HIGH LIFE Heft 3 | 2003
Hilditch & Key
Londons bester Hemdenschneider
St. James’s Street, die noble Shoppingmeile im Londoner Westend, hat eine nicht weniger renommierte Seitenstraße, die Jermyn Street. Hier herrscht eine sehr maskuline Atmosphäre: Die Shops wenden sich nahezu ausschließlich an Herren. Hemden kauft man auf den Nummern 73 und 37, bei Hilditch & Key.
Text: Günter Ned | Fotos: Klaus Lorke
The Times Weekend“ führt Hilditch & Key als Nummer eins unter den Shirtmakern von London: Das Preis-Leistungs-Verhältnis (Hemden aus der Konfektion kosten zwischen ca. £ 70,– bis 100,–) sei nicht zu schlagen. Maß-Kunden wie Karl Lagerfeld oder Ralph Lauren gehen weiter, aber auch ohne falsche Bescheidenheit der heutige Besitzer, Michael Booth: Hilditch-&-Key-Hemden seien die feinsten der Welt. Damit hätte Hilditch & Key sein Top-Renommee mühelos ins 21. Jahrhundert übertragen, ein Renommee, auf das die Firma schon zwei Jahrhundertwenden früher stolz sein konnte. Als sich zwei Angestellte einer Hemdenfirma in der Duke Street, Charles F. Hilditch und W. Graham Key, selbständig machten und 1899 in der Tottenham Court Road ein eigenes Geschäft eröffneten, dauerte es nicht lange, bis die edlen Erzeugnisse der beiden Newcomer zu den musts der modebewussten Londoner Herrenwelt gehörten.
Und, in der Tat, auch heute, in seinen beiden Shops in der eleganten Jermyn Street (eine weitere Boutique gibt es in der Rue de Tivoli in Paris), hat Hilditch & Key eine Qualität zu bieten, die das Label mit Recht zum Favoriten für jeden Mann macht, vorausgesetzt, er schätzt auch bei Hemden erstklassige Arbeit. Eine ästhetische Tradition, wie man sie sonst nur bei Maßhemden kennt, ist bei Hilditch & Key einzigartigerweise auch für Konfektionsware obligat: Sind die Hemden gemustert, dann grundsätzlich so, dass sich der Verlauf des Musters nirgendwo verschiebt. Streifen zum Beispiel setzen sich überall exakt und ununterbrochen fort, auch an den schwierigsten Stellen, am Kragenumschlag, am Schulteransatz der Ärmel, bei den Manschetten, ja selbst vorne, wo die Knopfleiste das Hemd schließt.
Damit nicht genug: Jedes Hilditch-&-Key-Hemd wird von Hand zugeschnitten, die Teile für den Körper mit der Schere, die Krägen mit einem Messer. Zum Ganzen genäht wird es in herkömmlicher Manufakturarbeit auf Maschinen, die nicht viel anders arbeiten als zur Gründungszeit.
Typisch auch die Säume mit ihren kurzen Stichlängen, die doppelten Krägen sind von Hand gewendet, die Knöpfe grundsätzlich aus Perlmutt, und auch der Stoff stellt hohe Ansprüche zufrieden: In der Regel kommt feinste Baumwolle zum Einsatz, das Rohmaterial bezieht man vorwiegend aus der Karibik oder dem Sudan. Zum Design: Selbstverständlich werden die klassischen Outfits bedient, Hilditch & Key entwickelt aber auch zweimal im Jahr exklusive eigene Muster. Wer nicht zur Stange greifen mag, sondern auf Maßarbeit besteht, der lässt sich seine Hilditch & Keys nach individuellem Schnittmuster nähen, die Initialen ins Hemd sticken und in die Knöpfe gravieren. Nicht zuletzt solche Feinarbeit hat dazu geführt, dass auch viel europäische Prominenz aus Politik und Business die Kundenliste ziert.
Man sollte bei Hilditch & Key freilich nicht nur nach Hemden schauen. Es gibt auch wunderschöne Morgenmäntel aus Seide zum Beispiel und, aus dem gleichen Material, Krawatten in attraktiver Form. Sie sind etwas länger als normal geschnitten und bleiben bis hinauf zum Knoten recht breit. Dank der umsichtigen Geschäftspolitik von Michael Booth muss man nicht mehr nach London oder Paris reisen, um Hilditch-&-Key-Hemden zu erwerben. Inzwischen führt sie auch der gehobene Fachhandel in den Staaten, im Fernen Osten und in ganz Europa.
Internet: http://www.hilditchandkey.co.uk/
Die aktuelle HIGH LIFE Ausgabe 2/2003, Heft 3, erhalten Sie in unserem Online-Shop, einfach auswählen und bestellen, oder genießen Sie HIGH LIFE dreimal im Jahr im kostengünstigen Abonnement frei Haus.




















