Die Kunst der handwerklichen Schuhmacherei

© Foto: Berluti

DEN MÄNNERN ZU FÜSSEN
Berluti

Wenn sich beim Schuhemachen italienische Designverliebtheit und französischer Esprit vermählen, muss Ungewöhnliches entstehen. Wenn es dann noch eine Frau ist, die die Schuhe macht, eine Frau, die die Beziehung zwischen Schuhen und Kunden in Kategorien der Verführung beschreibt, eine Frau, die sagt, ihre Erfahrung käme davon, dass sie ein Leben zu Füßen von Männern verbracht habe, dann kann man mit mehr rechnen als mit ungewöhnlich schönen Schuhen. Berluti löst die Erwartung mühelos ein.

Olga Berluti ist die Enkelin von Alessandro Berluti. Er verließ als erstes Familienmitglied die italienische Heimat, um in Frankreich zu arbeiten. 1895 erreichte er Paris und machte sich schnell einen guten Namen als Maßschuhmacher. Olgas Onkel Torello folgte den Spuren des Vaters, eröffnete seine Pariser Werkstatt im Jahr 1926, kreierte Schuhe, die in der Zulunft als Aushängeschild des Hauses gehandelt wurden, darunter den berühmten Oxford mit drei Lochreihen in der (für einen Oxford typischen) geschlossenen Schnürung, den Schaft machte er aus einem einzigen Stück Leder. Dann zog er in die Rue Marbeuf Nr. 26. Dort übernahm Olgas Cousin Talbinio vom Vater die Geschäfte, erweiterte das Angebot um eine luxuriöse Konfektionslinie.  Als er das Haus an seine Cousine übergab, hatte Berluti internationalen Ruf.

Unter Olga Berluti, einer Enthusiastin der Maßschuhmacherei (das Handwerk hatte sie in der Werkstatt der Familie gelernt), wird der Look von Berluti spektakulär. Sie verwandelt die klassischen Formen in bezaubernde individuelle Ereignisse. Olga Berluti kreiert für Andy Warhol einen Loafer, der unter dem Namen des Pop-Art-Papstes legendär wird. Sie flicht an der Seite eines Plain Derby ein ledernes Lasso ein. Sie tätowiert ihre Schuhe. Sie pierct sie. Sie erfindet eine Sohle, die das Profil eines Rolls-Royce-Reifens abdrückt. Sie taucht ihr Leder in die Lagune von Venedig. Sie bleicht es bei Mondschein, um eine bestimmte Transparenz zu erreichen. Sie peitscht das Leder, verwundet es fast („Leder muss man zähmen, sie wissen, Kühe sind rebellisch“), und mit all diesen Extravaganzen schuf Olga Berluti Schuhe, die von den nobelsten Herren getragen werden. Ihr auserlesenster Kreis triff sich in Olgas „Swann Club“. Nach dem Dinner stellen die Gentlemen ihre Maßschuhe auf die Tafel und beginnen, sie gemeinsam zu putzen.

Olga Berlutis Schuhe versöhnen Klassik und Avantgarde miteinander. Olgas Kunstgriffe: Eleganz, raffinierteste Formgebung, traumhafte Farben, eine Ästhetik, die an Poesie grenzt.  

Internet: http://www.berluti.com/

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