HIGH LIFE Heft 28 | Frühjahr 2012

© FOTO Ferrari

Ferrari 458 Spider
DER NÄCHSTE SOMMER KOMMT BESTIMMT

Auf der diesjährigen IAA in Frankfurt enthüllte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo höchstpersönlich den offenen 458 Spider, der bereits jetzt Vorfreude auf den nächsten Sommer macht.

TEXT Christian Sauer |  FOTOS Ferrari

Nachdem beim Ferrari California erstmals eine aufwändige Dachkonstruktion aus Glas und Metall Premiere feierte, scheint die Zeit der traditionellen Stoffverdecke bei dem italienischen Sportwagenhersteller wohl endgültig zu Ende zu sein. Beim noch sportlicheren 458 verspricht der Verzicht auf ein Stoffdach nun auch mehr Alltagstauglichkeit und überraschenderweise sogar weniger Gewicht. Per Knopfdruck öffnet sich das einteilige Hardtop aus Alu und klappt in einem Zug nach hinten. Der Vorgang dauert nur 14 Sekunden und ist ebenso sehenswert wie simpel. Da das Dachteil unter der festen Abdeckung zwischen Cockpit und Motorraum wenig Platz beansprucht, bleiben die Ablagemöglichkeiten hinter den beiden Sitzen unverändert erhalten. Bei der Fahrt mit geöffnetem Verdeck ermöglicht ein elektrisch ausfahrbares Windschott selbst bei Geschwindigkeiten über 200 km/h Unterhaltungen in normaler Lautstärke.

Offen noch intensiver
Wie schon beim geschlossenen 458 Italia sorgt auch beim Spider die ausgeklügelte Aerodynamik ohne aufgesetzte Spoiler am knackigen Heck mit Diffusor für Stabilität und Sicherheit bei Höchstgeschwindigkeiten bis 320 km/h. Die auffälligen Finnen hinter den beiden Sitzen und Überrollbügeln optimieren den Luftfluss zum Motor. Der Achtzylinder-Saugmotor mit Direkteinspritzung und 4,5 Liter Hubraum sorgt wie im Coupé für Gänsehaut. Durch das Hochdrehzahlkonzept liegt die maximale Leistung von 570 PS erst bei 9000 Touren an und der Weg hinauf zum Drehzahlgipfel ist ebenso kurz wie beeindruckend. Der an den Rennsport erinnernde Klang aus den drei Auspuffendrohren lässt sich offen im Spider noch intensiver erleben als im Italia. Das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe mit Launch-Controll katapultiert den rund 1,4 Tonnen leichten Mittelmotorsportler in nur 3,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Geschaltet wird im 458 entweder per Automatikmodus oder mit den Schaltpaddles, die zwar fest installiert, vom unten abgeflachten Lenkrad aus aber dennoch gut erreichbar.

Formel-1-Feeling hinter dem Steuer
Ebenfalls der Königsklasse des Motorsports entliehen sind die Setup-Einstellung per Drehknopf und die Bedienung der meisten Funktionen inkl. Lichthupe, Scheibenwischer und Blinker mit Knöpfen am Lenkrad. So bleiben beide Hände immer am Steuer und nach der Eingewöhnungsphase mit anfänglichen Griffen ins Leere wollten wir diese sinnvolle Entwicklung gar nicht mehr missen. Gleiches gilt für das digitale Cockpit, das wie in einem Jet ganz auf den Fahrer ausgerichtet ist und ihn mit zahlreichen Informationen versorgt. Allein der große Drehzahlmesser in der sind. Darin sind wie in Formel-1-Rennwagen farbige LEDs integriert, die vor dem Erreichen der Höchstdrehzahl an den Gangwechsel erinnern. Mitte erinnert noch an die vergangenen Zeiten mit formschönen Analoginstrumenten. Die serienmäßigen Sitze passen wie ein maßgeschneiderter Anzug.

Nicht zu weit, nicht zu eng, bieten sie guten Seitenhalt und sind für einen Wagen mit über 320 km/h Höchstgeschwindigkeit überraschend bequem. Optional sind Carbon-Schalensitze in verschiedenen Größen bestellbar. Leichtfüßig, schnell, aber nicht unkomfortabel präsentiert sich der Ferrari 458 auf der Straße. Die direkte Lenkung reagiert feinfühlig auf jede Kurskorrektur. Auch ohne Allradantrieb sorgt die elektronische Differentialsperre zusammen mit den Pirelli P-Zero-Reifen für Traktion. Den sehr guten Eindruck vom neuesten Ferrari runden die riesigen Carbon-Keramik Bremsen mit brachialen Verzögerungswerten ab.

27.600 Euro teurer als das Coupé
Für uns ist der Ferrari 458 – als Cabrio wie auch als Coupé – einer der besten Sportwagen der Welt. Ebenbürtige Gegner gibt es derzeit nur wenige, denen oft nur die Heckansicht und der beeindruckende Sound des Achtzylinders bleiben. Mit 221600 Euro Grundpreis kostet der neue Spider in Deutschland 27600 Euro mehr als der geschlossene Italia – ein Platz an der Sonne war schon immer etwas kostspieliger. Wer den nächsten Sommer italienische Fahrfreunde unter freiem Himmel erleben möchte, sollte sich bald entscheiden, denn die ersten Bestellungen gab es bereits vor der Messe und erfahrungsgemäß steigt nach der Präsentation die Wartezeit für neue Modelle aus Maranello schnell auf ein Jahr oder mehr an.

 

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