER GEFRAGTESTEN AKTEURE FÜR FILM UND FERNSEHEN. HIGH LIFE TRAF DEN SCHAUSPIELER IM EXKLUSIVEN CHINA CLUB BERLIN ZUM INTERVIEW.

Herr Ferch, Sie haben sich in den letzten Jahren in die erste Liga deutscher Charakterdarsteller gespielt. Was haben Sie, was anderen fehlt?

Eigentlich müssen das andere sagen, es ist schwer, sich selber zu charakterisieren. Ich denke, die Begeisterungsfähigkeit, die dazugehört, die haben andere Kollegen auch. Die muss man einfach haben. Bei mir kommen vielleicht noch eine besondere Ausdauer, ein großer Glaube an mich selbst und viel Humor hinzu. Außerdem nehme ich nicht alles bierernst, was über mich gesagt oder geschrieben wird. Das schont die Nerven. Ich bin mir durchaus bewusst, dass meine Präsenz in der einen oder anderen Form auch Spannungen nach sich zieht. Damit muss man, so glaube ich zumindest, locker umgehen. Ich nehme mich einfach nicht wichtiger als nötig und bleibe ich selbst.

Was fasziniert Sie am Schauspieler-Beruf?

Dass er so abwechslungsreich ist. Dass er mir das große Glück bietet, mich in jede gewünschte Richtung zu entfalten. Als Schauspieler hab’ ich das Privileg, in jeden nur denkbaren Beruf einzutauchen oder für eine Rolle zu recherchieren. Und mit jedem neuen Stoff erweitere ich meinen eigenen Horizont. Das finde ich genial.

Gibt es für Sie eine Lieblingsdisziplin in der Schauspielerei?

Nein, ich stehe erst mal allem offen. Jeder Schauspieler ist ohnehin durch seinen Typ für bestimmte Rollen mehr, für andere weniger prädestiniert. Auch für mich gibt es Grenzen, weil ich einfach nicht alles spielen kann. Gäbe es eine Lieblingsdisziplin, wäre sie wahrscheinlich, die Grenzen des Unspielbaren immer mehr einzuschränken.

Wie muss ein Drehbuch aussehen, das Ihr Interesse weckt?

Ich muss beim ersten Lesen uneingeschränkt Ja sagen können. Es gibt keinen Film, den ich gemacht habe, wo ich ein Drehbuch vorher zwei-, dreimal lesen musste. Die Fantasie funktioniert sofort und zieht mich rein. Das ist ein guter Indikator dafür, dass mich ein Script anmacht.

 

» Ich habe immer darauf geachtet,  vielseitig zu sein
und mich nicht in eine Richtung drängen zu lassen. «

 

Gibt es einen Charakter, den Sie unbedingt einmal spielen möchten und warum?

Da gibt es einige. Nehmen wir doch gleich meine nächste Produktion, deren Drehbeginn in wenigen Wochen sein wird, und wo es um die Suche nach dem antiken Schatz von Troja geht. Ich spiele darin den Archäologen Heinrich Schliemann. Ein wirklich spannender Charakter, der so widersprüchlich wie besessen ist. Schon vor Jahren habe ich damit begonnen, diese Figur zu studieren. Und jetzt endlich können wir das Projekt starten.

Übernimmt man das Spielen nicht manchmal mit ins Privatleben?

Das Spielen nicht, aber die Stimmung. Wenn man über zweieinhalb Monate mit einem Thema beschäftigt ist, eine Rolle spielt, die sehr ernsthaft, sehr düster ist, dann kann ich persönlich nach einem Drehtag nicht frohgelaunt oder flapsig drauf sein. Oder umgekehrt habe ich es erlebt, als ich die zwei, drei Komödien gemacht habe, dass ich dann eine locker flockige Zeit hatte. Je nachdem, was man geradespielt, bleibt man in einem bestimmten Klima gefangen. Das ist wichtig, es hilft mir, eine Grundstimmung beizubehalten, um während der Dreharbeiten nicht aus der Kurve zu fliegen. Es hat also schon Auswirkungen auf die Privatsphäre.

Was bedeuten Ihnen Statussymbole?

Wenn sie meinem ästhetischen Gusto und meiner Bequemlichkeit dienen, sind sie wunderbar. Aber mal im Ernst. Ich habe keine Statussymbole, ein Auto fährt, eine Uhr zeigt die Zeit an. Statussymbol heißt ja, man präsentiert, man zeigt vor. Ich bin eher jemand, der zurückgezogen lebt. Ich mag den lauten Auftritt nicht.

Wie wichtig ist Ihnen ein gutes Outfit?

Es muss der Situation entsprechend sein. Wenn ich in Jeans und Boots gut aufgehoben bin während einer Veranstaltung, dann ist das für mich o. K. Genauso gerne genieße ich einen eleganten Abend. Kleidung muss Spaß machen!

Im letzten Sommer haben Sie geheiratet. Was bedeutet für Sie Glück?

Das ist Glück, aus vollem Herzen Ja gesagt zu haben. Jemanden getroffen zu haben, wo kein Misstrauen besteht, wo jederzeit das Gefühl da ist, richtig zu sein.

 

» Es gibt keinen Film, den ich gemacht habe,
wo ich das Drehbuch vorher mehrmals lesen musste. «

 

Das vollständige Interview mit Heino Ferch lesen Sie in der HIGH LIFE Ausgabe 11.

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