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Country Style Heft 56 | Sommer 2011

KUNST AM MEER
Ein Haus zum Erleben

„Atemberaubend schön“, sind wohl die ersten Worte, die dem Besucher angesichts des Domizils von Dörte Wehmeyer einfallen. Denn neben ihrer beeindruckenden Kunst entstand auf dem 10.000 qm großen, überwiegend naturbelassenen Grundstück direkt am Meer ein supermodernes Haus, das jedem Architekten zur Ehre gereichen würde.

Texte: Gabriele Isringhausen, Fotos : Klaus Lorke

Die 1944 auf der Flucht von Königsberg in den Westen geborene Künstlerin hat das Traumhaus selbst entworfen. „Das ganze Projekt ist eigentlich das Ergebnis einer guten Tat. Wir suchten für Freunde ein Haus auf Mallorca und fanden 1997 dieses bezaubernde Fleckchen Erde. Spontan haben mein Mann und ich beschlossen, es zu kaufen. Ich wusste sofort, dass ich hier Wohnen und Arbeiten wunderbar vereinen kann. Ich verkaufte mein Institut für angewandte Linguistik und kreative Kommunikation in Köln und begann meine Pläne umzusetzen. 1998 wurden auf Mallocra die Gesetze für Baugenehmigungen geändert. Es gestaltete sich alles recht schwierig. Aber wir hatten unser Traumhaus ganz genau im Kopf, wollte nicht aufgeben. Irgendwann konnten wir dann doch ausschachten und das Haus entstand exakt nach meinen Plänen. 2002 war es fertig“, erzählt Dörte Wehmeyer. In ihrem „ersten Leben“ hat sie Romanistik, Slawistik und Philosophie studiert, sie spricht fünf Sprachen. Entstanden ist ein Refugium, das den aktuellen Zeitgeist klar und puristisch widerspiegelt. Rund um das Haus finden sich Sonnen- und Schattenplätze mit eleganten Outdoor-Möbeln und doch wirkt nichts übertrieben, sondern eher zurückhaltend. Riesige Panoramafenster scheinen Sonne und Meer direkt ins Innere zu holen.

Das Interieur ist streng minimalistisch, besticht durch einen gelungenen Mix aus mediterranen Korbmöbeln, wenigen antiken Schränken und ausgesuchten Kunstobjekten. Gekonnt „verteidigt“ ein weißer Strandkorb seinen Lieblingsplatz in einem der Wohnräume, ein historischer Vogelkäfig wurde zum Kerzenhalter umfunktioniert, die alte Seemannskiste dient als Tisch. Weiße Felldecken und gekonnt platzierte Spiegel in allen Variationen wirken wie zufällig und tragen zum bezaubernden Ambiente des Refugiums bei. Leichte Abstufungen verbinden die Räumlichkeiten (vier Schlafzimmer, Küche, drei Bäder) auf mehreren Ebenen. Die gesamte Wohnfläche beträgt 250 Quadratmeter.

Wenn die Künstlerin nicht selbst hier arbeitet oder das begehrte Objekt für Mode- und Möbelfotografien genutzt wird, ist das Haus an der c/de la Fontanella als Ferienhaus (mit Fußbodenheizung) zu vermieten.

Preis pro Tag: 600 Euro, Pool und Traumpanorama inklusive. 
Telefon: 00 34 / 6 61 / 80 02 62

 

 

Spurensuche

Auf einem weitläufigen Areal an der romantischen Bucht von Cala Llombards im Südosten Mallorcas hat die Bildhauerin und Installationskünstlerin Dörte Wehmeyer ein Refugium geschaffen, in dem sich zeitgenössische Kunst und moderne Architektur zu einer perfekten Synthese vereinen. Besuch bei einer ungewöhnlichen Frau.

Kunst zwischen Gewalt und Hoffnung

„Wir sind das Volk“, ist in großen Stahllettern an die Wand geschweißt. Wasserläufe symbolisieren den Fluss des Lebens. Zerbrochene Glasscherben in einem alten Fischerboot stehen als Metapher für Scheitern und Flucht, aber auch für Neubeginn. Ein Labyrinth aus zweieinhalb Meter hohen, schwebenden Stahlplatten lässt die warme Sonne Mallorcas schnell vergessen. Zu beeindruckend sind die Sinnbilder und Botschaften, denen Dörte Wehmeyer Gehör verschaffen möchte.

Verbrannte Bücher. Marxismus, Islamismus, Faschismus – Worte, in Santanyí- Stein gemeißelt. Leere Stahlstühle hangeln sich an einer Wand entlang, andere zeigen Kinderporträts hinter Gitterstäben – wortlos! Steine sind mit Stoff umwickelt, formen sich zu einer Mauer. Es sind keine beschwingten Kunstwerke und Installationen, die Dörte Wehmeyer in ihren Werken verarbeitet. „Spuren“, nennt die Künstlerin ihre Ausstellung, die sie immer wieder mit Themen, die ihr am Herzen liegen, verändert und ergänzt. Die der japanischen Gartenkunst entlehnten Stahl- und Felsenwege des Labyrinths führen auf einen alten, knorrigen Feigenbaum zu – in die freie Natur. Denn auch sie ist ihr wichtig. „Die Natur gehört allen Menschen“, sagt die künstlerische Umweltaktivistin, die ihr Grundstück bewusst nicht eingezäunt hat. Ein begehbarer Davidstern ist ihr neuestes Projekt. Er ist 15 x 15 Meter groß und wurde aus verspiegeltem, hochpoliertem Corten-Stahl gebaut. Im Inneren des Sterns liegt wie verloren ein Violinenkasten. Keine Geige wird sich mehr aus ihm erheben, keine Melodien mehr erklingen – er ist mit Beton gefüllt. Eine gläserne Brücke – zerbrechlich und doch stabil – symbolisiert dagegen Hoffnung, Meer und Freiheit.

Die Materialien, mit denen Dörte Wehmeyer arbeitet, sind überwiegend Stahl, Stein, Holz, Blei und Glas. Sie spiegeln die Schwere der Themen wider. Verwitterung und Rostspuren sind aber auch sichtbare Zeichen von lebendiger Veränderung, ebenso wie die ausgehöhlten Palmenstämme der „Entwurzelten“ am Eingang der Ausstellung.

Vernissage
29. Mai 2011 und 12. Juni 2011, 2. Oktober 20011,
jeweils 11.00 bis 15.00 Uhr, sowie jeden Pfingstsonntag
und an jedem Sonntag vor dem 3. Oktober.

 

„Ich habe so viele Fragen“
Ein Gespräch mit Dörte Wehmeyer über Gewalt, Hoffnung und ein Erbe, das es noch lange nicht zu verteilen gilt.

 Mit Mallorca verbindet man die Leichtigkeit des Seins, türkisblaues Wasser, Urlaub, Fröhlichkeit. Sie beschäftigen sich auf der Sonneninsel eher mit ernsten Themen. Warum auf Mallorca?

Vor 27 Jahren haben sich mein Mann und ich in die Insel verliebt. Es war schon lange mein Traum, hier einen Großteil des Jahres zu verbringen. Mallorca, das ist ja nicht nur Massentourismus. Es gibt so viele schöne, stille Flecken.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit Kunst und folglich auch mit Politik und Weltgeschehnissen?

Ich war elf Jahre, als ich einen Film über die Nürnberger Naziprozesse sah. Ich hatte tausend Fragen und bekam keine Antworten. Es herrschte das kollektive Schweigen. Dieser Film hat mich traumatisiert, sensibilisiert. Als ich 15 Jahre alt war, gingen meine Eltern mit mir nach Washington. Dort erlebte ich die Rassentrennung, nahm an Protestmärschen teil. Dann beschloss ich, nicht mehr zu Empfängen ins Weiße Haus, zu denen mein Vater als Diplomat geladen war, zu gehen. Ich war also schon recht früh politisch. Zurück in Deutschland, wurde der Wunsch, meine Gefühle und Gedanken in Kunst umzusetzen, stärker. Ich nahm bei einem Hannoveraner Künstler und Bildhauer Unterricht, lernte schweißen, flexen und war glücklich, wenn unter meinen Händen ein Objekt entstand.

Ihre heutigen Objekte sind oft riesig, da können Sie kaum selbst Hand anlegen.

(Schmunzelt) Nein, das ist wahr. Aber ich habe viele starke Helfer.

Kunst muss provozieren, sehen Sie das auch so?

Unbedingt, aber nicht nur provozieren, auch nachdenklich machen und Hoffnung geben. Der Holocaust hat mich nachdenklich gemacht, der Fall der Mauer hat mich sehr intensiv beschäftigt. Gewalt an Kindern, Ausbeutung, die Macht der Diktatoren, die Zerstörung der Natur, unermesslicher Reichtum auf der einen und bittere Armut auf der anderen Seite, das sind Problematiken, mit denen ich mich auseinandersetze. Ich habe immer noch so viele Fragen und suche in meiner Kunst nach Antworten.

Können Sie trotz dieser schwermütigen Gedanken die Sonneninsel Mallorca genießen?

(Lacht aus vollem Herzen) Und wie. Ich bin ein fröhlicher Mensch mit ernsten Gedanke. Ich genieße das Leben und ich liebe dieses Fleckchen Erde. Es ist mein Paradies und ich freue mich, dass meine Kunst nicht nur ein fachlich hoch qualifiziertes Publikum anspricht, sondern auch Menschen, die nie etwas mit zeitgenössischer Kunst zu tun hatten.

Sie haben mit Ihrer Kunst und diesem Haus ein Lebenswerk geschaffen. Macht Sie das stolz?

Dieses Wort würde ich für mich nie in Anspruch nehmen. Es macht mich zufrieden und glücklich, dass ich die absolute Freiheit habe, diese Thematiken künstlerisch zu bearbeiten, und ich stelle mich diesen Aufgaben verantwortungsbewusst. Jeder Mensch sollte Spuren hinterlassen. Später soll das Objekt vielleicht eine Stiftung für internationale Künstler werden, die nicht so viel Glück hatten, wie ich, um ihre Arbeiten zu realisieren. Vielleicht erhalten sie ja meinen Irrgarten und erweitern ihn mit ihren eigenen Spuren.

www.doertewehmeyer.com

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Kunst am Meer

Kunst zwischen Gewalt und Hoffnung - Vernissage
29. Mai 2011 und 12. Juni 2011, 2. Oktober 20011, jeweils 11.00 bis 15.00 Uhr, sowie jeden Pfingstsonntag und an jedem Sonntag vor dem 3. Oktober