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HIGH LIFE Heft 1 / 2002

Chukkers, High-Goals and Neckshots
DIE FASZINATION DES POLOSPORTS

Polo gilt als die exklusivste Sportart der Welt. Dies hat seine Ursache in den hohen Anschaffungskosten der Pferdes. Ein Polopony zeichnet sich durch ein sehr hohes Beschleunigungsvermögen, Mut, Kampfkraft und Wendigkeit aus. Die Kosten für ein solches Pferd betragen zwischen 5000 und 25.000 Dollar, jeder Spieler benötigt mehrere Pferde.

Sechs Pferde rasen in fliegendem Galopp über den zugefrorenen St.-Moritz-See. Ihre Hufe sind mit Spikes versehen, so dass sie Halt und Standfestigkeit auf dem Eis haben. Bei diesen halsbrecherischen Manövern sollte man meinen, das einzige Ziel der Reiter sei, sich im Sattel zu halten: weit gefehlt, sie versuchen, mit ihren eineinhalb Meter langen Schlagstöcken, den so genannten Mallets, auch noch einen kleinen roten Plastikball über das Spielfeld zu treiben, schlagen dabei nicht nur seitlich, sondern auch diagonal unter dem Hals oder mit Tailshots hinter dem Rumpf des Pferdes. Sie meinen, das ginge nur ohne Körperkontakt wie beim Basketball? Weit gefehlt, Polo ist ein absoluter Kampfsport, hier wird in vollem Tempo gecheckt und gerangelt – no doubt about it, Polo ist kein Sport für Schattenparker und Hemdenbügler!

Bei allem steht die Sicherheit der Pferde jedoch an oberster Stelle. Und die Ponys, obgleich vor Schweiß triefend, haben nicht weniger Spaß an der Sache als die Spieler, gute Polopferde würden dem Ball nämlich auch ohne Reiter nachjagen. Der genaue Ursprungsort des Polospiels ist noch umstritten, überliefert ist, dass persische Reiter bereits vor über 2 600 Jahren auf ihren Pferden kleinen Bällen nachjagten, womit Polo der älteste Mannschaftssport der Welt ist.

In seinem Wesen hat sich dieser kampfbetonte Sport bis heute wenig verändert, lediglich die Regeln, die Trainingsmethoden und die Ausrüstungen sind ständig weiterentwickelt worden. Von Persien kam das Polospiel nach Indien, wo diese Sportart noch heute geschätzt und verehrt wird. Die Engländer kamen erstmals in Ostindien, in Manipur, mit dem so genannten Pulu in Kontakt, wo die Stammesangehörigen dieses Spiel spielten. Die Briten waren spontan begeistert, und so fanden fortan regelmäßige Wettkämpfe zwischen englischen Soldaten und den Indern statt.

 Die Popularität führte 1859 zur Gründung des ersten englischen Polo-Clubs in Silchar, gefolgt vom Calcutta Polo Club, welcher im Jahr 1862 gegründet wurde und auch heute noch der älteste existierende Polo-Club ist. 1873 gründeten die Engländer den ersten Club auf ihrer Heimatinsel, den Hurlingham Polo Club, zugleich der erste Club mit festen Regeln. 1873 erreichte die Sportart Amerika, wo James Gordon-Bennet den Westchester Polo Club in Newport ins Leben rief. Die Amerikaner fanden schnell Gefallen an diesem Spiel. Später entschlossen sie sich dazu, für die Spieler die Handicap-Regelung einzuführen, worauf 1910 dieses amerikanische System auch von den Engländern und Indern anerkannt wurde. Englische Ranger brachten Polo nach Südamerika, wo die neue Sportart vor allem in der Gegend rund um Buenos Aires spontan viele Anhänger fand.Durch eine Kreuzung südamerikanischer und englischer Pferde wurde eine Rasse gezüchtet, die sich als am besten für den Polosport geeignet erwies und auch heute noch als das ideale Polopferd gilt. In den Kriegsjahren geriet die Sportart ein wenig in Vergessenheit. In Argentinien indessen verbesserte man sein Wissen und Können in dieser Zeit und erreichte so eine weltweite und auch heute noch unangefochtene Dominanz in der Poloszene. Heute wird auf allen Kontinenten, in über 50 Ländern, Polo gespielt. Weltweit finden glanzvolle Turniere statt, bei welchen faszinierender Polosport gezeigt wird.

In Indien wird Polo jedoch nicht nur auf dem Rücken von Pferden gespielt, sondern auch als „Elephant Polo“ hoch oben auf den grauen Dickhäutern. Ursprünglich als kurzweiliger Zeitvertreib der Maharadschas und Fürsten geboren, haben in der Neuzeit diese Art des Polo-Spiels der Engländer Jim Edwards und der Schotte James Manclark wieder entdeckt. Die leidenschaftlichen Polospieler suchten eine neue Herausforderung, und so wurde Elephant Polo erstmals wieder in Edwards „Tiger Top Resort“ in Nepal veranstaltet. Beim 1. Anantara Hua Hin Gold Cup in Thailand sollte das außergewöhnliche Event zum einen auf die Destination aufmerksam machen, zum anderen das „Elephant Conservation Centre of Thailand“ unterstützen, das für das Überleben der Dickhäuter in Thailand auch mit ungewöhnlichen Aktionen kämpft. In zwei Spielabschnitten von zehn Minuten Dauer treten zwei Teams auf drei Elefanten gegeneinander an. Jeder Elefant trägt einen Spieler und einen Mahout, einen gelernten Elefantentreiber, dessen Aufgabe es ist, das Tier in die jeweilige Richtung zu dirigieren.

Das Spiel Polo ist eine beritten ausgeführte Ballsportart mit dem Ziel, Tore zu erzielen und andererseits auch zu verhindern. Ein Polospiel setzt sich aus mehreren Spielzeiten, den so genannten Chukkers, oder auch Chukkas, zusammen. Ein Chukker dauert sieben Minuten, bzw. wenn sich der Ball noch im Spiel befindet, maximal siebeneinhalb Minuten. In Europa werden meist vier solche Chukkers gespielt, im High Goal in Argentinien oder den USA, der „Königsklasse“ des Polos, bis zu neun Chukkers.

Bei einem Remis zum Ende der Spielzeit gibt es ein Entscheidungs-Chukker, das sogenannte Sudden Death.  Zwischen jedem Chukker ist eine Pause von zwei oder vier Minuten, respektive fünf oder zehn Minuten   in der Halbzeit des Spiels, um die Pferde zu wechseln. Ein Pferd darf höchstens für zwei nicht aufeinander folgende Spielzeiten eingesetzt  werden. Die Spielzeiten werden, wie zum Beispiel beim Eishockey auch, effektiv  gemessen, die Uhr wird bei jedem Pfiff des Schiedsrichters angehalten. Nach jedem Tor werden die Seiten gewechselt – nach einer Pause wird das Spiel am Ort des Abpfiffs wieder aufgenommen. Ein klassisches Polospiel auf Rasen wird von zwei berittenen Umpires und einem Schiedsrichter geleitet. In Zweifelsfällen entscheidet der Third Man, ein  Oberschiedsrichter am Spielfeldrand. Beim Snow Arena Polo hat man einen einzelnen Schiedsrichter, der auf einem erhöhten Sitz (ähnlich wie beim Tennis) auf dem Spielfeld platziert ist und dessen Entscheidungen endgültig sind. Die Schiedsrichter leiten die Spiele  nach einem klar festgelegten Regelwerk – beim Snow Arena Polo nach dem der United States Polo Association (Rules of Arena  Polo). Während auf Rasen mit einem ca. 130  Gramm schwere weißen Ball mit ca. 7,5 cm  Durchmesser (meist aus gepresstem Kunststoff,  früher aus Holz, ursprünglich aus Weideknorren – tibetanisch pulu)  gespielt wird, verwendet man auf Schnee größere, meist mit Luft gefüllte, farbige Kunststoffbälle.

 

DAS SPIELFELD 
Das international offizielle Maß eines mit Linien und Distanzzeichen (jeweils 30, 40 und 60 Yards bis zum Tor) markierten Spielfeldes beträgt 182 Meter in der Breite und 274 Meter in der Länge, plus Sicherheitszonen. Immer mehr Veranstalter gehen jedoch mittlerweile dazu über, auf kleineren Feldern spielen zu lassen – wegen der besseren Übersicht für die Zuschauer. Der Nachteil ist hierbei, dass das Spiel verlangsamt wird und es zu kürzerem Passspiel kommt. Polo auf Schnee wird immer auf kleineren Feldern ausgetragen, da die physische Belastung des meist auch in höheren Lagen gespielten Winterpolos für die Pferde noch anspruchsvoller ist als beim Sommerpolo auf Rasen. Die nach oben offenen und mit  Pfosten markierten Tore haben beim Rasenpolo eine Breite von 7,30 Meter. Beim Snow Arena Polo beträgt die Spielfeldgröße mindestens 90 x 45 Meter. Die zwei Meter hohen Banden auf der Seite sind Bestandteil des Spielfelds. Am Ende des Spielfeldes befindet sich die Grundlinie, dahinter ein Auslauf von zwanzig Metern, die Tore in der Mitte der Grundlinie haben einen Abstand von Pfosten zu Pfosten von drei Metern.

DIE SPIELER
Beim Rasenpolo besteht ein Team aus je vier Feldspielern, beim Snow Arena Polo aus drei Spielern, eventuell ergänzt durch Ersatzspieler. Die Spieler zeichnen sich durch reiterisches Können, gute Schlagtechnik, durch ein hohes Verständnis für die Taktik sowie durch eine hohe Antizipations- und Reaktionsfähigkeit aus. Jeder Spieler hat ein persönliches Handicap, das beim Anfänger bei - 2 beginnt und auf das Weltklasseniveau von + 10 gesteigert werden kann (ein Amateurspieler erreicht bei vollem Einsatz seiner Freizeit kaum ein  höheres Handicap als + 2). Die individuellen Handicaps werden von Kommissionen aufgrund der Beobachtung von Spielen jährlich neu festgelegt.

 DIE AUSRÜSTUNG
Die Spieler sind ausgerüstet mit einem Mallet  genannten Schlagstock, der etwa 1,50 m lang ist (je nach Höhe des Ponys und  Vorliebe des Spielers gibt es unterschiedliche Längen, verschiedene Gewichte und frei  wählbare Spann- und damit Schwungkraft  der Stöcke). Der  Mallet  ist aus Bambus, an dem eine hölzerne, abgekantete „Zigarre“  als die eigentliche Schlageinheit angebracht  ist. Der Griff ist mit einer Stoffschlinge ausgestattet,  die um die Hand gewickelt wird  und dem Schlag Stabilität verleiht. Zum Schutz des Spielers sind ein Helm – vernünftigerweise  ergänzt durch ein Gesichtsgitter -  sowie lederne Knieschoner vorgeschrieben. Die Beine der Poloponys müssen mit weichen  Bandagen gegen Schüsse und Schläge  geschützt werden; der Schweif wird hochgebunden, damit der Schlagstock sich nicht darin verfangen kann. Geritten wird auf leichten Sätteln ohne Kniepauschen; die zweifache Zügelführung mit Hebel- und Stützzügel verhindert beim Bruch eines Zügels die Steuerlosigkeit und unterstützt das Pferd in seinem Gleichgewicht. Vorgeschirr und Stoßzügel garantieren den Halt des Reiters auch bei extremen Richtungsänderungen und Stopps.

DAS POLOPONY
Das heutige Polopferd (Stockmaß 155–160 cm) ist längst kein Pony mehr. Es hat  einen Ursprung in der Veredelung der ursprünglichen Mountain-Ponys des Himalaya  125 – 135 cm), der Manipuris von Assam, mit englischen oder amerikanischen Vollblütern, Arabern und anderen, vor allem südamerikanischen Blutpferden. Die heute noch dominierende argentinische Polozucht zeichnet sich durch widerstandsfähige Pferde mit hohem Beschleunigungsvermögen, Mut, Kampfkraft, Wendigkeit und Aufmerksamkeit aus.

DAS TEAM
Ein Poloteam wird einerseits aufgrund einer Turnierausschreibung (z. B. Teams mit Handicap bis 4 [Low Goal Turnier ], bis 8 oder 12 [ Medium] oder bis 20 oder Open maximal 40, wie im Argentine Open) und andererseits aufgrund der Kumulation der persönlichen Handicaps der vier Spieler (drei beim Snow Arena Polo) zusammengestellt, so dass alle Teams in etwa über die gleiche Spielstärke verfügen. Bei Ungleichheit der Team-Handicaps wird die Differenz in einen bestimmten Tore-Vorsprung für das von der Zusammensetzung her schwächere Team umgesetzt.

DIE SCHLÄGE
Ähnlich wie beim Tennis wird sowohl Backhand als auch Forehand geschlagen – und dies auf beiden Seiten des Pferdes (rechte Seite = Offside, linke Seite = Nearside ). Offside oder Nearside gibt es möglichst zielgenaue Schläge, vor-, rückwärts oder in der Diagonale offen. Schläge unterhalb des Pferdehalses nennt man Neckshots, solche hinter dem Pferderumpf Tailshots . Damit  die wichtigsten Regeln zum Tragen kommen können, muss der Schlagstock auch von Linkshändern immer rechts geführt werden.

DIE REGELN
Das Regelwerk im Polo ist – mit über 100 Seiten für Polo auf Rasen – überaus umfangreich und dementsprechend komplex. Die Sicherheit der Pferde und Spieler steht immer im Mittelpunkt, so auch bei der wichtigsten aller Regeln, dem so genannten Wegrecht. Dieses Recht besagt, dass derjenige Spieler, der sich dem Ball am nächsten und Offside schlagbereit auf der Linie des Balles befindet, weder von  hinten noch von vorne behindert werden darf. Er darf nur seitlich „abgeritten“ (mit angelegtem Körper wie beim Eishockey gecheckt) oder aber mit dem Stock beim Schlag behindert werden (Hooking ). Im Falle eines Foulspiels darf die behinderte Mannschaft am Ort des Geschehens (on the spot ) einen Strafstoß ausführen; bei schlimmeren Vergehen wird der Strafstoß nach vorne auf die 60-Yard, die 40-Yard, die 30-Yard – oder gar als automatisches Tor – hinter die Goallinie verlegt (Rasenpolo). Ähnlich wie beim Fußball oder auch im Eishockey kann ein strafbarer Spieler verwarnt oder auch für einen Chukker oder gar vom ganzen Spiel ausgeschlossen werden. Ist beim Snow Arena Polo der Ball im Aus – hinter der Torlinie – wird er vom verteidigenden Team wieder eingeschlagen. Geht der Ball über die Seitenbahnen ins Aus, wird er auf der Spielfeldmitte vom Schiedsrichter eingeworfen.

POLO ON SNOW
Ist Polo im Sommer auf Rasen schon ein Ereignis, bei dem das Können der Reiter und die Schnelligkeit und die Wendigkeit der Pferde die Zuschauer zu Standing Ovations animiert, so ist Winter-Polo auf einem Schneespielfeld oder dem zugefrorenen St.-Moritz-See noch faszinierender, sind doch hier die Anforderungen an die Spieler und vor allem an die Ponys noch um ein Vielfaches höher. Seit 1985 findet das bedeutendste Winter-Polo-Event alljährlich im Januar in St. Moritz statt: der Cartier Polo World Cup on Snow. Die mondäne Perle des Engadins gibt mit ihren luxuriösen Hotels und den exklusiven Restaurants diesem Spektakel einen würdigen Rahmen. Mehr als 10 000 Zuschauer verfolgten in diesem Jahr die heiß umkämpften Finale, die von mehr als 10 000 begeisterten Zuschauern verfolgt wurden. An dieser Stelle muss auch einmal dem Vorurteil des Snobismus beim Polo entgegengetreten werden: die Zuschauer brauchen keinen Eintritt zu bezahlen, sie bekommen atemberaubenden Sport mit Herzstillstand-fördernden Szenen gratis geboten! Das Endspiel um den Cartier Polo World Cup wurde zwischen der Heimmannschaft von Cartier und dem amerikanischen Dynegy-Team ausgetragen, das in seinem kanadischen Captain John W. Manconi und dem Argentinier Alejandro Diaz Albergi, einem der weltbesten Polospieler überhaupt, ihre besten Player hatte. Es war ein Herzschlagfinale, das vor allem auf taktisch hohem Niveau vorgetragen wurde und am Ende verdient mit 5:4 für Dynegy endete. Vervollständigt wurde das Teilnehmerfeld vom Team des Sponsors Leading Winter Events of St. Moritz und dem traditionsgemäßen Team der Bank Hofmann unter der Führung der Schweizer Polopioniere Piero Dillier und Reto. G. Gaudenzi. Gaudenzi, der „Vater des Snow Polo“, ist mittlerweile mit seinem Berliner Unternehmen St. Moritz Consulting Ausrichter des zweiten bedeutenden Winter-Poloturniers, dem Veuve Clicquot Snow Arena Polo World Cup in Kitzbühel. Weitere Polo-on-Snow-Events finden unregelmäßig in Mègeve und Aspen statt.

Alle Poloclubs weltweit finden Sie unter:
Internet: www.polocenter.com


Interessante Infos von Polospielern für Polospieler:
Internet: www.pololine.com

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