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Country Style Heft 55 | Frühling 2011

Mode ist ihr Business, das Zuhause ihre Passion

Sie besitzt in der Modebranche einen ausgezeichneten Namen: Gabriella Schnitzler. Die gebürtige Schweizerin gehört zu den ganz wenigen Frauen in Deutschland, die es an die Spitze eines internationalen Konzerns geschafft haben. Seit 2008 ist Gabriella Schnitzler CEO von Prada Deutschland. Country Style sprach mit der sympathischen Managerin über Stilfragen, Quoten und ... einen jodelnden Hamster.

Ein Interview von Gabriele Isringhausen mit Fotos von Ydo Sol

Nur dreizehn Prozent der Führungskräfte in deutschen Chef- und Vorstandsetagen sind weiblich – die Zahlen für Europa sehen nicht besser aus. Das rief jetzt die EU-Kommissarin Vivianne Reding auf den Plan. Sie will mit Hilfe einer verbindlichen Quote bis zu 40 Prozent der Aufsichtsräte in europäischen Unternehmen mit Frauen besetzen. Eine gute Idee?

Eigentlich bin ich keine große Befürworterin der Quote. Aber eine stärkere weibliche Kompetenz würde den Unternehmen schon gut tun. Frauen haben einen ganz anderen Stil, auch einen ganz anderen Führungsstil als Männer. In Deutschland ist es für Frauen in leitenden Positionen – im Gegensatz zu Frankreich beispielsweise – immer noch sehr schwierig, ihre berufliche Arbeit mit einer Familie zu verbinden. Französische Frauen sind auch viel selbstbewusster, was die Betreuung ihrer Kinder betrifft. Eine Ganztagsschule oder eine Nanny sind völlig normal. Außerdem gibt es zu wenig Solidarität unter Frauen. Uns fehlen die Seilschaften der Männer.

 Sie selbst sind seit 2008 CEO von Prada Deutschland, waren davor in leitenden Positionen bei bedeutenden Weltunternehmen wie L’Oréal und Louis Vuitton. Auf welche eigene Leistung sind Sie besonders stolz?

Ich wurde nicht in diese Welt hineingeboren, sondern bin unter ganz normalen wirtschaftlichen Verhältnissen mit zwei Brüdern in Zürich aufgewachsen. Aber ich war immer neugierig, wollte in die Welt hinaus, wollte lernen und erfahren. Ich war einmal die jüngste Country-Managerin bei L’Oréal. Dass ich durch harte Arbeit und Leistung meinen eigenen Weg gegangen bin, ja, das macht mich schon ein wenig stolz. Sie haben keinen Achtstundentag, auch abends gibt es sicherlich noch Termine, Geschäftsessen.

Woraus schöpfen Sie Ihre Kraft und Motivation?

Mir macht mein Job einfach riesigen Spaß. Das ist schon mal die beste Motivation. Es gefällt mir, mich immer wieder auf neue Situationen einzustellen. Da spielt es keine Rolle, ob ich einen Zehn-, Zwölf- oder Vierzehnstundentag habe. Wenn ich mich abends mit Kunden oder Journalisten treffe, dann empfinde ich das nicht als Arbeit. Das sind in der Regel Begegnungen mit interessanten Menschen, für die ich dankbar bin. Kraft schöpfe ich aus meinem Privatleben. Der Kontakt zur Familie, zu Freunden, das ist mir wichtig.

Wie können Sie am besten entspannen?

Ich höre wahnsinnig gern Opern. Besonders Norma, die tragische Oper von Vincenzo Bellini, liebe ich und lege sie mir immer wieder mit unterschiedlichen Interpreten auf. Ich genieße meine neue Wohnung, die Nähe zur Isar und zum Englischen Garten. Seit ich meine Havaneserhündin Sally habe, ziehe ich mir oft die Gummistiefel an und laufe mit ihr durch die Natur. Als ich 2008 von Düsseldorf nach München zog, wollte ich unbedingt einen Hund. Mit Sally und mir war es Liebe auf den ersten Blick. Der Wurf war gerade zwei Tage alt, sie lag ganz oben auf und um mich war es geschehen. Außerdem koche ich sehr gern, am liebsten mit oder für Freunde. Ich lege großen Wert auf frische Kräuter. Meine Freundin Hannelore lebt an der Côte d’Azur. Vor ihr bekomme ich zum Beispiel Eisenkraut. Daraus lässt sich ein wunderbarer Tee zubereiten. Kochen ist für mich wie eine Therapie, es entspannt mich total und ich kann wunderbar abschalten. Das beginnt schon beim Einkauf auf dem Viktualienmarkt.

Was liegt Ihnen bei der Gestaltung Ihrer Wohnung besonders am Herzen?

Mein Bestreben geht nicht dahin, dem jeweils aktuellen Trend zu folgen, sondern ein wohnliches Ambiente zu schaffen. Ich bin kein Mensch, der sich teure Möbel in die Wohnung stellt, nur weil sie von einem angesagten Designer stammen. Mein Zuhause muss Gemütlichkeit ausstrahlen und eine gewisse Eleganz haben. Dazu gehören natürlich einige ausgesuchte hochwertige Stücke wie meine Ledersofas. Sie empfinde ich als zeitlos und schön, außerdem sind sie äußerst bequem. Mit Kissen oder Plaids kann man das optische Bild immer wieder variieren. Auch farblich mag ich es eher dezent. Bücher, Bilder, individuelle Lampen und Fotografien, die mir am Herzen liegen, sind wichtig. Eine große Küche ist für mich ein Must have. Die Terrasse und der Garten sind im Sommer mein zweites Wohnzimmer. Und dann, ich gestehe (sie lacht), besitze ich noch das eine oder andere Kuscheltier. Den Hamster Sepp zum Beispiel hat mir eine Freundin geschenkt. Er kann sogar jodeln.

Welche Accessoires dürfen in Ihrer Wohnung nicht fehlen?

Blumen und ein Meer von Kerzen. Kerzenlicht sorgt für ein stimmungsvolles Ambiente und taucht jeden Raum in ein ganz besonderes Licht.

Was verstehen Sie unter Stil und wie definieren Sie diesen?

Stil ist etwas sehr Persönliches. Man kann ihn eigentlich nicht definieren. Stil muss von innen kommen, muss authentisch sein. Mein Wohnstil ist eher gemütlich. Mein Stil, mich zu kleiden, ist dagegen geradlinig, klar in Schnitt und Farbe.

Glauben Sie, dass Stilempfinden eine Frage der Gene ist oder kann man Stil erlernen?

Spontan würde ich antworten, Stilempfinden kann man erlernen. Andererseits sind wir doch auch alle durch unser Elternhaus geprägt. Hat die Mutter Lippenstift benutzt, kennen wir sie schick gekleidet, legte sie auf Äußerlichkeiten wert? Wenn das so war, bin ich sicher, dass wir manches automatisch übernommen haben. Ich zum Beispiel bin jemand, der nicht so schnell Wurzeln schlägt, schon öfter umgezogen ist. Trotzdem sagen meine Freunde immer: typisch deine jetzige Wohnung, genau dein Stil. Mein Stil zieht mit mir um. In den Genen liegen sicher eher Dinge wie naturwissenschaftliche Begabungen, das Talent zu malen oder eine gute Stimme.

Was sind für Sie die DOS und DONT’S in Sachen Mode?

Die gibt es im Grunde gar nicht mehr. Die Mode hat sich demokratisiert. Heute kann man Prada mit Zara kombinieren. Ich persönlich lege allerdings absoluten Wert auf gute Handtaschen und perfekte Schuhe. Diese beiden Accessoires müssen zum Outfit passen, unbedingt.

In welcher Stadt kaufen Sie am liebsten ein?

Oh, da gibt es mehrere. Um es gleich vorwegzunehmen, es ist weder Paris noch Mailand. In Düsseldorf komme ich an Flamant nicht vorbei. Flamant-Möbel und -Accessoires haben das gewisse Etwas, das mich immer wieder neu fasziniert. Besonderen Schmuck in einem unverwechselbaren Stil findet man bei „Starke Stücke“ in der Münchner Ledererstraße und auch in Hamburg gibt es zwei bis drei Modegeschäfte, die ich favorisiere. Meine Lieblingsstadt zum Einkaufen aber ist Wien. Überhaupt ist Wien meine Lieblingsstadt. Die wunderbare Oper, die schönen Geschäfte, die guten Restaurants und Cafés – eine romantische Metropole mit Flair und Stil.

Sie haben täglich mit den schönsten Kleidern, Schuhen, Taschen zu tun. Gibt es in Ihrem Kleiderschrank ein Lieblingsteil und ist dies von Prada?

Ja, das gibt es tatsächlich. Es ist ein schwarzes Kleid von Prada. Das habe ich mir in Wien gekauft, noch bevor ich im Unternehmen anfing. Es lässt sich fantastisch kombinieren. Lässig mit Stiefeln und Schal oder Cardigan, elegant mit Jacke und Highheels. Miuccia Prada, die Chefdesignerin und Inhaberin des Hauses, hat es entworfen. Eine ganz tolle Frau, mit der ich wahnsinnig gern zusammenarbeite. Sie ist eine echte Trendsetterin, nach ihr richtet sich die Modewelt. Miuccia Prada gewann übrigens schon zweimal in New York den International Award des Council of Fashion Designers of America.

Ihr Stil ist wegweisend. Welche Stilrichtung lieben Sie persönlich und was käme für Sie niemals in Frage?

Ich kleide mich gern sportlich-elegant. Nicht laut nach außen, keine Neonfarben zum Beispiel, lieber ruhige, warme Töne. Rüschenblusen kämen für mich niemals in Frage. Da käme ich mir verkleidet vor.

Haben Sie ein Vorbild?

Kein konkretes Vorbild. Ich habe eine sehr liebe Freundin, deren Lebensweg ich aus verschiedenen, sehr privaten Gründen bewundere. Frauen wie die Innenarchitektin und Fotografin Andrée Putman imponieren mir. Bekannt geworden ist Andrée Putman vor allem durch ihr Schwarzweiß-Kachelmuster im Morgans Hotel, New York, von 1984. Diese Idee stammt buchstäblich von der Straße: das Muster der New Yorker Taxen diente ihr als Inspiration. Die heute 85-Jährige kann zweifelsohne als Coco Chanel des Innendesigns bezeichnet werden. Ihr unverwechselbarer Stil machte sie zu einer der erfolgreichsten und bekanntesten Designerinnen der Welt.

Was verstehen Sie unter Luxus?

Zeit haben! Mein Rückzugsort ist Mallorca. Auf der Insel bin ich total geerdet und glücklich. Dort sein zu dürfen, das ist für mich wirklich Luxus.

Haben Sie einen ganz persönlichen Traum?

Oh ja, den habe ich! Aber no comment.

Was bringt Sie zum Lachen?

Situationskomik, Realsatire. Ich kann auch gut über mich selbst lachen.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

Meine Hündin Sally natürlich, Mascara und Bücher der amerikanischen Autorin Tess Gerritsen. Spannung von der ersten bis zur letzten Seite.

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