HIGH LIFE Heft 3 | 2003
Fitness auf poliertem Parkett
Im feinen Herzen von London gründete Mark Birley einen Health-Club für Männer von Format. Sie trainieren mit sportlichem Einsatz. Danach relaxen sie im Dampfbad aus Marmor.
Schon das Entree ist ungewöhnlich für einen Fitness-Club: An der Wand Seestücke des englischen Marinemalers Charles Pears (1873–1958). Geht man geradeaus weiter, wird man von einem eleganten Friseursalon empfangen. Die anderen Faszilitäten des Bath & Racquets Clubs liegen auf den Etagen, und überall findet man sich umgeben von schönen Gemälden und Fotografien.
Die Vorliebe für Bildkunst in einem Health-Club verwundert nicht, wenn man weiß, dass Mark Birley der Sohn des königlichen Malers Sir Oswald Birley ist. Mark Birley, in Eaton und Oxford erzogen, gründete den Bath & Racquets Club vor zwölf Jahren. Da hatte er in Londons Clubszene bereits einen brillanten Namen. Vor vier Jahrzehnten rief er Annabel’s ins Leben, einen Late-Night-Dining-Club mit Tanz und exquisiter Musik, bis heute ein gesellschaftlicher Treffpunkt erster Güte. Vor dreißig Jahren folgte Mark’s Club, ein exklusiver Ort für Lunch und Dinner. Seit 23 Jahren gibt es Birleys Restaurant-Club Harry’s Bar. Sie hat zwar mit ihrer berühmten Namensbase nahe am Markusplatz nichts zu tun.
Giuseppe Cipriani, dem Gründer von Harry’s Bar in Venedig, gefiel sie trotzdem so gut, dass er Mark Birley zu seinem Londoner Highlight persönlich gratulierte. Vor zwei Jahren kam noch George dazu, ebenfalls ein Club für Lunch und Dinner. Er sei, so Birley, „etwas für die jüngeren. Ein Baby.“ Jedes Etablissement zeigt, über welch vornehmen Geschmack, ausgesuchtes Stilgefühl, über was für eine Liebe zum erlesenen Detail sein Erfinder verfügt. Soignierte Ambiance überrascht nicht unbedingt bei einer gastronomischen Top-Adresse. Einem Fitness-Club gibt sie den Clou. „Als ich den Bath & Racquets Club gründete“, erzählt uns Mark Birley, „gab es in London keinen Health-Club, den ich als zivilisiert angesehen hätte. Ich meine: etwas, wo man Komfort hat, wenn man sich umzieht oder ein wenig herumsitzt. Ich dachte, auch die Duschgelegenheiten könnten viel besser sein, nicht nur Londoner Durchschnitt.“ Was Mark Birley in seinem geschliffenen Understatement meint, wenn er von zivilisiert spricht, nahm im Bath & Racquets Club folgendes Aussehen an: Kostbarer Naturstein für die Duschen (feingeäderter Onyx) und fürs Dampfbad (wunderschön geflammter Marmor). Das Interior Design der Lounge würde jedem vornehmen Gentlemen’s Club in St. James’s Street Ehre machen. Luxuriöse Polstersofas und edle Tapeten im Umkleideraum.
Jedes Mitglied wird bei der Ankunft mit frisch gewaschenen, blütenweißen Shorts und T-Shirts versehen, andere Trainingskleidung ist verpönt. Der Gerätepark steht auf poliertem Eichenparkett, angeordnet rund um einen edlen orientalischen Teppich – um nur einige Andeutungen zu machen. An dem Punkt beschwichtigt Mark Birley gerne: „Ich möchte nicht, dass die Menschen irregeführt werden, wenn man immer von Luxus im Bath & Racquets Club spricht. Das ist alles lediglich als Ergänzung gedacht: zur Seriösität und Professionalität unserer Fitness-und Squash-Faszilitäten.“ In der Tat: Der Maschinenpark wird stets auf dem neuesten technologischen Stand gehalten, die Squash-Courts sind erstklassig, nicht weniger die Crew (zwanzig Mitarbeiter), vorzüglich ausgebildete, erfahrene Profis vom Masseur über den Physiotherapeuten bis zu den persönlichen Trainern.
„Unsere Mitglieder schätzen die Eins-zu-eins-Betreuung. Ich glaube, viele von uns, ich eingeschlossen, können diese ganzen Übungen nicht machen, ohne dass jemand neben uns steht und uns sagt, was wir tun sollen und tun können. Wir wollen nicht, dass es heißt: Okay, da sind die Maschinen. Sieh’ zu, wie du zurechtkommst.“ Wie ernsthaft im Bath & Racquets Club Fitness aufgebaut wird, ist beeindruckend. Das zeigen allein schon die Erfolge der Mitglieder, die sich dem Squash-Racquet verschrieben haben. Es gibt mindestens drei bis vier Turniere pro Jahr im Club selbst. Nebenher hat die Squash-Mannschaft bereits siebenmal hintereinander den renommierten Bath Cup gewonnen. Nicht verwunderlich: Es gibt allein drei Squash-Trainer, der Head-Pro war jahrelang die Nummer zwei der Welt.
Wer sind nun diese Sportskanonen, die im Bath & Racquets Club Mitglieder sind? Ihre Zahl beläuft sich auf ca. 350. Ein Hauptteil ist englisch, viele kommen auch aus den Staaten und aus anderen Teilen der Welt. Sie zahlen im Jahr einen Beitrag von 3.750 bis 4.000 £, haben unter der Woche die Möglichkeit, von sieben Uhr morgens bis zehn Uhr abends zu trainieren, am Wochenende von zehn bis sieben. Namen? „Ich denke, das wäre etwas indiskret.“ Das Gerücht kennt natürlich einige, auf dem Top-Level der Mode-, Popund Filmbranche, aus dem britischen Hochadel. Wie auch immer. Man versteht Mark Birley gut, wenn er versichert: „So eine zivilisierte Atmosphäre können sie nur mit der richtigen Mitgliedschaft pflegen. Wir wollen kongeniale Leute haben, Menschen, die gut miteinander zurechtkommen. Ich versuche, dafür zu sorgen.“
The Bath & Racquets Club
49 Brook’s Mews, London W1Y 1LE
Internet: http://www.bathandracquetsclub.co.uk/home
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