HIGH LIFE Heft 7 | 2004

The Chedi Muscat
Design mit arabischer Seele

In Oman, am Ostende der Arabischen Halbinsel, hat sich ein erlesenes Beach-Resort innerhalb von knapp zwei Jahren in die internationalen Top-Rankings katapultiert. The Chedi Muscat - attraktiv unter anderem durch sein Raffiniertes Design.

Text: Günter Ned | Fotos: Ydo Sol

Die Zukunft Omans beginnt 1970. Sultan Said bin Taimur, ein Feind des Westens, verliert die Macht. Sein Sohn Qaboos bin Said ergreift sie - und das erweist sich als Glücksfall für das Land. Sultan Qaboos setzt eine Modernisierung und Öffnung in Gang, die Oman fit macht für das 21. Jahrhundert. Dabei gelingt ihm eine Gratwanderung, bei der manche Nachbarstaaten am Golf nicht ganz so glücklich aussehen: Das Land des Sultans verliert, zumindest bis heute, seine arabische Seele nicht. Kein Wolkenkratzer erhebt sich über der Hauptstadt Muscat, dafür der Turm und die goldene Kuppel der großen neuen, 2001 eröffneten Moschee. Die Häuser neben den sechsspurigen Straßen, und seien es die prachtvollsten Residenzen, präsentieren in strahlendem Weiß klassische omanische Architektur. Der freitägliche Ziegen- und Rindermarkt in Nizwa dürfte sich im Mittelalter nicht anders abgespielt haben als heute. Damals war Nizwa, im Landesinneren gelegen, Omans Hauptstadt.

Muscat, die heutige Kapitale, wird oft als "Juwel Arabiens" bezeichnet. Vor knapp zwei Jahren hat die Metropole am Golf von Oman seinerseits ein Juwel der Luxushotellerie hervorgebracht: The Chedi Muscat. Seine Gäste erleben die arabische Seele nicht erst bei Ausflügen zum Ziegenmarkt von Nizwa, zum Fischmarkt von Muttrah oder dort im alten Souk beim Weihrauchkauf. Sie spüren sie bereits, wenn sie zum ersten Mal die Lounge betreten, und haben sie von da an beständig um und in sich - auf ganz sublime, elegante Weise.

Das ist zunächst den Architekten zu danken, Jean-Michel Gathy zum Beispiel von Denniston Architects in Kuala Lumpur. Er schuf das Hoteldesign, außen wie innen. Wie er es genau gemacht hat, wird sein Geheimnis bleiben. Aber es gelang dem Belgier sichtlich, aus Grundelementen omanischer Architektur - geschwungenen Spitzbögen, hohen schmalen Fensteröffnungen, Kuppeln, strahlend weißen Fassaden etc. -, aus ihren genau adaptierten, ästhetischen Dimensionen und Proportionen Interieurs und Garten-landschaften entstehen zu lassen, die mit modernster Eleganz arabischen Zauber präsentieren. Gathys gestalterisches Grundprinzip war dabei ein Minimalismus, dessen Reduktionen nicht, wie anderwärts oft gesehen, der Kargheit Tür und Tor öffnen, die vielmehr reichlich Raum für die individuellen Atmosphären der Gäste schaffen.

Bestes Beispiel sind natürlich die exklusivsten Wohnszenerien, die The Chedi Muscat zu bieten hat, die 36 The-Chedi-Muscat-Club-Suiten. Sie führen, wie das gesamte Resort, eine geometrische Schönheit vor, die es versteht, auf feinen Kanälen in die Seele des Gastes zu dringen und dort als ein Quell aufzugehen, der scheinbar unerschöpflich Ruhe, Wohlbehagen und Frieden spendet. Raffiniert gewählt die Materialien, mit erlesener Zurückhaltung gesetzt die Farben. Diese Ambiancen können auf bunte orientalische Teppiche, auf jeden Tausendundeine-Nacht-Kitsch mühelos verzichten und wirken gerade dadurch umso authentischer.

In den Boden aus schwarzem Terrazzo ist poliertes Edelholzparkett eingelegt. Schreibtischplatte und Fensterbänke schimmern in cremefarbenem Marmor, die Wände sind weiß. Gekonnt, wie die Fenster die Flächen gliedern. Sie sind wie in arabischen Häusern als hohe, schmale, turmartige Rechtecke oder als vertikal gestaffelte Quadrate eingesetzt.

Faszinierend die Perspektiven. Die Badewanne zum Beispiel ist kreuzförmig aus Terrazzo gegossen und samt Stufen in den Boden eingelassen. Wer hier im Schaum sitzt (Kosmetik von Floris, London) und alle Türen geöffnet hat, blickt in gerader Flucht durchs Schlafzimmer, durch den Salon, durch seine geöffneten Jalousien, über die grasbewachsene Dünenlandschaft hinweg bis hinaus aufs Meer. Oder man liegt gegen Abend auf dem Bett, zu beiden Seiten schimmert Kerzenlicht aus dunklen Kandelabern, verdoppeltsich in schräg gestellten, hohen, holzgerahmtenSpiegeln. Über uns ein schön geschnitzter Leuchter. Er öffnet sich wie eine Blüte nach oben, hinauf zu einer weiten silbernen Kuppel. Die beiden Pools sind für alle Gäste da –  der Serai-Pool auch für Kinder; der The-Chedi-Muscat-Pool liegt (exklusiv für Erwachsene) über dem Strand. Zu beiden gehören Cabañas mit Snack- und Barservice. Es gibt ein Spa, das für seine Pflege- und Beautyprogramme ausschließlich organisch gewonnene Produkte (aus Bali und Australien) verwendet.

Ob zum Lunch oder zum Dinner, es empfiehlt sich, dorthin durch den Garten zu schlendern (zum Resort gehören 83.000 qm Grund). Er ist schlicht spektakulär. Die natürliche Dünenlandschaft vor dem privaten, fast 400 Meter langen Sandstrand hat ihr architektonisches Gegenstück vor den Fassaden der verschiedenen Flügel des Hauptgebäudes, in seinen vielen Innenhöfen, auf den Terrassen, und es zieht sich bis hinüber zu den separat stehenden Villen mit den Club-Suiten: eine scheinbar endlose Landschaft aus streng geometrisch angelegten Wassergärten, den traditionellen arabischen falaj, d. h. Bewässerungssystemen nachempfunden. Tagsüber spiegelt sich in den zahllosen Bassins der blaue Himmel. Wird es dunkel, nimmt die Romantik kein Ende. Dann verwandelt sich die Wasserszene in einen zauberhaften Lichtergarten mit Flammenschalen, glitzernden Fontänen, irisierenden flüssigen Flächen, überragt von den Fächerschirmen der Dattelpalmen.

Neben der Lounge wartet The Restaurant mit seinem eigenen innenarchitekt-onischen Ereignis auf. Yasuhiro Koichi vom Design-Studio SPIN in Tokio hat hier eine kulinarische Szenerie entworfen, die den arabischen Charme des The Chedi Muscat mit Zen-Flair und Brillanzen aus Europa durchwirkt. In vier raumhohen Glasboxen sind vier verschiedene Showküchen untergebracht. Der Clou: Küchendirektor Gregory McLean, 28, aus Adelaide, Australien, führt eine Karte mit vier Abteilungen (bei den Vorspeisen wie bei den Hauptgerichten), einer arabischen,  einer mediterranen, einer asiatischen und einer indischen. Für jeden Bereich hat Greg einen Souschef, der aus dem jeweiligen Kulturbereich stammt, allesamt sind sie Meister der Würzkunst. Auch bei längerem Aufenthalt schafft kaum ein Gast alle möglichen Kombinationen: Thunfischtatar mit Kaviar, danach vielleicht ein Tandoori-Hühnchen? Oder den marokkanischen Salat vor einem original indonesischen Nasigoreng? Wie auch immer man spielt, man speist in europäischer Sterne-Qualität.

The Chedi Muscat
Direktor: York Brandes
North Gubra 232, Way Mo. 3215
Street No. 46,  P O. Box 964
Postal Code 133 AI Khuwair
Museal Sultanate of Oman

Internet: http://www.ghmhotels.com/



Öffnungszeiten Küche: 24 Stunden
Ruhetag: keiner.
Kreditkarten:
American Express, Diners Club, Eurocard/Master-card, Visa, JCB.

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