HIGH LIFE Heft 3 | 2003
GOODWOOD
Die zehnte Ausgabe des legendären "Festival of Speed"
Jedes Jahr treffen sich Mitte Juli mehr als einhunderttausend Auto-Maniacs auf dem herrschaftlichen Anwesen des Earl of March and Kiurara in Chichester, sechzig Meilen südlich von London, um hier seltene Automobilklassiker und legendäre Fahrer live beim „Festival of Speed“ zu erleben.
Fotos: Uli Jooß
Die Geschichte von Goodwood begann 1948 auf einem verwaisten Feldflughafen der Royal Air Force, als hier der exzentrische Großvater des heutigen Earls eine Rennstrecke errichtete. „Meine Herren, Auto fahren ist lebensgefährlich. Lassen Sie uns dafür sorgen, dass es so bleibt“, wird der neunte Duke of Richmond & Gordon gerne zitiert. Seine Rennveranstaltungen gerieten immer wieder in die Schlagzeilen, da auf dem halsbrecherischen Parcours regelmäßig spektakuläre Unfälle passierten. 1966, nach einem tragischen Unfall von Stirling Moss, wurde die Rennstrecke folgerichtig geschlossen. Doch der heutige Earl of March muss das Benzin im Blut von seinem Großvater geerbt haben, denn 1993 rief er das „Festival of Speed“ auf seinem wunderschönen Landsitz wieder ins Leben. Kamen zur Premiere vor zehn Jahren immerhin schon 25.000 Besucher, so wurden gerade jetzt zur zehnten Jubiläumsveranstaltung 158.000 Autoliebhaber gezählt, die vom 11. bis 13. Juli in Chichester ihr Paradies auf Erden erlebten. Fast dreihundert Autos wurden für dieses Mega-Event eingeflogen, davon allein fünfundzwanzig historische Rennwagen mit einem Gesamtwert von 25 Millionen Dollar! Sechshundert Marschalls mussten dafür sorgen, dass die 47 500 Besucher, die mit ihrem eigenen PKW anreisten, auch vernünftig parken konnten; hätte man alle Fahrzeuge hintereinander aufgereiht, wäre eine Schlange von 114 Meilen entstanden; allein achthundert Hektar Rasen mussten nur für dieses Wochenende gemäht und vorbereitet werden.
Natürlich hatten alle befreundeten Autohersteller und Oldtimersammler in diesem Jahr wirklich alles auf zwei und vier Rädern nach Goodwood gebracht, von dem man sonst nur träumen kann: das erste Mal seit fünfzig Jahren ließ Mercedes-Benz seinen legendären W 196 Streamliner wieder in der Öffentlichkeit vorführen, und zwar mit David Coulthard gab sich ein Stelldichein mit dem aktuellen SLR, der in Kürze wieder für Aufsehen auf den Straßen sorgen wird. Am Volant des Flügeltürers saß übrigens kein Geringerer als Sir Stirling Moss.
Zur Erinnerung an die große Zeit von Rudolf Caracciola wurde ein Mercedes-Benz 710 SSKL aufgefahren und Rennlegende John Surtees chauffierte einen Original-Silberpfeil W 154 aus dem Jahre 1939. Einer von nur drei weltweit existierenden Bugatti Typ 59 war ebenso zu bewundern wie der aus dem Jahre 1936 stammende Bentley „Pacey Hassan Special“. Natürlich gab sich auch die „Scuderia“ die Ehre, unter den mehr als ein Dutzend Schönheiten aus Maranello war ein Ferrari Dino aus dem Jahre 1960 nach Goodwood gekommen und natürlich war auch Michael Schumachers Weltmeisterauto aus dem vergangenen Jahr, der Ferrari F 2002, mit Testfahrer Felipe Massa zu Gast. Der Geschwindigkeitsrekord für den Rennparcours, der „Hillclimb Competition“, eine halsbrecherische Strecke über eine von Bäumen gesäumte Allee auf einer Länge von 1,16 Meilen, wird immer noch von Nick Heidfeld gehalten; auch der BMW-Williams Pilot Juan-Pablo Montoya kam an die sensationelle Zeit von „Quick Nick“ nicht heran. Weniger für PS-Fanatiker als für Ästheten werden alljährlich fünfzig der schönsten Oldtimer weltweit von einer prominenten Jury beim „Cartier Style & Luxe“ bewertet, in der von Sir Terence Conran bis Brian Ferry schon zahlreiche namhafte Prominente gesessen haben.
Der Gesamtsieger in diesem Jahr war ein 1953 Alfa Romeo BAT-5, in der Kategorie „The Spirit of Ecstasy“ belegte ein traumhaft schöner Rolls-Royce Phantom aus dem Jahre 1934 den ersten Platz. Nicht nur die 158 000 Besucher waren denn auch von diesem Jubiläumsfestival restlos begeistert, auch der Earl war very amused.
Weitere Informationen: www.goodwood.co.uk
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