YACHTING & Style Heft 18


© FOTO Heike Schwab

Der 34. America’s Cup startet durch

Der America’s Cup (AC), die älteste und begehrteste Segeltrophäe der Welt, hat sich in Cascais/Portugal beeindruckend auf die Segelbühne zurückgemeldet. 1½ Jahre hat sich der aktuelle Verteidiger ORACLE Racing seit seinem Sieg über Alinghi im Februar 2010 Zeit gelassen, um seine moderne Vision des Cup’s umzusetzen.

Wichtigster Baustein für den „neuen Cup“ sind die Rennboote. Es wird nicht mehr auf den klassischen Einrümpfern gesegelt, die immer wieder als schwerfällig und langsam bemängelt wurden, sondern auf leichten, technisch ausgereiften und extrem schnellen Katamaranen mit einem festen Flügelsegel. In 2011 und 2012 findet der Wettkampf auf 45-Fuß-Kats statt, die einheitlich gebaut sind, um alle Teams an die neuen Bedingungen heranzuführen. Ab Ende 2012 und 2013, im America’s Cup selbst, wird dann auf 72-Fuß-Katamaranen gesegelt, die jedes Team individuell entwickelt. Die zweite wesentliche Neuerung im völlig reformierten America’s Cup ist die Medienshow, die den mitreißenden Sport der Audience näherbringen soll. Zahlreiche Bordkameras, Helikopter und eigens entwickelte TV- und Fotoboote halten die Aktionen während der Regatten in Bild und Ton fest und übertragen die Show live im TV, Internet, You Tube und über Großbildleinwände vor Ort. Das Publikum wird quasi mit an Bord genommen und kann hautnah, wie nie zuvor, die Segler im Rennen bei all ihren Aktionen beobachten. Russell Coutts, vierfacher America’s-Cup-Gewinner und CEO des amerikanischen Teams ORACLE Racing, will damit den Cup „weg von den Flintstones hin an die Facebook-Generation führen“. „Um die Zuschauerrate zu verbessern, musst du vor allem eines machen, du musst das Fernsehen und Internet einbeziehen“, setzt Coutts seine Erläuterungen des neuen Auftritts fort. 50 Millionen US-Dollar hat der Verteidiger der weltberühmten „Kanne“ bereits in dieses TV-Konzept investiert, um dessen Möglichkeiten, insbesondere die weltweite Vermarktung, zu demonstrieren.

Cascais, der erste Event der sogenannten America’s Cup World Series (ACWS), den Vorregatten des 34. AC, war die Generalprobe  für das neue Konzept, das auch die Organisatoren und Veranstalter selbst mit großer Spannung erwartet haben. Und die Feuertaufe ist bestanden. Die 45-Fuß-Kats haben sich als wahre Geschosse gezeigt, die schon bei einer leichten Brise in wenigen Sekunden auf ein Tempo von 20 Knoten und mehr kommen können. Dicht unter Land, in Sichtweite zum Strand und der Promenade, jagen die Kats auf einer Kufe dahin, während die Fünf-Mann-Besatzung auf dem zweiten Rumpf hoch über dem Wasser schwebt und jede Böe nutzt, um die Geschwindigkeit noch zu steigern. Die kurzen Strecken und die schnellen, zahlreichen Manöver verlangen der Crew physisch alles ab. Während der etwa 20-minütigen Rennen sind volle Konzentration, blitzschnelle Reaktion und ununterbrochenes Arbeiten auf den kleinen Flitzern nötig, um im Feld dabeizusein. Sportlich hat der America’s Cup in dieser Form dazugewonnen und verdient den Titel „Die Krone des Segelsports“.

Doch trotz aller Neuerungen sind sich die Träger des 34. America’s Cup, der Verteidiger ORACLE Racing und der Challenger of Record, das schwedische Team Artemis, auch der Traditionen bewusst, die den Cup nunmehr 160 Jahre ausmachen. Zwar wünscht sich das Management des Verteidigers, den Cup mit dem Medienspektakel unabhängiger zu machen und insbesondere finanziell auf eigene Füße zu stellen und als eine eigenständige Sportveranstaltung, wie eine Champions-League, zu vermarkten. Tatsächlich wird der Segelsport aber nach wie vor zu 80 Prozent aus Sponsoren- und Privatgeldern finanziert, die dem Cup schon immer den traditionellen Glamour und die Exklusivität verliehen haben. Reiche Tycoons wie der Software-Milliardär Larry Ellison, Eigner des amerikanischen Verteidigers ORACLE Racing, werden auch künftig nicht aus dem Cup wegzudenken sein. Und Sponsoren wie die französische Edelmarke Louis Vuitton, offizieller Zeitnehmer während der America’s Cup World Series und namensgebender Sponsor des Louis Vuitton Cups in 2013, sind essentiell für den luxuriösen Charakter und den Touch des Besonderen in und um den America’s Cup. Sie sind es, die die prachtvollen Megayachten anlocken, die sich auch in Cascais unter die Zuschauerflotte gemischt haben. Sie sind es, die Berühmtheiten und Persönlichkeiten einbeziehen und den Cup glänzen lassen und das edle Ambiente prägen.

 

Der America’s Cup ist die Krönung des Segelsports und ein Wettbewerb um das beste Bootsdesign, der seinen Glanz durch die betuchten Protagonisten und Edelsponsoren erhält, das wird sich auch bei der 34. Auflage der berühmten Regatta nicht ändern. Cascais war ein gelungener Auftakt und hat gezeigt, wie schnelle, dynamische Boote und athletische Extremsportler die Zuschauer aller Klassen in ihren Bann ziehen können. Das Fundament des Cups wurde erfolgreich erweitert, ohne den Glamour zu verlieren und das Publikum kann sich jetzt schon freuen, wenn es in Plymouth im September 2011 und San Diego im November für die 9 Teams (7 Herausforderer, 2 Verteidiger) wieder heißt: „Vorgang auf – Let the show begin“.  

 

 Teams in Cascais 

 Verteidiger:  
  USA – Oracle Racing 4 – James Spithill
USA – Oracle Racing 5 – Russell Coutts
 Herausforderer:  
  Schweden – Artemis Racing (Challenger of Record)
Frankreich – Aleph Equip de France
China – China Team
New Zealand – Emirates Team New Zealand
Frankreich – Energy Team
Spanien – GreenCommRacing
Korea – Team Korea

 

Cascais AC Match Race Championships Ergebnisse
1. Oracle Racing 4 – James Spithill USA
2. Emirates Team New Zealand New Zealand
3. Artemis Racing Schweden
4. Team Korea Korea
5. Oracle Racing 5 – Russell Coutts USA
6. Energy Team  Frankreich
7. GreenCommRacing Spanien
8. Aleph Equip de France Frankreich
9. China Team China
   
Cascais AC Fleet Race Championships Ergebnisse
1. Emirates Team New Zealand New Zealand
2. Artemis Racing Schweden
3. Oracle Racing 4 – James Spithill USA
4. Oracle Racing 5 – Russell Coutts USA
5. GreenCommRacing Spanien
6. Aleph Equip de France Frankreich
7. Team Korea Korea
8. Energy Team Frankreich
9. China Team China

  

America’s Cup World Series 2011

Plymouth 10. – 18. September 2011
San Diego 12. – 20. November 2011

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