HIGH LIFE Heft 4 | 2004
Stern von Indien
Das Rolls-Royce-Museum von Hans-Günter Zach
Diese Rolls-Royce-Sammlung gilt als eine der bedeutendsten der Welt, und sie steht keineswegs im englischen Crewe, wo Rolls-Royce bis 2002 gebaut wurde, oder in Springfield, Massachusetts, wo die britische Nobelmarke ihre amerikanische Dependance hatte. Hans-Günter Zachs phänomenales Privatmuseum findet sich in Mühlheim bei Frankfurt. Ultimativer Star der Sammlung: der "Stern von Indien".
Text: Günter Ned | Fotos: Ydo Sol
So packte Hans-Günter Zach die Leidenschaft: "Das war 1968. Ich war 24 Jahre alt, hab' in einem Werkzeugmacherbetrieb gearbeitet, da kaufte sich der Chef einen funkelnagelneuen Silver Shadow. Die Kollegen haben darüber gelästert. Ich nicht. Ich hab' gewartet, bis Pause war dann hab' ich den Silver Shadow bewundert. Und ich hab' mir geschworen: Ich will mein Leben so gestalten, dass ich irgendwann dazu komme, mir selbst einen Rolls-Royce zu kaufen."
Heute hat Hans-Günter Zach in Mühlheim bei Frankfurt eine eigene Firma. Er handelt mit neuen und gebrauchten Werkzeugmaschinen, und seinen Schwur von damals hat er einundzwanzigfach gehalten. Bis er seinen ersten Rolls-Royce erwarb - ein Cabriolet Corniche II, Baujahr 1989, mit der Karosserie von Mulliner -‚ musste er allerdings fünfzig Jahre alt werden. Mit dem Geburtstagsgeschenk an sich selbst begann seine Passion zu blühen. Bis heute trägt sie üppig Früchte.
Wir gehen durch die Hallen, in denen Zach seine Werkzeugmaschinen lagert. Kühle Industrieatmosphäre. Dann öffnet er eine Tür. Wir treten über die Schwelle und stehen in einer anderen Welt. Fünf Salons tun sich auf. Illusionsmalereien öffnen die Wände zum Tadj Mahal (dem legendären indischen Liebesdenkmal), zur Côte d'Azure mit der Corniche (ihrer berühmten Gebirgs- und Küstenstraße), zum Sternenhimmel. Davor stehen sie: 21, in Worten: einundzwanzig, Royce, auf Hochglanz poliert, alle fahrbereit und was diese Privatsammlung international so kostbar macht: Ein Exponat ist rarer, origineller, berühmter als das andere.
Wir gehen durch die Hallen, in denen Zach seine Werkzeugmaschinen lagert. Kühle Industrieatmosphäre. Dann öffnet er eine Tür. Wir treten über die Schwelle und stehen in einer anderen Welt. Fünf Salons tun sich auf. Illusionsmalereien öffnen die Wände zum Tadj Mahal (dem legendären indischen Liebesdenkmal), zur Côte d’Azure mit der Corniche (ihrer berühmten Gebirgs- und Küstenstraße), zum Sternenhimmel. Davor stehen sie: 21, in Worten: einundzwanzig, Rolls-Royce, auf Hochglanz poliert, alle fahrbereit, und was diese Privatsammlung international so kostbar macht: Ein Exponat ist rarer, origineller, berühmter als das andere.
Hans-Günter Zach präsentiert uns seine Schätzchen. Die Führung veranstaltet er übrigens nach Vereinbarung auch gerne für Gruppen von 10 bis 20 Personen. Sein Gästebuch weist noble Namen auf. Der Eintritt ist frei, gebeten wird um eine Spende zugunsten der Stiftung für Glasknochenkranke, die der R-R-Enthusiast mitgegründet hat (18.000 Euro sind schon zusammengekommen).
Jede Edelkarosse hat ihre eigene Geschichte, und Geschichten erzählt ihr Besitzer gern. Diesen Silver Ghost zum Beispiel, 1926 in Springfield gebaut und in Los Angeles zugelassen, habe der Stummfilm-Schauspieler John McCormick zum historischen Unikat gemacht. Ursprünglich ein Picadilly Roadster, wurde die Schönheit in Dunkelblau und Silbergrau auf Veranlassung des Hollywood-Stars zum Boattail Roadster umgebaut, und zwar vom renommierten New Yorker Karosseriebauer Brewster. Schmuck der lederne Reisekoffer, montiert hinter dem feingeschwungenen „Bootsheck“. Kofferräume waren seinerzeit noch äußerst ungewöhnlich. Ein anderes Original hat Zach selbst geschaffen. Er kaufte in England ein schrottreifes, echtes 20/25-HP-Chassis plus Motor, ersteigerte in Hollywood per Telefon und E-Mail den ebenfalls schon ramponierten Aufbau eines Silver Ghoast Balloon Car von 1910 (bei der Gelegenheit erfahren wir, dass sich F. Henry Royce, der Partner von Charles S. Rolls, auch einen Namen als Rennfahrer und Ballonpionier machte), und dann vermählte er beide Teile miteinander. Elegant die Lösung für die Frontpartie. Die Zeit hatte dem Kühlergrill, den Lampen und der Kühlerfigur („Spirit of Ecstasy“, auch „Flying Lady“ oder „Flying Emily“ genannt ) hart zugesetzt. Hans-Günter Zach ließ „das Gesicht“ seiner Neu-Kreation kurzerhand mit 24 Karat vergolden.
So wandern wir von Story zu Story, von einem der ersten Phantom I, Baujahr 25 (Mannesius gab ihm die Form eines Torpedo Roadsters, avantgardistischerweise damals schon mit integriertem Kofferraum; der belgische Coachbuilder hat insgesamt nur drei Rolls-Royce gebaut, dieser ist einer davon), bis zum R-R-Flaggschiff Phantom III von 1937 mit V-12-Maschine, einer PS- und hubraumreduzierten Version des Spitfire-Flugzeugmotors. Das älteste Stück der Sammlung ist Zachs jüngste Erwerbung, ein Silver Ghost Bj. 1920 mit Sedanca-de-Ville-Karosserie von Mulbacher, Paris (d. h. der Aufbau ist über den Vordersitzen offen, der Fond ist geschlossen und ausstaffiert wie ein Salon). „Und jetzt schau’n Sie sich die Fenster an, die werden noch mit Bändern hochgezogen, oder diese echten Kutschenlampen, das sind für mich Hinweise, dass der Body sogar noch vor 1915 gebaut wurde.“
Und schließlich geben wir uns die Crème de la Crème: phantastische Staatskarossen, von indischen Fürsten geordert, bei Rolls-Royce und den berühmtesten Karosseriebauern der britischen Kolonialzeit als Einzelstücke angefertigt (Rolls-Royce stellte, so lernen wir, bis zum Ende des 2. Weltkriegs nur Chassis und Motor seiner Gefährte her, den Aufbau schufen die Coachbuilder).
Hans-Günter Zach besitzt gleich vier dieser raffinierten Luxuskarossen: einen Phantom II, 1929 für seine Hoheit, den Maharadscha von Rewa kreiert, später, um 1937/38, von George Hooper, dem königlichen Kutschen- und Wagenbauer, in einen Jagdwagen umgewandelt; einen Phantom I, 1926, Formal Limousine von Maythorn, Auftraggeber: seine Hoheit, der Maharani von Cooch Behar (das Leder, das Holz aus der Nussbaumwurzel, die Nummernschilder, die Zeiss-Lampen aus Jena – alles noch original); die berühmte „Alu-Skulptur“, ein Phantom I Open Tourer von Windovers für seine Hoheit, den Maharadscha von Nanpara (der Wagen wurde wie von einem Bildhauer in einem Stück mit der Hand aus Aluminium geschlagen); und endlich die Krone der Kollektion, die Legende, gemeinsam mit dem ebenso legendären Silver Ghost AX 201 (im Werksbesitz) das berühmteste und wertvollste Modell der Welt, so
Hans-Günter Zach: der „Stern von Indien“, benannt nach dem 563-karätigen „Star of India“, dem größten Sternsaphier der Welt. Dieser Phantom II wurde 1934 von Thrupp & Maberly als Staats-Cabriolet für seine Hoheit, den Maharadscha von Rajkot erfunden. Länge 5,80 m, Radstand knapp vier Meter, das Aluminium poliert, bis es spiegelt, Türen und Heck in der Farbe der Reinheit, safrangelb bis ocker, lackiert (in 17 Schichten), im Fond die indischen Mondphasen als Elfenbeinintarsie, 14 Scheinwerfer (der Maharadscha fuhr mit dem „Stern von Indien“ auch zur Jagd).
Nicht weniger spektakulär der Auftritt, den Hans-Günter Zach mit seinem Kronjuwel vor der Queen hatte. Zum 50-jährigen Thronjubiläum nahm Ihre Majestät bekanntlich eine festliche Parade ab. Mittendrin: der Mühlheimer mit seinem „Stern von Indien“.
Türen und Seitenfenster zeigen das Wappen des Fürsten von Rajkot mit dem Titel, den er sich selbst gab: „Dharmi praja raja“. Zach übersetzt ihn für uns: „Unvoreingenommener Herrscher über Menschen verschiedenen Glaubens. Und der Preis? „Unschätzbar.“
Internet: http://www.rolls-royce-sammlung.de/
Die aktuelle HIGH LIFE Ausgabe 3/2003, Heft 4, erhalten Sie in unserem Online-Shop, einfach auswählen und bestellen, oder genießen Sie HIGH LIFE dreimal im Jahr im kostengünstigen Abonnement frei Haus.




















