Die Kunst der handwerklichen Schuhmacherei

© Foto: Alden

AUCH SCHUHE LIEBEN CHAMPAGNER
Grundregeln fürs Putzen und Pflegen

Maßschuhmacher haben ein Faible. Sie putzen ihren Kunden gern die Schuhe. Kaum irgendwo wird man dabei komfortabler sitzen als im Sessel von Axel Himer in Baden-Baden. Er ist aus feinstem Wurzelholz.  Öffnet der Kunde die eine Armlehne, findet er einen Humidor mit feinsten Zigarren vor, die andere birgt eisgekühlten Champagner. In den Fussteilen: die Schubladen mit den Putz- und Pflegemitteln. Jeder Maßschuhmacher, jeder gute Markenschuhändler bietet vorzügliche Putz- und Pflegegesets an. Sie sind unterschiedlich umfangreich. Die Luxusausgabe bei Eduard Meier, München, beinhaltet zum Beispiel einen Shoebone aus dem Vorderlaufknochen der Hirschkuh zum Ausbügeln von Kratzern im Leder.

Jeder Anbieter verrät gern seine eigene Kniffe, bei den grundlegenden Schritten sind sich alle einig:

1. Der Schuh muss nach dem Ausziehen noch tragewarm auf den Spanner. Dann ein bis zwei Tage ruhen lassen. Ist er nass, vor dem Spannen mit Zeitungspapier ausstopfen und das Papier solange wechseln, bis er trocken ist. Schuh dabei auf die Seite legen, auch die Sohle braucht Luft. Tödlich: den Schuh an der heißen Heizung trocknen .

2. Vor dem Putzen Schuhbänder entfernen.

3. Schuh mit der Schmutzbürste reinigen, hin und wieder auch mit flüssigen Lederreiniger.

4. Wachspaste oder dünnflüssige Schuhpflegecreme gleichmäßig auftragen (die Paste am besten mit einer Auftragbürste aus Pferdehaar, für jede Farbe selbstverständlich eine eigene), einwirken lassen, ruhig bis zu einer Stunde. Man kann dann das Mittel mit einem Poliertuch noch weiter einmassieren.

5. Das Polieren: Man nimmt dazu eine grosse Glanzbürste aus weichem Pferdehaar. Je gründlicher das Mittel einzog, um so länger muss man Polieren, erzielt aber einen umso schöneren Glanz. Der Trick für den perfekten Schimmer: Immer wieder Flüssigkeit auf die Bürste. Das kann Wasser sein. Spucke ist besser (Axel Himer erklärt warum: Die Enzyme des Speichels pflegen besser). Es geht aber auch edler. Gentlemen in Olga Berlutis Swann Club schwören auf Champagner. Madame Berluti selbst zieht ein paar Tropfen Cognac vor.

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