HIGH LIFE Heft 2 | 2003
Loch Lomond
Einer der exklusivsten Golf Clubs der Welt
Es ist wohl der exklusivste Golf Club Europas, vergleichbar mit dem US-amerikanischen Augusta. Er liegt an einem der berühmten Seen des Hochlands, dem Loch Lomond, und hat atemberaubende Schönheiten zu bieten - for members only und für ihre Gäste.
Text: Günter Ned | Fotos: Ydo Sol
Das steinerne Tor am 18. Loch stammt aus dem 15. Jahrhundert soweit belegen es jedenfalls die Aufzeichnungen, es kann auch älter sein. Auf dem Höhepunkt der Siegerehrung führt ein Dudelsackpfeifer im traditionellen Kilt den Champion durch dieses Tor zum 18. Grün. Dann wird ihm feierlich die Trophäe überreicht - eine stimmungsvolle und, im Geburtsland des Golfsports, auch sinnige Weise, den Gewinner der Barclays Scottish Open zu ehren.
Das Turnier wird Jahr für Jahr im Loch Lomond Golf Club ausgetragen. Eines der wichtigsten Ereignisse auf der europäischen Tour. Zu jenem steinernen Tor gehört eine steinerne Mauer und das ist schon alles, was heute von Rossdhu Castle geblieben ist, dem angestammten Sitz des Colquhoun-Clans, einer der nobelsten und ältesten Familien Schottlands. Die Royals weilten hier schon immer gerne, auf der Halbinsel am Westufer des Loch Lomond rund dreißig Kilometer nordwestlich Glasgow. Überliefert ist, dass Maria Stuart, die schöne schottische Königin, in der Burg, zu der die Mauer einst gehörte, einige ihrer leidenschaftlichsten Liebesbriefe geschrieben hat.
Die Burg wurde unter anderem deshalb zur Ruine, weil sich die Colquhouns 1773 nebenan ein neues Herrenhaus bauten und dafür die Steine des Castles verwendeten. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts zog der Clan aus (das Gebäude zu erhalten, war zu teuer geworden) und überließ das Heim dem Zahn der Zeit. Inzwischen erstrahlt das georgianische Mansionhouse wieder in alter Schönheit, verwöhnt seine Gäste zugleich mit allen modernen Annehmlichkeiten. Rossdhu House präsentiert sich heute als nobles Heim des wohl exklusivsten Golf Clubs Europas, vergleich etwa mit dem US-amerikanischen Augusta. Das britische Königshaus zählt zu den Mitgliedern, außerdem Zelebritäten auf gleichem Level aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in aller Welt.
Die Mitgliedschaft im Loch Lomond Golf Club wird bewusst international gehalten, Repräsentanten aus über vierzig Ländern geben sich ein Stelldichein. Über die Anzahl der Mitglieder schweigt die Clubleitung ebenso wie über deren Identität. Immerhin konnten wir bei unserem Besuch erfahren, dass Prinz Andrew, der Bruder des Thronfolgers, die Stuart-Suite sehr liebt; auch, dass man die Beanspruchung des 18-Loch-Championship-Platzes auf 15.000 Runden pro Jahr beschränkt (die anderen schottischen Kurse rechnen mit etwa 45.000 Runden). Die Absicht ist nicht nur, den Platz in erstklassiger Form zu halten. Es geht im Loch Lomond Golf Club schlicht und einfach nicht nur um Golf. Es geht auch darum, einer globalen, adeligen und bürgerlichen Crème der Gesellschaft eine perfekt geschützte Zuflucht voller Luxus und Schönheit zu bieten. Die Members relaxen, veranstalten Private Dinings, aber auch Arbeitsmeetings. Sie führen im Club ihre Gäste aus, machen Bootsausflüge zu den Seeinseln, jagen Fasane und Rotwild, fischen Hecht und Forelle, kurz, sie genießen einen der idyllischsten Flecken Schottlands, und dabei spielen sie gelegentlich auch Golf.
Der amerikanische Immobilien-Investor Lyle Anderson, Präsident und, zusammen mit der ebenfalls amerikanischen Investment-Gesellschaft DMB, Eigentümer des Clubs, scheute kein Geld und keinen Aufwand, um das Herrenhaus der Colquhouns in all der Pracht und Behaglichkeit wiederherzustellen, die es im 18. Jahrhundert gehabt haben könnte. Dabei versuchte man erfolgreich, den viel strapazierten, leicht femininen englischen Landhausstil zu vermeiden.
Es gibt 23 Suiten im Mansionhouse, im Carriage House, in den Gardener Cottages am 3. Loch. 2002 kamen sechs wunderschöne Suiten im neu errichteten Wohngebäude The Point dazu. Alle Interieurs, auch das Wohnzimmer, die Bibliothek und die anderen Gesellschaftsräume im Herrenhaus zeigen sich männlich schottisch, von den Farben und Stoffmustern bis zu den dekorativ eingesetzten Sporrans, den berühmten Täschchen, die traditionell vorne auf dem Kilt getragen werden.
Im Clan Dining Room, einem der beiden Gourmetrestaurants, sind mit den Sporrans sogar die Vorhänge zurückgebunden. (Man nimmt in diesen Restaurants nur das Dinner ein. Tagsüber, von 7 Uhr morgens bis zum letzten Whisky in der Nacht, stärkt man sich in der Spike Bar. Ihre Terrasse geht zum 9. Loch, günstig für ein kleines Break in der Mitte der Runde.)
Der Golf-Course, den Lyle Anderson für sein handverlesenes Publikum pflegen lässt, stieg seit der Eröffnung 1994 zügig unter die besten fünfzig Plätze der Welt auf. In einem berühmten Lied werden die „bonny, bonny banks of Loch Lomond“ beschworen. Die 18-Loch-Anlage, entworfen von den Champions Tom Weiskopf und Jay Morrish, führt alle Reize dieser wunderschönen Seeufer vor, die grünende, blühende, bewaldete Halbinsel, auf der der Kurs liegt, die romantische Hügellandschaft zur einen Seite, den See und seine Inseln zur anderen und drüben am anderen Ufer den 973 Meter hohen Berg Ben Lomond.
TIPP
STÜTZPUNKT AM LOCH
DAS CAMERON HOUSE
Als komfortabler Stützpunkt unmittelbar am Seeufer empfiehlt sich das Cameron House. Das Fünf-Sterne-Refugium ist von 100 Acres Parkland umgeben, war früher Sitz der angesehenen schottischen Familie Smollet. Liebevoll restauriert bietet es in seinen Zimmern und Suiten erstklassigen Komfort. Man wohnt in eleganten Ambiancen, genießt sehr guten Service rund um die Uhr und pflegt bestens bewirtet seine Gourmetgelüste. Der Georgian Room ist ein exklusives Fine Dining Restaurant.
Weitere Infos: www.cameronhous.com
Internet: http://www.lochlomond.com/
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