Die Kunst der handwerklichen Schuhmacherei

LEDER AUS DEM MEER
George Cleverley

Cleverley ist wie John Lobb einer der ganz wenigen Maßschuhmacher, die es in London noch gibt (wenn man bedenkt: um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert waren es noch weit über hundert), und wie John Lobb genießt Cleverley Weltruhm. Der Gründer, George Cleverley, lebt nicht mehr. Er starb 1991 mit 92 Jahren, gearbeitet hat er bis zwei Wochen vor seinem Tod.

George Cleverley hatte das Glück, noch lange bevor er sein letztes Paar Schuhe machte, zwei kongeniale Vertreter der Londoner Bootmaker-Zunft zu treffen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, John Carnera und George Glasgow. Er hinterließ ihnen seinen Namen, und John und George beschlossen, „George Cleverley“ 1993 in der Royal Arcade Nr. 12 neu zu eröffnen. Die beiden besitzen das Geschäft zu gleichen Teilen, John ist der Schuhmacher, George der Manager.

Cleverleys Kunden sind glücklich über die Wiedergeburt, um so mehr, als Carnera und Glasgow mit Cleverleys Namen auch den originalen Cleverley-Stil fortführen, und der unterscheidet sich beispielsweise deutlich von der betont klassischen Linie eines John Lobb. Die Fasson von Cleverley war immer schick, leicht, finessenreich, elegant typisch die quadratisch geschnittene Spitze.

Berühmte Männer haben sich in diesen Stil verliebt und mochten sich von ihm nicht trennen. Sir Winston Churchill und Cary Cooper, Humphrey Bogart, der Herzog von Bedford, Jacky Stewart und Terence Stamp gehörten und gehören zur Fan-Gemeinde. Den Rekord an Treue und Enthusiasmus hält ein französischer Baron. Er ist heute in seinen 80ern, seit sechzig Jahren Cleverley-Kunde. In der Zeit ließ er sich an die 300 Paar Schuhe an die Füße messen und machen. Manche hat er nie getragen, einige stiftete er an Cleverley zurück. Sie zieren heute das Schaufenster in der Royal Arcade. Auffällt: der Baron liebt ausgefallene Lederarten. Damit war und ist er bei Cleverley genau richtig. Es ist faszinierend zu sehen, mit was für kostbaren Tierhäuten John Carnera arbeitet. Boxkalb ist selbstverständlich. Er macht aber auch mit Vorliebe Schuhe aus Eidechse, Strauß oder Missis-sippi-Alligator (die Tiere werden grundsätzlich in Farmen gezogen).

Spektakulär das lohgegärbte Rentierleder aus Russland. Es ist über zweihundert Jahre alt, wurde Anfang 1973 in einem dänischen Frachtsegler entdeckt, der 1786 im Sund von Plymouth gesunken war, und geborgen. Das Leder hat sich im Meeresgrund hervorragend erhalten, ist wunderschön rautenförmig genarbt, John hat sich so viele Häute gesichert, dass er noch einige Dutzend Paar Schuhe daraus machen kann.

Internet: http://www.gjcleverley.co.uk/

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