Die Kunst der handwerklichen Schuhmacherei

© Foto: Ludwig Reiter

DIE MANUFAKTUR
Ludwig Reiter

Wir haben auf unserer kleinen Reise in die Welt der rahmengenähten Schuhe gleich die exklusivsten Inseln angesteuert, die Maßschuhmacher. Sie bauen den Schuh an einem individuell gefertigten Leisten auf, arbeiten nur mit den eigenen Händen und wenigen Werkzeugen, schneiden sich mit dem Messer den Rahmen selbst zu, nähen ihn ohne Maschineneinsatz auf etc. Doch das ist keineswegs die einzige Art, edles Schuhwerk herzustellen.

Außerdem, es dauert recht lange, bis man einen neuen Maßschuh bei Fuß hat (von der Preisfrage einmal abgesehen), und ein Ereignis fällt dabei ganz aus: die Shoppinglust. Was für ein Vergnügen: Man gönnt sich vielleicht gerade einen Luxusaufenthalt in Singapur, wohnt im Raffles, schlendert durch die berühmten Shopping-Arkaden dieser Hotellegende, vorbei an den Läden internationaler Top-Designer, und bleibt vor dem Schaufenster von Ludwig Reiter stehen. Schöne Schuhe, fein gearbeitete Schuhe, und dieser klassische Wiener Loafer dort, sportlich, dabei sehr elegant – tja: Hineingehen, probieren, kaufen und sofort genießen! Das geht nur bei erlesener Konfektion. Ludwig Reiter ist dafür ein erstklassiger Name.

Ludwig Reiter, 1885 gegründet, sitzt in Wien. Man fertigt in der Vorstadt, in Wiener Neudorf, und zwar in einer klassischen Manufaktur. Wie beim Maßschuhmacher durchläuft der Produktionsvorgang alle herkömmlichen Arbeitsschritte, beim Ausschneiden und Zusammennähen des Oberleders angefangen. Nur nehmen die Schuhmacherhände hier Maschinen zu Hilfe, berühmte Maschinen darunter. Die Einstechmaschine zum Beispiel, die den Rahmen im Kettenstich mit Schaft und Brandsohle vernäht, hat Charles Goodyear im Jahr 1869 entwickelt. Auch die Doppelmaschine, die dann die Laufsohle an den Rahmen näht, stammt von ihm. Seine Erfindungen bedeuteten seinerzeit eine Revolution, ihre Funktionsweise hat sich bis heute bewährt – auch die Schuhmanufaktur hat ihre Tradition. (Wie rahmengenähte Schuhe mithilfe von Maschinen hergestellt werden, beschreibt ausführlich: Edition Schuhe, ISBN 3-9802034-3-3.)

Versteht sich, dass Hände, die solche Maschinen bedienen, mit höchster Präzision arbeiten müssen. Dazu gibt es Phasen, in denen auch sie auf sich allein gestellt sind. Perforationen, also die Lochmuster bei einem Brogue zum Beispiel, werden bei Ludwig Reiter ohne Maschinenunterstützung, rein manuell gestanzt. Erstaunlich auch, wie nahe ein Manufakturleisten der individuellen Anpassung kommt, die Maßarbeit leistet. Dafür sorgen allein schon differenzierte Abstufungen bei den Fußweiten und Absatzhöhen, außerdem breite Wahlmöglichkeiten bei der Form (Wiener Leisten, Ungarischer Leisten, Venezianischer Leisten usw.) Insgesamt gibt es 20 Variationen.

Sicher, man bewegt sich beim Kauf innerhalb des Designs von Ludwig Reiters Kollektionen. Aber die sind einerseits von raffinierter Vielfalt, die zweihundert verschiedenen Modelle reichen vom klassischen Wiener Mönchsschuh über englische Loafer in Kalbvelour (40 unterschiedliche Ledersorten stehen zur Wahl) bis zu amerikanischen Sportstiefeletten, andererseits ist der Kunde nicht darauf festgelegt. Stefan Fischer, deutscher Repräsentant der Marke Ludwig Reiter: „Wenn Sie statt braunem Velour gelbes wollen, statt Kalbsleder Krokodil- oder Pferdehaut, wenn Ihr Budapester keine Ledersohle, sondern Krepp haben soll, dann verweisen wir Sie nicht auf das aktuelle Sortiment. Dann fertigen wir das für Sie an.“

Internet: www.ludwig-reiter.com

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