HIGH LIFE Heft 9 | 2005
Die schönsten Autos der Welt
Zu Gast beim Concorso d‘Eleganza Villa d‘Este 2005
„Wir haben es mittlerweile soweit gebracht, dass diese Veranstaltung einen hervorragenden Ruf genießt“, sagt Urs Paul Ramseier, verantwortlich für die Zusammenstellung der Kollektion beim Concorso d‘Eleganza. Sieht man, wer sich da präsentiert, möchte man seine Einschätzung fast für zu bescheiden halten. Auch in diesem Jahr versammelten sich in den Gärten der Villa d‘Este am Comer See die Traumkarossen der Welt. Bestes Beispiel: der legendäre BMW 507.
TEXT: GÜNTER NED | FOTOS: KLAUS LORKE
WIE PRÄSENTIERTE SICH der Concorso d‘Eleganza Villa d‘Este im Jahr 2005? „Einfach fabelhaft!“ befand Manny Del Arroz. Er war aus Kalifornien an den Lago di Como gekommen, um einen mehrfachen Champion, seinen Ferrari 375 aus dem Jahr 1955 zu zeigen. Und er traf mit seiner Begeisterung den allgemeinen Tenor.
Ein voller Erfolg war auch der historisch erste Concorso d‘Eleganza in der Villa d‘Este – der fand am 1. September 1929 statt. Den „Coppa d‘Oro“, den inzwischen legendären Goldpokal, gewann damals eines der schönsten Automobile seiner Zeit, ein Isotta Fraschini 8A Faux Cabriolet, gebaut von Cesare Sala, und dies blieb das Selbstverständnis des Events: Er wollte eine Show sein, die das feinste und spektakulärste an aktuellem Autodesign zeigt, und das in einer Ambiance, die den exzellenten Exponaten den perfekten Rahmen gab: das hochelegante Grandhotel Villa d‘Este in Cernobbio, mit seinen fabelhaften Gärten direkt am Ufer des Comer Sees gelegen.
Zehnmal fand der Concorso – vom Krieg nicht ungestört – zwischen 1929 und 1949 statt. Dann brach er ab und spiegelte damit wider, dass für die Zeit der spektakulären großen Karosseriebauer das Ende dämmerte. Als der Concorso d‘Eleganza Villa d‘Este fast 40 Jahre später, 1986, seine Wiedergeburt erlebte, kam er mit nostalgischem Konzept zurück. Nun waren es die Traumkarossen von damals, die schönsten Oldtimer der Welt, die ausgestellt wurden, und erst, nachdem BMW 1999 für das exklusive Treffen die Patronage übernahm, besann man sich auf den ursprünglichen Ehrgeiz der Veranstalter: die Avantgarde der eigenen Zeit zu zeigen. Und so fährt der Concorso seit 2003 noch auf einem zweiten Gleis: Es gibt auch eine Wertung für Concept Cars und Prototypen, die nicht älter als drei Jahre sind. Außerdem auf der zweitägigen Veranstaltung (Sa., 23.4. in der Villa d‘Este für geladenes Publikum und So., 24. April, in der benachbarten Villa Erba für die Öffentlichkeit): Spezialausstellungen, die zwei Geburtstage thematisierten, den 75sten des Autodesigners Pininfarina, und den 50sten des BMW 507, wohl eines der schönsten Sportroadsters, die jemals gebaut wurden. Hochkarätig besetzt der Design Talk in der Villa Erba: Die Experten rund um Adrian van Hooydonk, Designdirektor von BMW, und Lorenzo Ramaciotti, Executive Vice President Design bei Pininfarina, diskutierten das Design der 50er Jahre. Nicht ohne Nostalgie unterstrich man da die Aufbruchstimmung und den Fortschrittsoptimismus von damals und verwies auf die Skepsis im Zeitgeist von heute.
Das Herz auch des diesjährigen Concorso waren natürlich wieder die Vintage Cars. Dabei wußte man oft gar nicht, was den Puls höher schlagen ließ: die phantastischen Exponate oder der Enthusiasmus ihrer Besitzer. Für die Vergabe der Einladungen hatte man einmal mehr Urs Paul Ramseier gewonnen. Die „Komposition“, wie Ramseier seine exklusive Auswahl mit vollem Recht gerne nennt, zeigte auch in diesem Jahr spektakuläre Schönheiten und Raritäten aus aller Welt, 54 an der Zahl, viele nur einmal oder in ganz geringer Auflage gebaut, oft zum ersten Mal auf dem Concorso oder in Europa vorgestellt: der Peugeot 907 Coupé, 2004, zum Beispiel, der den Design Award für die Concept Cars und Prototypen gewann, der hinreissende Ferrari 212 Export Spider Vignale aus dem Jahr 1951, er wurde mit dem Coppa d‘Oro di Villa d‘Este 2005 ausgezeichnet (Sieger der weiteren Trophäen s. www.concorsodeleganzavilladeste.com), oder so eine Schönheit wie der Alfa Romeo 6C 2300B, gebaut im Jahr 1938 von Ramseier in Worblaufen. Richtig gehört: Der Schweizer Kompositeur des Concorso d‘Eleganza Villa
d‘Este entstammt, wie sich im Gespräch mit HIGH LIFE herausstellte, selbst einer Karosseriebauerfamilie: „Aber davon hab ich überhaupt nichts gewußt, bis ich 20 war. Dann ist es mir gelungen, das gesamte Firmenarchiv seit 1929 zu retten, aber als ich schließlich auch ein Auto wollte, das wir gebaut hatten – da war nichts mehr da.“ Und Urs Paul Ramseier macht aus seiner persönlichen Infiziertheit keinen Hehl: „Später hab‘ ich mir dann einen Ramseier Worbleben gekauft, hab‘ ihn restaurieren lassen, ging damit zu einem Concours, und dann klemmts einem den Finger ein, diesen Virus kriegst Du nimmer raus!“
www.concorsodeleganzavilladeste.com
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