HIGH LIFE Heft 9 | 2005
Ciao, Giorgio!
Was sind die wahren Leidenschaften eines Mannes der alles erreicht hat in seinem Leben? Warum verbringt George Clooney mehr und mehr Zeit in seiner Villa in Italien? Will er am Comer See nur Spass haben oder will sich der wohl begehrteste Junggeselle aus dem Filmgeschäft zurückziehen? Fragen wir Ihn doch mal!
TEXT VON GÜNTER NED
INTERVIEW VON EARL DITTMAN/IFA
GEORGE CLOONEY ERZÄHLT IM HIGH-LIFE-INTERVIEW, WARUM ER IMMER MEHR ZEIT IN ITALIEN VERBRINGT. ER ERKLÄRT, WIE ER SEINE ROLLEN AUSSUCHT, SPRICHT ÜBER SEINE FRUCHTBARE ZUSAMMENARBEIT MIT DEM REGISSEUR STEVEN SODERBERGH ETC., KURZ: ER LÄßT EINEN BLICK IN SEIN INNENLEBEN ZU, JENSEITS ALL DER SCHILLERNDEN AUSSENSICHTEN, DIE ÜBER DEN CHARMANTEN HOLLYWOODSTAR GEHANDELT WERDEN.
George Clooney scheint ein Workaholic zu sein. Die Geschwindigkeit, mit der bei ihm ein Film auf den anderen folgt, jeder mit George Clooney in der Hauptrolle, reicht längst an die Hochfrequenz eines Woody Allan heran. Beeindruckend allein die Produktivität der letzten fünf Jahre: Nach „Perfect Storm“ unter Regisseur Wolfgang Petersen („Das Boot") folgten Schlag auf Schlag „Spy Kids“, „Ocean's Eleven“ (u. a. mit Julia Roberts, Matt Damon, Brad Pitt, Andy Garcia), „Welcome to Collinwood“, die Sience-Fiction-Romanze „Solaris“ mit Steven Soderbergh, einem seiner Lieblingsregisseure. 2003 kam „Intolerable Cruelty“ heraus mit Catherine Zeta-Jones. Soderbergh saß auch bei „Ocean‘s Twelfe" (2004) auf dem Regiesessel. Er produzierte soeben zusammen mit George Clooney „Syriana“, Hauptrolle: George Clooney (spielt einen CIA-Agenten und nahm für die Rolle 15 Kilo zu), und Soderberg wird auch „The Good German“ in Szene setzen, eine Story, in der Clooney einen Journalisten mimt. Schauplatz: Berlin nach dem zweiten Weltkrieg. Der Journalist macht seine frühere Geliebte ausfindig (gespielt von Cate Blanchett, sie erhielt bekanntlich in diesem Jahr einen Oscar für ihre Darstellung der Katherine Hepburn in Martin Scorseses „Aviator“) und gerät prompt in eine Mordgeschichte. Drehbeginn soll im September sein.
ZWISCHENDURCH SCHAFFTE DER HEUTE 44JÄHRIGE SCHAUSPIELER MIT „Confessions of a Dangerous Mind“ auch noch schnell sein Debut als Regisseur, nicht ohne Erfolg: Sam Rockwell gewann damit den Preis für den besten Darsteller beim Berliner Filmfestival 2003. In weiteren Rollen waren Julia Roberts und Drew Barrymore zu sehen und in einer Nebenrolle George Clooney selbst, und so ganz nebenbei führt der „Frauenschwarm“ auch noch diverse Produktionsfirmen, eine davon eben mit Regisseur Steven Sonderbergh. Eine stramme Serie also allein seit dem Jahr 2000. Nun hat George Clooney zu Serien ja ein positives Verhältnis. Es war die TV-Serie „ER“, eine der bisher erfolgreichsten der Welt, die ihm zum Durchbruch verhalf. Clooney spielte in der Soap den Dr. Doug Ross, fünf Jahre lang, und als 1999 die letzte Folge gesendet wurde, war er ein Star. Es brach eine Zeit an, auf die der bis dahin reichlich unbekannte Schauspieler lange gewartet hatte. Clooney macht keinen Hehl daraus: Er mußte vorher lange Jahre ohne Erfolg arbeiten und konnte nicht wählerisch sein bei der Frage, welche Rolle nehme ich an, welche nicht.
ES MUSS EIN HERRLICHES GEFÜHL SEIN, NACH SOLCHEN DURSTSTRECKEN in einem Interview sagen können: „Heute habe ich die Wahl. Heute kann ich genau die Art von Filmen machen, die ich gerne selber sehen möchte.“ Kein Wunder also, dass George‘s befreite Kreativität sich seit Jahren in einer Dauerexplosion Luft macht. Kein Wunder aber auch, dass ihm das gelegentlich Erschöpfungszustände einbringt: „Ich hatte wirklich einiges zu tun und im Augenblick bin ich einfach erschlagen“, sagte er vor nicht allzu langer Zeit einem Journalisten, „alles, worauf ich mich jetzt freue, ist: vor dem Fernseher sitzen, ein Bier trinken und zusehen, wie irgendjemand einen schönen amerikanischen Schlager singt.“ Die Welt weiß inzwischen, wo der Star mit dem aufreibenden Leben heute seine Erholung sucht, und es ist kein amerikanisches Flair, das ihn dort fasziniert: George Clooney lebt seit Jahren, wann er kann, auf seinem Anwesen am Comer See, begeistert von der italienischen Lebensart. Das Magazin „Gala“, gewöhnlich gut informiert über die Interna der internationalen Prominenz, schildert die Idylle: „Mühevoll schleppt das alte Mütterchen ihre Einkäufe über die holprige Straße. Da kommt ihr ein Mann zu Hilfe, greift die Tüten und trägt sie bis vor ihre Haustür. Nichts Ungewöhnliches in einem Dorf wie Laglio am Comer See, in dem sich alle kennen und helfen. Doch der freundliche Tütenträger ist neu hier – und weltbekannt: Es ist Frauenschwarm George Clooney. Der Hollywoodstar, 44, ist inzwischen der beliebteste Bewohner des Orts. Woran das liegt, weiß das Mädchen vom Kiosk: „Er ist so normal und höflich.“
NUN, DAS WAR VOR ZWEI JAHREN, UND INZWISCHEN IND AUS DER EINEN Villa zwei geworden, und die Welt weiß, dass die lombardische Idylle längst Sprünge bekommen hat: Es gab heftigen Streit zwischen Laglios Einwohnern. Grund: Der Mann aus Amerika wollte zu den beiden Villen auch noch einen eigenen Strandabschnitt besitzen, und den wollten ihm manche nicht gönnen. Er gehört ihm jetzt trotzdem, und die Ehrenbürgerwürde hat man ihm auch angetragen, aber ob es mit seiner Ruhe so klappen wird, ist die Frage. Neuer Unmut schwelt. Seit Clooney am See wohnt, steigen, hört man, die Grundstückspreise ins Unermeßliche. Seine Freunde und Filmpartner, heißt es, wollen sich jetzt auch hier ansiedeln, und der berühmte Schauspieler tut, scheints, selbst nicht viel dazu, den Beruf von seinem See-Refugium fernzuhalten. Für „Ocean‘s Twelfe“ machte er seine Villa sogar zum Drehort – Schicksal eines Stars.
Sie verbringen gerade immer mehr Zeit in Europa. Was mögen Sie an Europa so?
Gutes Essen [lacht]. Nein. Ich habe das Glück, ein Zuhause in Italien zu haben und dort etwas Zeit verbringen zu können. Ich bin ein riesiger Fan von all dem. Ich bin in Kentucky aufgewachsen. Also, als ich jung war, war ich nicht viel auf Reisen. ...
Worauf achten Sie, wenn Sie eine Rolle aussuchen?
Wie wir alle wissen, gibt es so viele Dinge, die bei einem Film schief laufen können, deshalb ist das Wichtigste für mich immer das Drehbuch und dann der Regisseur. Das sind die zwei Dinge, auf die es ankommt. ...
Sie sind ein bisschen der Cary Grant unserer Generation geworden. Fühlen Sie sich jetzt wohler in dieser Art von Rollen und in Komödien?
Du meine Güte. Es macht Spaß. Ich weiß nicht. Es ist einfach immer eine Riesengaudi, das zu machen. Für mich war „Solaris“ echt witzig [lacht]. Ich habe eine Weile in Komödien gespielt. „Batman and Robin“ war einfach zum Schießen. Sehen Sie, ich liebe es in Komödien zu spielen, und wenn man sie mit jemandem wie Steven machen kann, hat man einfach totales Glück, besonders wenn man mit Leuten wie Julia und Catherine arbeitet, das ist einfach toll. ...
Im Sommer vor zwei Jahren haben Sie ein paar Monate frei genommen. War diese Auszeit etwas, das Sie tatsächlich für sich selbst tun mussten?
Ja, und es war das Beste, was ich je in meinem Leben gemacht habe. Es verändert tatsächlich irgendwie dein Leben und nur weil ich vom Fernsehen komme und alles für mich ein bisschen später ablief, lebe ich in einer Welt, in der es heißt, sobald du aufhörst zu arbeiten, bist du für immer arbeitslos. Deshalb waren die einzigen echten Urlaube, die ich gemacht habe, immer arbeits-bezogen, und in dem Sommer war ich so drauf: „Weißt du was, ich gehe, ich habe ein Haus hier, ich gehe einfach“, und ich habe drei Monate im Haus verbracht und habe einfach gar nichts gemacht und das war das Beste, was ich je in meinem Leben getan habe. ...
Wie erholen Sie sich, wenn Sie in Italien sind?
Ich habe ein Boot. Na ja, eigentlich ist es mehr ein großes Strandboot mit sechzehn Sitzen. Es ist wie ein Party-Boot. Wenn wir Lust haben, in die Stadt zu gehen, setzen wir uns einfach rein und fahren los nach dem Motto „Komm, wir gehen in Harry’s Bar“. ...
Haben Sie wirklich die Absicht, für den Rest Ihres Lebens Junggeselle zu bleiben?
Dieses Interview mit Barbara Walters habe ich vor einer Ewigkeit gemacht und seitdem habe ich dafür gebüßt. Es wäre viel leichter gewesen, wenn ich einfach geweint hätte [lacht]. Es war ein Gespräch, das einfach zum falschen Zeitpunkt stattgefunden hat, denn ehrlich gesagt habe ich nicht vor, den Rest meines Lebens als Junggeselle zu verbringen. Als ich das gesagt habe, hatte ich gerade eine Scheidung hinter mir und mein einziger Gedanke war, das möchte ich nicht noch einmal erleben.
Wie schaffen Sie es ansonsten, so stressfrei zu leben?
Das liegt an meinen Trinkgewohnheiten. Mit Alkohol verträgt man Drogen besser [lacht] ...
Im Ernst, wie haben Sie es geschafft, im Gegensatz zu vielen anderen Schauspielern, Probleme mit Alkohol und Drogen zu vermeiden?
Tja, ich spritze mir das Crack gern in den Hals, aber ansonsten … [lacht]. Ich habe gesehen, was vieles davon mit meiner Tante, Rosemary Clooney, gemacht hat, und es hat ihr nicht gut getan. Und ich habe gesehen, was aus anderen Leuten, die ich aus der Branche kenne, geworden ist, und das ist wirklich traurig. Man muss einfach nur die Entscheidung treffen, dass dieses Zeug nicht das eigene Leben beherrschen und alle Träume und Hoffnungen zerstören darf, und dann zu dieser Entscheidung stehen. Es ist nicht immer leicht in Hollywood, weil es so bestimmend ist, aber man muss sich behaupten. Dieses Zeug hat schon das Leben von zu vielen Menschen zerstört.
Wie schaffen Sie es, so bodenständig zu bleiben?
Ich habe großartige Freunde, die mir sagen, dass ich ein Loser bin [lacht].
Woher kommt dieser Zug, sich selbst nicht so ernst zu nehmen?
Ehrlich gesagt, es sind viele Dinge. Aber am meisten denke ich, ich kann es nicht oft genug sagen, was für ein Vorteil es ist, so lange Zeit bei so vielen erfolglosen Dingen mitgemacht zu haben. Wissen Sie, man wird tatsächlich in gewisser Weise bescheiden. Schauen Sie sich einfach mal „The Facts of Life“ oder ähnliche Shows an, ich war so übertrieben selbstbewusst und so wenig begabt. Aber ich glaube, wenn ich zu dem Zeitpunkt sofort ein Star geworden wäre, hätte ich alles vermasselt. Es ist ein Riesenvorteil, sich zurücklehnen zu können und zu wissen: „Jetzt bin ich wer.“ Wenn die Dinge gut laufen, findet man diesen goldenen Mittelweg, bei dem man, wenn Leute einem Komplimente machen, denkt „Also das heißt, dass sie es teilweise gemocht haben“, und wenn sie einen niedermachen, denkt man „Also gut, dann haben sie es eben teilweise nicht gemocht“. Man ist nicht mehr am Boden zerstört und man versteht, dass die Wahrheit letztlich immer irgendwo in der Mitte liegt. So empfinde ich es. Ehrlich gesagt, bin ich in einer guten Lage, was Vertrauen und so anbelangt, denn ich denke immer, wenn ich etwas verpatze, verpatze ich es in dem Glauben, etwas Gutes zu machen.
Für Ihren nächsten Film, „Syriana“, mussten Sie fünfzehn Kilo zulegen, um einen waschechten CIA-Agenten zu spielen. Wie war es für Sie, so viel zunehmen zu müssen, um diese Rolle zu spielen?
Es ist eine gute Sache, aber ich würde es nicht noch einmal machen. Einmal reicht. Ich kämpfe immer noch damit, dieses Gewicht wieder loszuwerden. Es war hart, und es ist hart für den Körper. Aber die Tatsache, dass einen die Leute nicht gleich erkennen, hat es irgendwie sehr interessant gemacht. Allerdings waren wir an einigen Orten im Nahen Osten, an denen man freiwillig jedenfalls nicht gern irgendwohin ausgeht. Deshalb sind Matt und ich viel in unserem Hotelzimmer geblieben und haben gegessen und gegessen. Eigentlich war es keine bewusste Entscheidung für eine Rolle, sondern schlicht ein Unfall [lacht].
Hatten Sie und Steven Soderbergh nicht eine TV-Serie über Fernsehjournalismus geplant?
Also das ist ein Projekt, das wir vor ungefähr einem Jahr als Live-Projekt für CBS machen wollten. CBS hat sich dann dagegen entschieden, aber es ist seit langem ein leidenschaftlicher Wunsch von mir, da ich mit Fernsehjournalismus sozusagen groß geworden bin. Davon hing z. B. ab, ob wir in einem schönen Haus wohnen konnten oder nicht, diese Aufs und Abs, die der Fernsehjournalismus mit sich bringt. Es geht dabei auch um den bewussten Einsatz von Angst mit dem Ziel, bürgerliche Freiheiten zu beschneiden, und um die Habeas-Corpus-Akte [Anmerkung: das Gesetz wurde im 17. Jh. erlassen. Habeas Corpus gilt als eines der modernen Freiheitsrechte und ist in jeder demokratischen Verfassung verwirklicht] und Ähnliches. Für mich ist es eine interessante Möglichkeit, immer wieder über Dinge zu sprechen, die sich ständig wiederholen können, aber es ist trotzdem kein politischer Film. Es ist eigentlich die Geschichte von Edward R. Murrow. Es waren vier Sendungen, für diejenigen, die sich daran erinnern, vier Sendungen, in denen er es mit McCarthy aufnahm und McCarthy holte zum Gegenschlag aus. Darauf basiert das Ganze. Das ist es, woran wir interessiert sind. Dann gibt’s noch eine ziemlich beeindruckende Rede über die Verantwortung, die das Fernsehen hat, etwas, das einfach immer wieder Thema ist. Also wir werden es machen und ich werd’s verpfuschen, irgendwie werd’ ich’s vermasseln [lacht]. Es wird Spaß machen.
Wie geht es Ihrem Vater, nachdem es für ihn nicht geklappt hat, und was ist der beste Ratschlag, den er Ihnen je mit auf den Weg gegeben hat?
Er hat gesagt, trenne immer Arbeit und Privatleben. Das war’s. Ja [lacht]. Nein, im Ernst, wissen Sie, mein Vater und ich stehen uns sehr nah. Das Ganze war eine harte Zeit für ihn. Mit siebzig nochmal eine neue Karriere zu starten, war etwas sehr Aufregendes, und ich glaube, das ist schon sehr enttäuschend. Aber er verkraftet es gut, und er ist und war eine große Inspiration für mich. Das bedeutet aber nicht, dass ich für den Kongress kandidieren möchte. Das ist es nicht, was ich gelernt habe. Nein, aber es geht ihm gut. Ich weiß nicht, aber es ist gerade eine merkwürdige Zeit für uns, für meinen Vater. Die Wahlen sind noch ganz frisch. Deshalb nimmt er jetzt erst einmal eine kurze Auszeit, und ich bin vor allem froh, dass er eine Pause macht. Ich weiß gar nicht, wie ich die andere Frage beantworten soll. Er ist mein Vater und war immer eine große Inspiration für mich, und er hat immer gesagt: „Mach’ nicht den Fehler, mit fünfundsechzig aufzuwachen und an all das zu denken, das du hättest tun können.“ Das war die einfachste Art, nach der ich mein Leben bisher gelebt habe, glaube ich.
Übrigens, haben Sie Ihre Karikatur in „Team America?“ gesehen?
Ja, und wir wollten alle schon immer mal Marionetten sein. Ich muss sagen, ich wäre beleidigt gewesen, wenn ich nicht vorgekommen wäre. Ich bin irgendwie begeistert. Don [Cheadle] war sauer, dass er nicht dabei war. Sehen Sie, diese Jungs sind Freunde von mir und ich hab ihnen geholfen, ihre Show herauszubringen und ich war Sparky, der schwule Hund in ihrem Film. Wissen Sie, zum Spaß, hier oben zu sein, gehört auch, dass wir als Objekte für so etwas herhalten müssen. Deshalb ist es ok.
Gibt es Pläne für „Ocean’s Thirteen“?
Eigentlich haben wir da unsere eigenen Theorien, nämlich das Musical „Ocean’s Five, Six, Seven, Eight“ [lacht]. Im Ernst, wir denken im Moment nicht darüber nach. Überhaupt nicht, ganz ehrlich. Der einzige Grund, warum wir den letzten Film gemacht haben, war, dass Steven gesagt hat: „Hey, das ist eine Super-Idee. Jerry hat gesagt, los, das machen wir.“ Wenn Steven und Jerry es wollten, war immer die ganze Crew offen dafür. Es macht einfach echt Spaß, diese Sachen zu drehen.
Die Crew von „Ocean’s …“ ist ja bekannt dafür, sich gegenseitig immer wieder reinzulegen – fällt Ihnen dazu etwas Besonderes ein?
Für uns war der lustigste Teil, glaube ich, in Rom oben auf dem Hotel. Jerry hatte draußen auf dem Dach des Hotels eine Restaurant-Bar aufgebaut, sodass wir nicht irgendwo anders hingehen mussten. Also waren jeden Abend nach der Arbeit vierzig oder fünfzig von uns da oben und haben sich immer wieder neue Scherze ausgedacht.
Wie war das denn genau, als Sie Brad mit diesem Aufkleber reingelegt haben?
Also Brad hat wirklich ein paar echt harte Sachen mit mir gemacht. Sie haben vielleicht schon davon gehört, aber als wir in Rom waren, nachdem wir in Italien angekommen waren, hat Brad ein Memo in Italienisch verfasst und der gesamten italienischen Crew mitgeteilt „Mr. Clooney wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie ihn nur mit Danny Ocean oder Mr. Ocean ansprechen würden, und schauen Sie ihm dabei nicht in die Augen“. Dann hat er es an alle verteilt, dass es so aussah, als ob ich versuchen würde, in der Rolle zu bleiben. Das ging dann ungefähr einen Monat so. Jeder, zu dem ich kam, sprach mich mit „Mr. Ocean“ an, bis mir schließlich der Kragen geplatzt ist und ich gefragt habe „Was zum Teufel, ist hier eigentlich los?“. Es stand sogar in den Zeitungen, dass ich mich wie eine dieser Diven benehmen würde, und mich die ganze Crew „Mr. Ocean“ nennen müsste. Deshalb hab’ ich dann einen Aufkleber hinten auf sein Auto geklebt – obwohl, eigentlich waren es zwei. Einen hab’ ich aufgeklebt, der hielt ungefähr drei Tage, auf dem stand „Ich bin schwul und ich wähle“, weil es ein politisches Jahr war. Und auf dem anderen stand „Kleiner Penis an Bord“, der blieb auch einige Tage dran. Er klebte auf der Beifahrertür. Also haben ihn alle Leute angehupt and gewunken, und er dachte, das liegt daran, dass er Brad Pitt ist. Deshalb hat er zurückgewunken [lacht].
Was denken Sie über das Verfahren der Academy Awards, wie es derzeit besteht. Ist es ein Ansporn, bessere Filme zu machen? Wählen Sie und nehmen Sie das auch ernst?
Seit ich Mitglied in der Academy bin, wähle ich auch. Ich bin seit ein paar Jahren Mitglied. Ich weiß wirklich nicht, wie es ist, ich weiß gar nichts darüber. Für mich ist auf jeden Fall der einzige Grund, warum es eine Preisverleihung geben sollte, dass Leute dadurch vielleicht bessere Filme machen. Zum Beispiel bekommen einige Filme einen großen Auftrieb durch Academy-Awards-Kampagnen, und darum schaffen sie es überhaupt, fertiggestellt zu werden und wirklich herauszukommen. Ich glaube sowieso nicht, dass man Kunst miteinander vergleichen und bewerten kann.
Gehen Sie gern zu Preisverleihungen?
Ich denke, man sollte zu so etwas nur gehen, wenn man nominiert ist, oder? Nur dann macht es Sinn hinzugehen. Ich gehe immer nur zu Preisverleihungen, wenn ich nominiert bin. Ansonsten finde ich es eher blöd und irgendwie peinlich [lacht].
Mögen Sie die Schauspielerei immer noch oder haben Sie je daran gedacht, kürzer zu treten?
Wer war das noch, der das gesagt hat? Ich versuche, mich zu erinnern. Ich glaube, es war Jimmy Stewart, der gesagt hat, wenn jemand dir das ausreden will, dann lass’ ihn reden. Es ist einfach das Größte. Seien wir ehrlich, es ist der totale Kick. Darum machen wir weiter. Wir lieben es auf diesem Level, weil wir einfach kreativer sein können. Man muss ein bisschen mitreden können bei dem, was man tut, anstatt sich nur darauf zu verlassen, was andere tun wollen. Don [Cheadle] wird Regie führen. Es ist echt spannend für mich.
Wenn Sie die Chance hätten, Ihr Leben nochmal zu leben, was würden Sie tun?
Würde ich alles noch einmal machen? Ja, klar. Ich würde es schon allein deshalb machen, um nochmal 21 zu sein – einfach aus Jux. Klar gibt es Dinge, die man nochmal machen würde. Es gibt einen Haufen Fehler, die man macht, und ich glaube, die Wahrheit ist, dass sie einen genau dahin bringen, wo man jetzt steht. Aber ich bereue eigentlich nichts, weder persönlich noch beruflich. So wie jetzt im Moment bin ich wirklich zufrieden mit dem, wo ich stehe. Ich fühle mich wirklich glücklich. Ich bin heute in einer echt guten Lage. Als Filmemacher versuchen Steven (Soderbergh) und ich einfach, Dinge voranzutreiben, um zu sehen, wie weit wir gehen können. Als Schauspieler muss man sich dafür weit aus dem Fenster lehnen. Und als Produzent oder Regisseur testen wir einfach, wo die Grenzen sind, wie weit wir die Dinge treiben können, einfach um die Latte wieder höher zu legen. Wir wollen erreichen, dass auch in Mainstream-Filmen Fragen gestellt und Standpunkte eingenommen werden, dass sie nicht nur als Kassenschlager auf den Markt kommen.
Vielen Dank für das Gespräch.
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