Die Kunst der handwerklichen Schuhmacherei

© Foto: Axel Himer

DER YOUNGSTER
Axel Himer

Bedenkt man, dass Bootmaker wie John Lobb in London ihr Geschäft heute in der 4. Familiengeneration führen, dann steht Axel Himer,  nicht nur wegen seines jugendlichen Alters als Youngster da. Er ist der erste Schuhfreak in seiner Familie, seinen ersten Maßschuh machte er 1986, sein Aufstieg zur Top-Etage der internationalen Schuhmacher-Elite war entsprechend raketenhaft. Längst hat er Kunden auf dem ganzen Globus, von Japan bis New York.

Axel Himer zitiert gern einen Satz von Leonardo da Vinci: „Ein Fuß ist ein Kunstwerk aus 19 Muskeln, 26 Knochen und 107 Bändern. Ein Kunstwerk braucht einen Rahmen, keinen Käfig.“ Verschieben wir den Blickwinkel vom Kunstwerk Fuß auf das Handwerkskunststück Schuh, dann gilt: Der Schuh trägt seinen Rahmen in sich. Was aber genau ist am Schuh der Rahmen?

Himers Broschüre fasst die Schritte, in denen ein Maßschuh entsteht, kurz zusammen. (Wer Lust hat, sich ausführlicher aufs Handwerk einzulassen, dem sei der hochinformative Bildband des Budapester Schuhmachers László Vass empfohlen: „Herrenschuhe handgearbeitet“, ISBN 3-89508-111-6) .

 Wenn der Leisten hergestellt ist (ein genaues Holzmodell des Fußes, der den Schuh tragen wird), wenn das Oberleder zugeschnitten und zum Schaft zusammengesteppt, die Brandsohle auf die Unterseite des Leistens geheftet, der Schaft über die Brandsohle gezwickt und mit Nägeln auf dem Leisten fixiert wurde, dann tritt der Rahmen auf. Er ist beim Schuh nichts Starres, vielmehr ein Lederstreifen (aus dem Bauchbereich der Rinderhaut geschnitten, zirka 18 mm breit und 3 mm dick), den der Meister jetzt auf den umgebogenen Schaft und zugleich auf die darunter liegende Brandsohle näht. Dadurch setzt er einen Lederrand auf, der entlang der Kante einmal um die Sohlenfläche läuft (der Absatzbereich wird in der Regel ausgespart, oft läuft der Rahmen aber auch ganz herum).

Erst auf diesen Rahmen wird – nach Zwischenschritten – die Laufsohle genäht. Dann baut man den Absatz auf, und bald ist der Schuh bereit für Finish und Politur. „Das Rahmennähen“, so Axel Himer, „ist die aufwändigste Art, einen Schuh zu machen. Sie gibt ihm seine einzigartige Haltbarkeit. Sie ist aber auch wichtig für eine gute Optik.“

Zurück zu Leonardo, dem Kunstwerk Fuß und dazu, wie Axel Himer seine Schuhe davon abhält, Käfige zu sein. Verwurzelt in der Tradition der Maßschuhmacherkunst,  beherrscht der Badenser alle Fertigkeiten, Schuhwerk so individuell wie möglich den Füßen des Kunden anzupassen. Aber Axel Himer geht weiter. Er ist auch fit darin, Füßen, die gesundheitliche Defekte haben, medizinisch beizukommen. Das liegt an seiner dritten Ausbildung. Die erste Lehre machte er als Schreiner (da war die Neigung zum Handwerk schon klar). Bei der zweiten lernte er Kfz-Mechaniker („der Sinn für Präzision, der da gefragt war, hilft mir auch, wenn ich Schuhe baue“). Die dritte Lehre machte ihn zum Orthopädie-Schuhmacher, da arbeitete er parallell schon an seinem Traumziel, elegante Maßschuhe zu machen, „und zwar die besten“. Das hieß für ihn: Schuhe mit perfekter individueller Passform, Schuhe, die zugleich Medizin für gesundheitlich angeschlagene Füße sind („plötzlich hatte ein Kunde keine Rückenschmerzen mehr“), Schuhe, die „das Medizinisch-Anatomische und das Ästhetische miteinander verbinden“. 

Ergebnis: Himer-Schuhe tun wohl und sind schön.

Internet: http://www.himershoes.com 

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